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Derzeit überquert den Rhein in der Domstadt lediglich eine Seilbahn Bild: JensHN/stock.adobe.com

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Die Verkehrsmittel der Zukunft Seilbahnen, Wasserbusse und Co: Welche Ideen für den öffentlichen Personennahverkehr gibt es für Köln und wie ist der aktuelle Stand?

26.03.2021

Ob im bolivianischen La Paz oder im kolumbischen Medellin – in den südamerikanischen Großstädten sind Seilbahnen das Transportmittel der Wahl. Dubai, New York, Rotterdam und Hamburg regeln ihren Verkehr dagegen inzwischen zum Teil über Wasserbusse. Beide Varianten werden derzeit in Köln diskutiert.

Musterstrecke im Norden

Nicht nur in höhergelegenen Städten und in den Bergen können sich Menschen per Seilbahn bequem von A nach B bewegen. Dieses Verkehrsmittel der Zukunft wurde für das flache Rheinland bereits mehrmals in den Ring geworfen. So stellte die Koelnmesse mit dem Unternehmen Strabag 2019 eine mögliche Verbindung zwischen Breslauer Platz und Deutzer Rheinufer vor. Auch die Ratsgruppe GUT präsentierte im gleichen Jahr ein Seilbahnkonzept für die Domstadt. Der sogenannte Rheinpendel sollte danach im Zick-Zack-Kurs mehrfach den Fluss überqueren. Schwachpunkte dieses Plans, wie etwa die langen Fahrtzeiten, löste die Studentengruppe Urban Netways mit ihrem Vorschlag „Rheinpendel Express“. Urban Netways ist inzwischen ein Planungsbüro, das mit der Technischen Hochschule Köln kooperiert. Die Partner wollen eine Computersimulation entwickeln, mit der sich unterschiedliche Seilbahntypen vergleichen lassen. So könnte jede Stadt herausfinden, welches Modell für ihre Zwecke geeignet wäre. Als Musterstrecke haben sich die Forscher eine Seilbahnverbindung im Kölner Norden ausgesucht. Dort gebe es noch viele unbebaute Flächen. Von Chorweiler bis Leverkusen-Mitte würde eine Seilbahnfahrt 19,6 Minuten dauern würde – mit der Bahn sind es derzeit 38 Minuten, ohne Wartezeiten.

Studien von KVB und Bund

Die Stadtverwaltung beauftragte die Kölner Verkehrsbetriebe mit einer Machbarkeitsstudie. Mit ersten Ergebnissen rechnet die KVB im ersten Quartal 2022. Nicht nur Köln als Stadt hat das Potenzial von Seilbahnen als Verkehrsmittel erkannt. Auch das Bundesverkehrsministerium hat eine Studie über die „Stadt- und verkehrsplanerische Integration urbaner Seilbahnprojekte“ beim Planungs- und Beratungsunternehmen Drees und Sommer sowie dem Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart in Auftrag gegeben. Das Ministerium nennt dabei Köln als Beispiel für eine Stadt, die sich besonders ernsthaft mit dem Bau von Seilbahnanlagen als Ergänzung zu Bus und Bahn beschäftigt.


"Von Chorweiler bis Leverkusen-Mitte in unter 20 Minuten"


Umweltfreundlicher Antrieb

Eine Machbarkeitsstudie wird auch zu den Wasserbussen erstellt. Im Februar gab es erste Zwischenergebnisse. Bis Mai sollen weitere Details zu möglichen Liniennetzen über den Rhein bekannt gegeben werden. Die Studie untersucht etwa die Lage der Anleger, die Strömung des Rheins, mögliche Geschwindigkeiten sowie verwendbare Schiffstypen. Der Antrieb soll auf unerschöpflichen Energiequellen basieren – Voraussetzung des Fördermittelgebers für das Projekt. Schwerpunkte liegen zudem auf der Integration in das bestehende System von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie auf der Verknüpfung mit dem Radverkehr. Porz, Deutz, Mülheim, Stammheim und Leverkusen-Chempark haben rechtsrheinisch und Neustadt-Süd, Altstadt-Süd, Altstadt-Nord, Neustadt-Nord, Riehl und Niehl linksrheinisch großes Potenzial für eine Anbindung eines Wasserbusses.  
  

Kurz & kompakt

Bild: ALTER MIND/stock.adobe.com
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FÜR DIE UMWELT

Mehr und mehr Kölner steigen aufs Rad um

Der Fahrradverkehr in der Domstadt hat 2020 stark zugenommen. Wie eine Auswertung von zwölf im Stadtgebiet verteilten Zählstellen ergab, stiegen die Fahrten mit dem Rad im Vergleich zu 2019 um elf Prozent an. Insgesamt seien an den Messpunkten mehr als 14 Millionen Radfahrer vorbeigekommen. Bessere Wege, mehr Schutzstreifen auf Fahrbahnen, mehr Abstellmöglichkeiten – all diese Maßnahmen der Stadt sollen dazu beitragen, das umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern. Verkehrsdezernentin Andrea Blome sagt: „Mir ist bewusst, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen.“
   

Bild: SimonsArt-PhotoVideo/stock.adobe.com
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DEUTSCHE BAHN INVESTIERT

Schienennetz wird mit 250 Millionen ausgebaut

Die Bahn investiert dieses Jahr eine Rekordsumme in den Ausbau und die Modernisierung des Kölner Knotens: 250 Millionen Euro. Das neue elektronische Stellwerk für den Hauptbahnhof, das den S-Bahn-Betrieb regeln wird, soll im Herbst startbereit sein. „Allein im Kölner Hauptbahnhof können wir so 2.500 verschiedene Fahrstraßen einstellen“, sagt Bernd Köppel, Leiter der Infrastrukturprojekte West bei der DB Netz AG, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das macht uns im Hauptbahnhof bei den Zugfahrten künftig viel flexibler.“ Bei der S-Bahn könne die Zahl der Züge pro Richtung und Stunde durch das neue Stellwerk von 18 auf 24 erhöht werden.