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Zecken können verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen Bild: Michael Tieck/stock.adobe.com

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Wann ergibt eine FSME-Impfung Sinn? Wanderer sollten sich vor dem Sommerurlaub informieren

30.06.2021

Wer zum Wanderurlaub nach Tirol oder ins Allgäu fährt, der sollte über eine Impfung gegen die von Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalytis (FSME) nachdenken. Doch bringt das so kurz vor dem Sommerurlaub noch etwas? Es gibt theoretisch die Möglichkeit, mit drei Impfungen binnen drei Wochen eine Immunität herzustellen. Schnellerer Schutz werde schwierig, sagt Professor Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Normalerweise folgt die zweite FSME-Impfung zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten.


"Eine Immunität kann laut Experten in wenigen Wochen aufgebaut werden"


Impfungen können einen schweren Krankheitsverlauf verhindern Bild: Matthias Stolt/stock.adobe.com
Impfungen können einen schweren Krankheitsverlauf verhindern Bild: Matthias Stolt/stock.adobe.com

Hochaktive Regionen

Wird der knappest mögliche Abstand von 14 Tagen gewählt, besteht laut Dobler nach einem Monat eine Immunität. Dobler würde sie jedem empfehlen, der in ein Risikogebiet fährt und sich dort viel in der Natur aufhält.„Einen Landkreis wie zum Beispiel Ravensburg, wo es zuletzt 20 oder mehr Fälle pro Jahr gab, müsste man als solchen Bereich betrachten.“ Das gilt ebenso für Gegenden im Osten und Süden Bayerns. Tirol in Österreich habe sich auch als hochaktive Region für Zecken mit dem FSME-Erreger erwiesen, wobei dort vor allem die Täler relevant sind. „Wenn jemand mir sagt, er fährt nach Tirol, wandert dort stets über 1.000 Meter und übernachtet auf Hütten: Dann braucht er nicht zwingend eine Impfung“, sagt Dobler, der etwa Kärnten und die Steiermark in Österreich, Südschweden, das Baltikum und die Schweiz als Gebiete mit erhöhtem Risiko aufzählt.

Geringes Risiko

Der Experte stellt aber klar: „Das Infektionsrisiko ist trotz allem gering, man sollte keine Panik verbreiten.“ Die 704 registrierten FSME-Fälle im Jahr 2020 in Deutschland waren laut Robert Koch-Institut ein neuer Höchststand. Grob taxieren Experten die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet mit 1 zu 50 bis 1 zu 100. Letztlich müsse man die Impfempfehlung von der Region, in die man reist, und von den Aktivitäten, die man dort plant, abhängig machen.

Fachpraxen helfen

Reisemedizinische Fachpraxen könnten dabei helfen. Praktizierende Ärzte könnten für eine Einschätzung auch in seinem Konsiliarlabor anrufen. Letztlich ist es eine individuelle Abwägung der Reisenden. Manche gehen lieber ganz auf Nummer sicher, andere sind etwas risikobereiter. Eine FSME-Infektion verläuft oftmals mild. In der ersten Phase hat man häufig grippeähnliche Symptome: Man hat Fieber, ist abgeschlagen, Kopf und Glieder tun weh. Später kann eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarksfolgen – es gibt also ein Risiko für schwere Verläufe. Sehr selten kann FSME tödlich enden. (mit Material von dpa)