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Einladung mit Augenzwinkern: Die Wahl-Bergisch Gladbacherin Gila Dünnebeil im Zwiegespräch mit dem Gladbacher Original Hexe Köbes Bild: Karin M. Erdtmann

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Gladbacher Verschönerungsverein: Einladend am Wegesrand Wo Tradition und Moderne sich begegnen: Wer mit offenen Augen durch das Stadtgebiet geht, kann viel Reizvolles entdecken

2.07.2021

Die Verbindung von Tradition und Moderne ist allgegenwärtig in der Stadt. Das wird nicht nur im Großen, in den architektonischen Sehenswürdigkeiten wie dem Bensberger Schloss, dem Bürgerhaus Bergischer Löwe oder den Rathäusern in Gladbach und Bensberg deutlich, sondern ebenso im Kleinen. In der Gladbacher Fußgängerzone beispielsweise wurde, dank der Initiative des Verschönerungsvereins Maria Zanders, Max Bruch und Zuccalmaglio buchstäblich ein Denkmal gesetzt. Da ist die Papierfabrikantin und Mäzenin Zanders in angeregtem Gespräch mit dem Komponisten zu sehen, und kann man dem Maler Johann Wilhelm Lindlar bei der Arbeit über die Schulter schauen. Auch eine Bäuerin mit ihren Schafen sowie ein Papierschöpfer gehören so noch heute zum Stadtbild und werden gerne als Fotomotive genutzt.

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Schlitzohr mit Krone

Mittendrin im geschäftigen Trubel der Neuzeit ist Jakob Altenrath (1865-1944), genannt Hexe Köbes, wobei weder der erste noch der zweite Teil seines Spitznamens das bedeuten, was zunächst vermutet werden könnte. Denn Köbes ist in diesem Fall sowohl eine kölsche Form des Vornamens als auch eine Bezeichnung für einen eigensinnigen, kantigen Typen. Statt Kölschkranz liegen Krone und Narrenkappe auf dem Stuhl, auf den das Gladbacher Original auf der Hauptstraße zwischen Buchmühlen-Parkplatz und Forum-Park ebenso einladend wie augenzwinkernd weist.


"Die Innenstädte bieten „Historie to go“ im Wortsinn"


Historie zum Mitnehmen

Hexe Köbes, wie er genannt wurde, war Altwarenhändler, Vater von zehn Kindern und ein Schlitzohr mit Schnauzbart. Bei Volksfesten trat er als Zauberer auf, der dem Publikum Geldstücke aus der Nase und weiße Mäuse aus der Tasche zog. In seinem privaten „Museum“ war er der König skurriler Geschichten. Dort bewahrte er den vermeintlichen Bauchriemen des Schinderhannes auf, eine Schnupftabakdose des Propheten Mohammed oder einen versteinerten Pferdeapfel eines römischen Schlachtrosses. Den ein oder anderen Besucher mag es angesichts eines gebleichten Tierschädels auch gegruselt haben, sollte der doch von dem Wolf stammen, der Rotkäppchen gefressen hatte.

Texte am Bachlauf entlang

Es lohnt also, sich beim Bummel durch die Innenstädte Zeit zu nehmen und „Historie to go“ zu genießen. Eine, die dies regelmäßig macht, ist Gila Dünnebeil. Seit 1998 wohnt die Künstlerin in Hand. Die gebürtige Kölnerin, die einige Jahre in Israel gelebt und gearbeitet hat, lässt sich von der Geschichte ihrer bergischen Wahlheimat inspirieren und genießt die Natur in einer der kleinsten Großstädte Deutschlands. Das Strundetal fasziniert sie mit seinem mäandernden Bachlauf, den Lichtreflexen und Libellen, die im Sommer an den kleinen Teichen und Tümpeln zu finden sind. „Das flirrt und schimmert“, beschreibt sie die geradezu mystische Gegend. „Und dazu noch die wunderbaren Texte am Lyrikpfad, den der Verein Wort & Kunst angelegt hat.“

Sumpfiges Gelände als Kraftort

Ein regelrechter Kraftort ist für Gila Dünnebeil der „NatUrwald“ zwischen Paffrath, Hand, Dellbrück und Dünnwald, der zwar Eschenbruch heißt, jedoch durchaus nicht nur aus einer Baumart besteht. In dem sumpfigen Gelände mit uraltem Baumbestand ist sie gerne unterwegs, um Rhythmus, Stimmungen, Licht und Farben aufzusaugen und mit der Kamera Anregungen festzuhalten für Motive, die sie später zeichnet. Zu solchen versteckten Orten gehört auch Kaltenbroich im Stadtteil Sand. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, finden sich urige Häuser rund um „Trappertown“, einer Westernstadt mit Indianerzelt, in der jedes Jahr zünftige Countryfeste gefeiert wurden. Das vor dem Pony-Express geparkte Kanu kam allerdings nicht auf dem vorbeiplätschernden Bach zum Einsatz, sondern beim örtlichen Karnevalszug, an dem die bergischen Trapper sich beteiligten. In den angrenzenden Wäldern gibt es ein gut ausgebautes, weiträumiges Wanderwegenetz, das nicht nur rund um Bergisch Gladbach, sondern auch weit darüber hinaus führt.
  

Kulturpreis für magische Momente

Bild: Adobestock/ Francois Poirier
Bild: Adobestock/ Francois Poirier

Einen märchenhaften Spaziergang haben Eva Stammen und Jo Wittwer durchs Strundetal unternommen und „Magische Momente“ in Text und Bildern festgehalten. Das Buch, das im Heider Verlag erschienen ist, wurde 2020 mit dem „Bopp“, dem Preis des Stadtverbands Kultur, ausgezeichnet.  


Junge Autoren sind auf dem Weg

Bild: Adobestock/ jaroszpilewski
Bild: Adobestock/ jaroszpilewski

In diesem Jahr ging der Kulturpreis „Der Bopp“ an den Refrather Scylla Verlag für die Förderung junger Autoren. Drei davon, die demnächst ihr erstes Buch veröffentlichen werden, sind in dem ausgezeichneten Werk „Kreatives Schreiben und die Freiheit“ mit Texten vertreten.