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Wilfried Tölkes vom Bioland Gut Höfferhof im Bergischen Land klärt über den Beruf des Landwirtes auf. Image 1
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Das Ehepaar Wilfried Tölkes und Katharina Sturm betreiben das Bioland Gut Höfferhof. Bild: Privat

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„Als Landwirt musst du 150 % geben“ Wilfried Tölkes vom Bioland Gut Höfferhof im Bergischen Land klärt über den Beruf des Landwirtes auf.

23.06.2022

Viele Städter träumen vom Leben auf dem Land. Raus aus dem Lärm des Verkehrs, dem Gestank, der Enge des Häusermeeres und hinaus in die unberührte Natur. Eventuell ein paar Milchkühe angeschafft, ein paar Hühner, die Eier legen. Die gute Luft atmen, fröhlich vor sich hin pfeifen und auch noch davon leben können. Über solche romantischen Vorstellungen vom Leben und Arbeiten auf dem Land kann der Diplom Agraringenieur Wilfried Tölkes nur milde lächeln. Seit 1992 führt Tölkes das 100 ha große Gut Höfferhof im Bergischen Land am Ortsrand der Gemeinde Much. „Landwirt ist ein sehr schöner Beruf, aber um erfolgreich zu sein, musst du ständig 150 % geben. Krank sein geht nicht, Urlaub ist nicht. Die verbleibende Zeit für Ehefrau und Kinder ist knapp.“

Wilfried Tölkes hat das alles erlebt und möchte diesen allzu hohen Preis nicht mehr zahlen. Noch bis vor drei Jahren hielt er an seinen Milchkühen fest, die er als zertifizierter Biolandwirt unter großem Aufwand und mit zuletzt immer weniger Erträgen auf der Weide hielt. „Diesen Aufwand kann sich ein Außenstehender nicht vorstellen“, erzählt Tölkes. Als 2018 im eigentlich regenreichen Bergischen Land der Regen ausblieb, entschied er, die Milchwirtschaft aufzugeben. „Der immer härtere Preisdruck war schon belastend, der ausbleibende Regen dann zu viel. Das war nicht mehr zu machen.“ Auch hinsichtlich der bereits erwähnten persönlichen „Nebenwirkungen“. Inzwischen hatte Tölkes in Katharina Sturm aus Bonn eine neue Partnerin gefunden, die begeistert und engagiert auf dem Hof mitarbeitete und auch neue Ideen einbrachte. In der Folgezeit verwirklichte das Paar nach und nach eine Idee, die schon seit längerer Zeit in ihren Köpfen herumging. „Wir hatten auf dem Gelände immer schon einen Bauwagen stehen, der auch bewohnt wurde. Als der plötzlich frei wurde, nutzten wir ihn zunächst selbst, fanden das sehr idyllisch und entspannend, umgeben von den Kühen und so inmitten der Natur“, erzählt Katharina Sturm. „Das auch anderen anzubieten war eine nur logische Überlegung.“ Seitdem bieten sie einen mit viel Liebe renovierten historischen Zirkuswagen als Feriendomizil an, der mitten auf der Kuhweide steht. Eine gute Investition, wie sich bald herausstellte. „Der Wagen bringt fast schon mehr ein als das, was noch in der Milchwirtschaft zu erzielen war“, sagt Wilfried Tölkes, der selbst junge Menschen zum Landwirt ausgebildet hat. „Reich wird als Landwirt niemand, da muss schon viel Herzblut im Spiel sein“, erklärt er. „Ein schöner Beruf ist es dennoch.“

Wer nur mal eben ins Landleben reinschnuppern möchte, der kann das auf Zeit über die WWOOF-Bewegung auch auf dem Hof von Wilfried und Katharina tun. WWOOF hat sich zum Ziel gesetzt, ökologische Höfe mit Besuchern zu verbinden. Die „WOOFER“ helfen halbtags auf dem Hof mit, lernen den Beruf kennen und nehmen am täglichen Leben ihrer Gastgeber teil. Eine gute Möglichkeit für junge Menschen, zu erfahren, ob ein Leben auf dem Land wirklich infrage kommt.

Infos zum Bioland Gut Höfferhof gibt es unter www.bioland-gut-hoefferhof.de und unter www.bergische-freiraumzeit.de
Angebote zum WWOOFing: https://wwoof.de