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Wo die Freiheit grenzenlos ist: Die Ausbildung zum Piloten ist keine klassische – Anwärter müssen viel dafür investieren, um eines Tages tatsächlich ihren Traumberuf ausüben zu können

Bild: Lukas Gojda/stock.adobe.com

Einige Passagiere können es kaum abwarten. Gespannt schauen sie aus dem Fenster und beobachten die Vorbereitung für den Take-off. Anderen steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben, weshalb sie nervös auf ihrem Bonbon herumkauen. Während sich die Stewardessen durch die Gänge quetschen, gehen die Piloten auf dem Weg zur Startbahn ihre Checkliste durch. Das Höchstabfluggewicht wurde bereits festgestellt, nun testen sie Bremsen, Ruder und Startklappen ein letztes Mal. Nach der Freigabe durch den Tower wird es ernst. Das Flugzeug wird in der Startbahnmitte positioniert und der Startvorgang kann beginnen. Die Triebwerksleistung wird per Schubhebel zunächst auf etwa 50 Prozent erhöht, ehe sie nach einer abschließenden Überprüfung auf das Maximum gebracht wird. Wenige Augenblicke später werden die Passagiere in ihre Sitze gedrückt, das Flugzeug beschleunigt innerhalb kürzester Zeit auf 250 bis 345 km/h und hebt schließlich ab. Schon bald hat der Flieger seine Reiseflughöhe erreicht, die meisten Passagiere können sich nun wieder entspannen.
   
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Hohe Anforderungen

Für viele Piloten ist dieses Prozedere längst zur Routine geworden. Als erhabenes Gefühl beschreiben sie die Situation dennoch immer wieder gerne. Die Aussicht, die sie Tag für Tag über den Wolken genießen ist einmalig. Außerdem haben sie die Möglichkeit, die Welt zu erkunden und viele interessante Orte kennenzulernen. Kein Wunder, dass viele Kinder davon träumen, eines Tages selbst als Pilot im Cockpit zu sitzen. Doch um die 20- bis 22-monatige Ausbildung absolvieren zu können, müssen Anwärter eine Fülle von Voraussetzungen abdecken. Bei vielen Fluggesellschaften wird neben einer unbefristeten EU-Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, der flugmedizinischen Tauglichkeit, sehr guten Englischkenntnissen und dem Mindestalter von 18 Jahren auch die Fachhochschulreife oder die mittlere Reife mit abgeschlossener Berufsausbildung vorausgesetzt.

Zahlreiche Tests und Prüfungen erwarten die Bewerber im Vorfeld

Anspruchsvolles
Neben dem Kapitän ist immer ein First Officer im Cockpit anwesend  Bild: petrovalexey/stock.adobe.com
Neben dem Kapitän ist immer ein First Officer im Cockpit anwesend Bild: petrovalexey/stock.adobe.com


Werden diese Anforderungen erfüllt, ist der Weg ins Cockpit allerdings noch längst nicht geebnet. Denn vor dem Ausbildungsbeginn zum Piloten steht beispielsweise bei Eurowings ein Auswahlverfahren bei der European Flight Academy an, das in drei Schwerpunkte untergliedert wird. Der erste davon ist die Berufsgrunduntersuchung, wobei innerhalb eines Tages das technisch-physikalische Grundwissen, Sprachkenntnisse und die Matheaffinität getestet werden. Außerdem geprüft werden kognitive Fähigkeiten, sensomotorische Koordination sowie Multitasking in komplexen Situationen. Sollten die Bewerber diese Tests bestehen, steht wenige Tage später die Gruppenqualifikation an. Dabei geht es vor allem darum, dass die Anwärter sich in einer Einheit bewähren. Zudem werden während eines Interviews die Sozialkompetenzen ermittelt und in einem Simulator verschiedene motorische Tests durchgeführt. Wurde dieser Teil ebenfalls erfolgreich absolviert, ist es bis zum Ausbildungsbeginn nicht mehr weit. Es muss lediglich noch die flugmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung überstanden werden. Anders als häufig vermutet, ist eine Sehschwäche kein Ausschlusskriterium und auch eine Mindest- oder Maximalgröße ist nicht vorgeschrieben. Den Bewerbern sollte allerdings von Anfang an klar sein: Nur die besten zehn Prozent der Absolventen des Auswahlverfahrens bekommen tatsächlich die Chance, sich zum Piloten ausbilden zu lassen.
   
Hilfe bei der Finanzierung

Da es sich dabei nicht um einen klassischen Ausbildungsberuf handelt, bekommen die Anwärter als Azubis kein Geld. Im Gegenteil: Um an der European Flight Academy zugelassen zu werden, müssen sie im Vorfeld Kosten von 60.000 Euro einkalkulieren. Ein Betrag, der von jungen Menschen nicht ohne Weiteres aufgebracht werden kann. Dafür gibt es verschiedene Finanzierungsmodelle. Sollte der komplette Betrag vor Ausbildungsbeginn zur Verfügung stehen, werden dem Azubi 2,5 Prozent der Schulungskosten erlassen. Durch das Stundungsmodell der Lufthansa Group wiederum müssen die Azubis die Kosten zunächst nicht selbst tragen, sondern erst nach erfolgreichem Abschluss und anschließendem Berufseinstieg bei einer Airline zurückzahlen. Da sich das Jahresgehalt vieler Piloten anfangs auf etwa 60.000 Euro beziffert und es sich im Laufe der Karriere erhöht, kann dieser Betrag verhältnismäßig schnell getilgt werden. Eine Alternative kann im Einzelfall auch eine Bafög-Regelung sein.
Den Bewerbern werden im Simulator die Funktionen der verschiedenen Geräte erklärt Bild: auremar/stock.adobe.com
Den Bewerbern werden im Simulator die Funktionen der verschiedenen Geräte erklärt Bild: auremar/stock.adobe.com
Die Schule beginnt

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kann die Ausbildung beginnen. Los geht es mit einer zwölfmonatigen Theoriephase in Bremen, die etwa alle vier Wochen aufs Neue startet. Damit der Unterricht nicht zu eintönig wird, gehören E-Learning-Module zum Alltag der angehenden Piloten. Ab dem 13. Monat wird es dann spektakulär: Zum ersten Mal überhaupt dürfen die Azubis ins Cockpit steigen. Während eines halbjährigen Aufenthalts in Vero Beach, Florida werden Trainingsmaschinen gestartet, geflogen und wieder gelandet. Eine spannende Zeit, die mit Beginn des 19. Monats endet. In Rostock-Laage steht dann das Training, Protokollieren und Analysieren von komplexen Situationen in zweimotorigen Flugzeugen und in Simulatoren auf dem Plan. Ist dieser Punkt gleichfalls absolviert, ist es bis zum ersehnten Abschluss nicht mehr weit. Allerdings werden vor der Prüfung in einem Full-Flight-Simulator noch einen Monat lang Kompetenzen wie Kommunikation, Führung, Entscheidungsfindung und Teamwork zwischen dem fliegenden sowie dem assistierenden Piloten trainiert. Dabei wird die Komplexität der Aufgaben kontinuierlich gesteigert. Nach einer aufregenden Zeit ohne Semesterferien endet die Ausbildung schließlich mit dem Erwerb der Pilotenlizenz.

Und endlich: der Berufseinstieg

Nun winkt für mehr als 95 Prozent der Absolventen eine Einstellung bei einer Airline. Direkt als Kapitän eines Airbus A380 treten die Berufsneulinge dabei indes nicht an. Vielmehr werden sie als Second Officer für vier bis sechs Monate weitergebildet, wobei sie unter Aufsicht damit beginnen, Verkehrsflugzeuge mit Passagieren zu fliegen. Erst danach werden sie zum Co-Piloten, der auch als First Officer bezeichnet wird. Als Stellvertreter des Kapitäns müssen sie nun Flüge eigenständig vorbereiten und sie in Zusammenarbeit mit dem Kapitän letztlich durchführen. Um zur wichtigsten Person im Cockpit zu werden, dauert es aber noch. Denn der im Flugzeug stets vorne links sitzende Kapitän hat mindestens 42 Monate als First Officer gearbeitet und dabei nicht weniger als 3.000 Flugstunden gesammelt. Wird ein Pilot schließlich zum Kapitän ernannt, darf er sich über eine deutliche Gehaltssteigerung freuen, da den erfahrenden Flugzeugführern nun bei vielen Airlines ein sechsstelliger Jahresbetrag gezahlt wird. Den allermeisten Piloten geht es aber bei der Ausführung ihres Jobs nicht uns Geld. Vielmehr ist es die einmalige Aussicht hoch über den Wolken, die sie antreibt.
   
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