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Der Strukturwandel ist eine Chance: Susanne Dettlaff, Leiterin der Abteilung Kommunale Liegenschaften und Wirtschaftsförderung der Stadt Frechen, erklärt im Interview die Herausforderungen der Zukunft und was den Standort für Unternehmen attraktiv macht

JCB errichtet im Europark Frechen seine Europazentrale Bild: Patrik Reinartz

Frau Dettlaff, Sie sind seit gut zwei Jahren Wirtschaftsförderin in Frechen. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Susanne Dettlaff: Die zwei Jahre sind wie im Fluge vergangen. Das ist aber nicht verwunderlich, da zum einen die neue Tätigkeit als Abteilungsleiterin der Wirtschaftsförderung und Liegenschaften für mich persönlich viele neue Herausforderungen mit sich gebracht hat und sich zum anderen unheimlich viel bewegt hat. Die Vermarktung der letzten in Frechen zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen ist fast abgeschlossen. Der Neubau der JCB-Europazentrale schreitet mit großen Schritten voran. Auf dem letzten städtischen Grundstück werden sich nach derzeitigem Stand bald drei Firmen ansiedeln. Das französische Unternehmen Petit Forestier wird dort seine Deutschlandzentrale errichten und zwei Frechener Unternehmen wollen auf dem Grundstück expandieren. In den zwei Jahren hat die Wirtschaftsförderung neben dem prägenden Alltagsgeschäft, als Ansprechpartner für die Anliegen der Frechener Unternehmen präsent zu sein, auch einige grundlegende Dinge und Untersuchungen auf den Weg gebracht. Derzeit wird durch bewilligte Fördermittel des Bundes die Breitbandversorgungssituation im Rahmen einer Markterkundung untersucht. Parallel sind wir bemüht, mit Kooperationspartnern den dringend erforderlichen Ausbau des Glasfasernetzes voranzutreiben.

Bild: Patrik Reinartz
Bild: Patrik Reinartz
Jahrzehntelang war Frechen von der Steinzeug-Industrie geprägt. Steht die Stadt jetzt vor einem Strukturwandel?

Dettlaff: Es ist sehr bedauerlich, dass der letzte ortsansässige Tonröhrenhersteller schließt. Der Strukturwandel in Frechen ist aber schon seit vielen Jahren im Gange, das Gewerbegebiet am Keramion ist ebenfalls auf einem ehemaligen Produktionsstandort der Steinzeugindustrie entstanden. Die aktuelle Entwicklung sehen wir auch als Chance, die Stadt zu einem modernen Gewerbe- und Dienstleistungsstandort weiterzuentwickeln.

Gibt es eine Nachfolgelösung für das Gelände der Steinzeug-Keramo an der Bonnstraße?

Dettlaff: Seit Bekanntwerden der Schließung stehen wir in Kontakt mit dem Grundstückseigentümer des elf Hektar großen Areals. In enger Abstimmung mit uns hat der Eigentümer mit einem Kölner Planungsbüro bereits erste Ideen und Perspektiven entwickelt. Es könnten dort neue und den heutigen Anforderungen entsprechende Gewerbeflächen sowie Platz für die Mischung von Wohnen und Arbeiten entstehen.

Die Wirtschaftsförderung war ebenfalls beteiligt, als nach dem Brand des Rewe-Marktes an der Hubert-Prott-Straße schnelle Lösungen gefunden werden mussten. Wie ist da der Sachstand?

Dettlaff: Dort gab es bereits kurz nach dem tragischen Brand erste Gespräche mit dem Grundstückseigentümer sowie dem zukünftigen Betreiber des Rewe-Marktes. Jüngst hat ein Termin stattgefunden, in dem die Investoren der Stadt ihre Planungsüberlegungen vorgestellt haben. Vorgesehen ist eine große Rewe-Filiale mit etwa 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche im Erdgeschoss. Diese soll integriert in eine Wohnbebauung errichtet werden. Wenn alles gut geht, hätten wir Mitte nächsten Jahres Baurecht und der Investor könnte wie geplant das Vorhaben bis Ende 2020 realisieren.

Viele Diskussionen gibt es um die Attraktivität der Fußgängerzone. Wie bewerten Sie die Vorschläge zur Neugestaltung?

Dettlaff: In den letzten Jahren gab es immer wieder Ideen und Anregungen von verschiedenen Seiten. Diese einzeln und aus einer Gesamtbetrachtung isoliert zu bewerten, finde ich schwierig. Das in diesem Zusammenhang immer wieder geforderte Gesamtkonzept als Grundlage für die zukünftige Umsetzung einzelner Maßnahmen soll ja nun zeitnah beauftragt werden. Dort sollen natürlich alle Ideen und Anregungen mitbetrachtet werden.

Was kann die Wirtschaftsförderung gegen Leerstände in der Fußgängerzone tun?

Dettlaff: Die Ursachen sind meiner Meinung nach sehr vielschichtig und nicht nur in der städtebaulichen Attraktivität der Fußgängerzone begründet. Leerstände und häufige Wechsel sind ja auch kein spezifisches Problem der Frechener Fußgängerzone. Der Einzelhandel befindet sich grundsätzlich im Wandel. Insgesamt sollte die Frechener Innenstadt für ihre Bürger und für Besucher attraktiv aufgestellt sein. Dazu können aber neben dem Besatz der Ladenlokale mit einem guten Branchenmix ebenfalls andere Dinge beitragen, wie ein vielfältiges Gastronomieangebot, einheitliche Öffnungszeiten, kulturelle Angebote, aber auch Märkte und Feste. Für Frechen wäre es wichtig, ein oder noch besser zwei größere Ladenflächen, die zudem für sogenannte Magnetbetriebe interessant sind, zu schaffen. Dabei steuernd Einfluss zu nehmen ist sehr schwierig, aber wir führen derzeit erfolgversprechende Gespräche mit zwei Investoren im Bereich der Hauptstraße.

Womit kann Frechen grundsätzlich punkten, um neue Unternehmen in die Stadt zu locken?

Dettlaff: In erster Linie ist Frechen als Standort natürlich durch seine direkte Lage an der Metropole Köln und seine gute Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz für Unternehmen sehr attraktiv. Ich glaube aber, dass die sogenannten weichen Faktoren für die Unternehmen immer wichtiger werden. Dazu zählen etwa attraktiver Wohnraum, eine lebendige Innenstadt, eine gute Bildungslandschaft, kulturelle Angebote sowie Märkte und Feste.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Dettlaff: Neue und attraktive Gewerbeflächen zu schaffen, die die große Nachfrage expandierender Frechener und neuer Unternehmen bedienen. Eine weitere wichtige Herausforderung ist es, den stattfindenden Strukturwandel unserer Region zum einen möglichst effektiv, aber zugleich zukunftsweisend, nachhaltig und sanft zu vollziehen. Das Gleiche gilt für den rasanten Wandel in eine digitale Gesellschaft, der für die Wettbewerbsfähigkeit als Standortfaktor immer bedeutsamer wird. Den bundesweit viel diskutierten Fachkräftemangel würden wir auch gerne gemeinsam mit den Frechener Unternehmen diskutieren. Dieser Gedanke soll Leitthema unserer diesjährigen Jahresveranstaltung am 29. November im Stadtsaal sein.

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