Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Anzeigen

Melina Maria Beu Rechtsanwältin

ANZEIGE

Testament versus gesetzliche Erbfolge Häufig irren Erblasser über die Auswirkungen der gesetzlichen Erbfolge

9.10.2020

In Deutschland werden jährlich viele Milliarden Euro vererbt. Trotz der starken Relevanz des Themas verlässt sich der Großteil der Bevölkerung auf die gesetzlich geregelte Erbfolge und errichtet kein Testament. Dabei genügt es, den letzten Willen handschriftlich zu fixieren, mit Ort sowie Datum zu versehen und zu unterschreiben. Die Beratungspraxis zeigt, dass die Entscheidung gegen ein Testament oft auf fatalen Irrtümern basiert.

Ehepartner und Kinder

So denken Erblasser etwa fälschlicherweise, dass der überlebende Ehepartner zunächst Alleinerbe wird. Doch ohne Testament erbt der Gatte im gesetzlichen Güterstand nur die Hälfte des Vermögens. Die andere Hälfte entfällt zu gleichen Teilen auf die Kinder. In kinderlosen Ehen kommt es ebenso zu bösen Überraschungen, denn dort erhält der Partner auch nicht alles. Nach dem Gesetz erben in diesem Fall neben dem Gatten die Eltern. Wenn die Eltern nicht mehr leben oder ein Elternteil verstorben ist, treten die Geschwister an ihre Stelle. Wer meint, dass uneheliche Kinder nicht zur Erbfolge gelangen, irrt ebenfalls. Alle Abkömmlinge – ob eheliche, nichteheliche oder adoptierte Kinder – haben nach der gesetzlichen Regelung ein gesetzliches Erbrecht. Stiefkinder erben jedoch nur bei einer vorherigen Adoption.

Scheidung beachten

Weit verbreitet ist zudem die Vorstellung, dass Kinder den Erbteil eines bei Eintritt des Erbfalls bereits verstorbenen Geschwisterteils erhalten. Dies ist aber nicht der Fall, wenn das Kind eigene Kinder hinterlassen hat, die in der Erbfolge die Stelle des Elternteils einnehmen. Sie bilden folglich eine Erbengemeinschaft mit den Geschwistern ihres Elternteils. Die schlichte Trennung von einem Ehepartner lässt das Erbrecht nicht entfallen. Erst mit Stellung des Scheidungsantrages wird das Erbrecht des Gatten beendet. Lebensgefährten zählen nicht zu den gesetzlichen Erben und gehen ohne testamentarische Regelung leer aus. Ist der Erblasser geschieden, verwitwet oder ledig, erben seine Eltern. Falls diese nicht mehr leben oder ein Elternteil verstorben ist, treten die Geschwister an ihre Stelle. Hat der künftige Erblasser keine Eltern, Geschwister oder Kinder mehr, reicht der Kreis der gesetzlichen Erben weit. Es genügt, gemeinsame Vorfahren zu haben. Mitunter dauert es Jahre, bis solche entfernten Verwandten durch einen Nachlasspfleger gefunden werden. Erst wenn alle gesetzlichen Erben ermittelt sind, kann über das Erbe verfügt werden. Oft wird auch die Relevanz ausländischen Rechts verkannt. Für eine Immobilie im Ausland kann nämlich das Erbrecht des jeweiligen Landes anwendbar sein. Dies hat grundsätzlich ebenso steuerliche Konsequenzen.

Beratung sinnvoll

Diese Beispiele zeigen, dass die gesetzliche Erbfolge häufig vom tatsächlichen letzten Willen des Erblassers abweichen kann. Selbst wenn sie grundsätzlich den eigenen Vorstellungen entspricht, hilft die Beratung eines Fachanwalts. Er kann über die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten – insbesondere unter erbschaftssteuerlichen Gesichtspunkten – aufklären.

Melina Maria Beu Rechtsanwältin
Fachanwältin für Erbrecht
JURAPARTNER Rechtsanwälte Fachanwälte