Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Anzeigen

Bild: ipopba/stock.adobe.com

ANZEIGE

Was Preissteigerungen für Anleger bedeuten Alltägliche Dinge wie Strom, Benzin oder Lebensmittel sind zuletzt teurer geworden. In Zeiten der Inflation sollten Geldanlagen gut durchdacht werden

25.06.2021

An der Tankstelle haben viele es schon gespürt: Die Preise steigen wieder. Tatsächlich haben vor allem höhere Energiepreise dafür gesorgt, dass die Inflationsrate zulegt. Laut Statistischem Bundesamt liegt sie auf Jahressicht nach vorläufigen Berechnungen bei 2,5 Prozent. Ökonomen zufolge könnte die Inflation im Laufe des Jahres sogar auf deutlich mehr als drei Prozent wachsen. „Die Ursachen für die steigende Inflationsrate sind vielfältig“, sagt Rainer Göritz von der Finanzberatung B&K Vermögen. „Neben Einmaleffekten wie etwa der neuen CO2-Abgabe oder dem Wegfall der reduzierten Mehrwertsteuer führt vor allem eine Belebung der Nachfrage bei gleichzeitig niedrigem Angebot zu einem Preisanstieg.“


"Selbst mit Festgeldern lassen sich die Verluste nicht ausgleichen"


Experten uneins über Entwicklung

Müssen Anleger sich jetzt Sorgen machen? Nicht unbedingt, findet Elliot Hentov, Head of Policy Research bei State Street Global Advisors: „Ich habe wenig Sorge, dass die Zahlen wirklich ein Problem sind.“ Die erhöhte Nachfrage und die hohen Preissteigerungen seien vermutlich nur temporär. „Ob sich der Trend wirklich langfristig fortsetzt, ist jetzt noch gar nicht absehbar.“ Markus Steinbeis, Geschäftsführer der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung, denkt hingegen nicht, dass der Trend bald wieder vorbei ist: „Steigende Energie- und Rohstoffpreise, steil nach oben kletternde Einkaufsmanager-Indizes, die schiere Größe der Fiskalpakete, die coronabedingten Hilfskredite, Engpässe in den globalen Lieferketten, der Rückbau der Globalisierung, steigende Frachtraten, Handelsbeschränkungen und Produktivitätsverluste bilden aus unserer Sicht eine Mixtur, die für einen strukturellen und länger anhaltenden Inflationstrend sprechen.“

Zinsen gleichen Wertverlust nicht aus

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. „Die Notenbanken haben noch genügend Möglichkeiten, um dauerhafte Inflation zu bekämpfen“, sagt Hentov. Sparer spüren steigende Preise anhand ihres Kaufkraftverlustes. Bei einer Inflationsrate von 2,5 Prozent werden aus 1 000 Euro nach einem Jahr real nur noch rund 975 Euro. Dieser Wertverlust lässt sich mit Zinsen aktuell nicht annähernd ausgleichen. Denn für Einlagen auf dem Tagesgeldkonto etwa gibt es nach Angaben der unabhängigen Finanzberatung FMH derzeit oft gerade mal 0,01 Prozent Zinsen.

In Aktien oder Gold investieren

Selbst mit Festgeldern, die üblicherweise mehr Zinsen abwerfen, lässt sich die Preissteigerung nicht ausgleichen. Dort zahlen die Anbieter laut FMH im Durchschnitt – je nach Laufzeit – zwischen 0,05 und 0,35 Prozent Zinsen. „Geld, das langfristig nicht benötigt wird, sollte von daher in Sachwerte wie zum Beispiel Aktien investiert werden“, rät Rainer Göritz. Auch Gold kann einen Schutz vor Inflation bieten. Bei Aktien wie bei Gold müssen Anleger aber immer auch die Risiken bedenken, die grundsätzlich in jeder Anlage stecken. Beim Gold etwa lässt sich nur über den Preis überhaupt eine Rendite erzielen. Ob der Goldpreis tatsächlich steigt, hängt nicht nur von der Inflation ab, sondern von vielen weiteren Faktoren. Für physisches Gold gilt: Je kleiner die Barren oder Münzen, desto höher der Aufschlag zum aktuellen Börsenpreis.

Risiko durch Fonds breit streuen

Bei Aktien sei „eine gute Diversifizierung entscheidend für eine gute Stabilität im Depot“, sagt Frank Wieser, Geschäftsführer bei PMP Vermögensmanagement. Wer jetzt in den Aktienmarkt einsteigt, sollte deshalb in einen breit streuenden ETF investieren. Diese Fonds bilden einen Börsenindex wie den MSCI World oder den FTSE All-World Index nach und sind ein gutes Basisinvestment. Sorge vor hohen Bewertungen an den Aktienmärkten müssen Anleger nach Ansicht des Experten nicht haben: „Etwa 90 Prozent des Börsenerfolgs kommen durch die richtige Depotstruktur und nur zehn Prozent durch den Kaufzeitpunkt der Titel“, erklärt Wieser. Oder anders gesagt: Die richtige Zusammensetzung bringt mehr Rendite als das Timing. (mit Material von dpa)