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Shopping vor Ort ist derzeit noch eingeschränkt erlaubt Bild: kasto/stock.adobe.com

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„Wichtiger Schritt in Richtung Normalität“ Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW, schildert die aktuelle Situation und die Chancen von Click and Meet

25.03.2021

Herr Hamel, wie schätzen Sie das Potenzial von Click and Meet für den Einzelhandel ein?

Jörg Hamel: Wir haben im Handel immer darunter gelitten, dass man uns keine Perspektive geben konnte. Das heißt, die Politik hat immer gesagt, sie müsse auf Sicht fahren, weil sie nicht wisse, wie sich das Virus entwickelt. Da sind wir anderer Meinung, denn als Unternehmen können wir auch nicht auf Sicht fahren, sondern wir brauchen klare Aussagen, um planen zu können. Daher ist Click and Meet eine Übergangslösung und als ein Schritt in Richtung Normalität zu verstehen. Denn wir dürfen damit wieder Kunden ins Geschäft lassen. Sicher haben diese Kunden in den vergangenen Tagen staunend in den Läden gestanden, weil sie gar nicht mehr wussten, wie sich ein Einkaufsbummel in einem Geschäft anfühlt. Einige Unternehmer haben ebenfalls erzählt, dass es für sie ungewohnt war, wieder Kunden begrüßen und beraten zu dürfen. Da findet gerade ein langsames wieder aneinander Gewöhnen statt.

Lohnt sich dieses Konzept für die Geschäfte?

Hamel: Click and Meet bringt nicht die großen Umsätze. So hat mir der Betreiber eines großen Warenhauses in der Kölner Innenstadt berichtet, dass er zwar an einem Tag rund einhundert Kunden gleichzeitig mit Terminen eingelassen hätte, aber eigentlich nach den vorgesehenen 40 Quadratmetern pro Kunde bis zu 700 Besucher parallel beraten dürfe. Da stellt sich zumindest für ein Kaufhaus die Frage der Wirtschaftlichkeit. Denn solche Häuser mit tausenden von Quadratmetern Fläche sind für entspanntes Bummeln geplant und nicht auf zielgerichtetes Einkaufen in einem engen Zeitfenster. Bei einem Trauring-Studio beispielsweise sieht das anders aus. Dort möchte sich ein Paar die Ringe für die Hochzeit aussuchen und geht nicht locker shoppen. Daher passt Click and Meet bei manchen Geschäften und bei andern eben nicht. Die Brautmoden-Händler jubilieren zum Beispiel, weil sie schon immer alles mit Terminen gemacht haben. Um es auf den Punkt zu bringen, ist das Konzept sicher gut geeignet für kleinere Geschäfte. Die großen Händler haben mir hingegen vorab gespiegelt, dass das für sie nicht die geeignete Lösung ist, obwohl sie natürlich trotzdem mitmachen, auch wenn der wirtschaftliche Erfolg nicht da ist. Man möchte dem Kunden zeigen, dass man noch da ist. Man hat jetzt auch ein wenig neue Ware einkauft, was ja auch nicht ganz einfach war. Denn ohne Perspektive hätte ja niemand Ware geordert.
  

Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Bild: zVg
Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Bild: zVg

Holen die Einzelhändler nach Ihren Erkenntnissen denn auch ihre Mitarbeiter wieder zurück in die Geschäfte?

Hamel: Ein Händler sagte mir, er müsse erst mal schauen, ob er seine Mitarbeiter wieder an Bord bekommt und ob er sich das überhaupt leisten kann. Denn sobald sie wieder im Geschäft stehen, fallen sie aus dem Kurzarbeitergeld heraus und das ist mit dem geringen Umsatz nicht aufzufangen. Nicht umsonst standen in der Zeit von Click und Collect die meisten Inhaber selbst im Laden und haben den ganzen Tag darauf gewartet, dass jemand an die Tür klopfte, um Waren abzuholen. Das war schon nicht wirtschaftlich. Nun kommen die Kunden auch eher zaghaft wieder zurück. Aber es ist nicht nur für die Menschen wichtig, das Einkaufen neu zu erleben, sondern auch für die Mitarbeitenden wieder den sozialen Kontakt zum Kunden zu haben. Viele, die ihren Job im Einzelhandel aus Freude an der Arbeit mit Menschen machen, saßen lange Zeit zu Hause. Diese waren mit Click und Meet begeistert von der Aussicht, wieder im Laden zu stehen, Leuten zu begegnen und aus der eigenen Isolation herauszukommen.

Hat sich die Entwicklung der vergangenen Wochen auf die Digitalisierung im Einzelhandel weiter ausgewirkt?

Hamel: Einige vom Land NRW angestoßenen Projekte haben sicher ebenso wie die Möglichkeit, entsprechende Kosten bei den Anträgen für Überbrückungshilfen einzurechnen, für einen weiteren Schub in der Digitalisierung des Einzelhandels gesorgt. Viele Unternehmen überlegen nun doch – wenn sich der Staat an den Kosten beteiligt – zum Beispiel einen Onlineshop oder eine neue Homepage auf den Weg zu bringen. Denn jetzt, wo wir Click und Collect und nun auch Click und Meet haben, gibt es in erster Linie die digitalen Kanäle, um dies auch effektiv umzusetzen und Kontakt mit den Kunden aufzunehmen und zu halten. Das ist sicher das einzig Positive an der Pandemie, dass sich viele nun endlich mit ihrer eigenen Digitalisierung beschäftigen mussten. Wir haben vor Click und Meet für die Unternehmer auch wieder ein Webinar durch unseren Digitalcoach angeboten, um ihnen die unterschiedlichsten Möglichkeiten für Online-Terminbuchungen näher zu bringen. Innerhalb eines Tages hatten wir mehr als 500 Interessenten. Da ist schon ein enormer Informationsbedarf und ein Wille, sich nun endlich damit auseinanderzusetzen.

Sicher besteht bei der Umsetzung von Click und Meet noch Verunsicherung bei den Händlern. Wie helfen Sie als Verband?

Hamel: Gerade jetzt tauchen immer wieder Fragen auf, ab welchen Inzidenzen die Händler, wie agieren müssen, oder ob der Inhaber eines kleinen Geschäftes beispielsweise ein Kind mit seinen Eltern in den Laden lassen darf, damit sie ein Kommunionkleid aussuchen können. Ob die großen zentralen Fragen oder der konkrete Einzelfall, wir als Verband verstehen uns als Mittler zwischen den Händlern, der Politik und den Verwaltungen. Daher stehen wir im regelmäßigen Austausch mit allen wichtigen Akteuren und Entscheidern und sind bei zahlreichen „Runden Tischen“ der Kommunen mit dabei. Wir alle bringen dann unsere Fragen und Probleme auf den Tisch und geben diese an die Ordnungsämter und -dienste weiter. Denn wir müssen ja unbedingt mit einer Sprache sprechen, sodass unsere Mitglieder genau wissen, wie sie die Regeln umsetzen müssen, die von den Ordnungsdiensten dann vor Ort geprüft werden. So finden wir gemeinsam Lösungen und hoffentlich einen Weg aus der Krise.
  

HINWEIS

Dieses Interview fand vor der Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März 2021 statt. Auf dieser wurde beschlossen, dass Click & Meet nur noch bis einschließlich 27. März 2021 möglich ist.