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Trickfilmstudio im Klassenzimmer: Die Pädagogen saßen auf den Plätzen der Schüler Bild: Johannes-Sturmius-Gymnasium

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Lehrer drücken die Schulbank In der Corona-Pandemie wird der Unterricht digitaler – Das Kollegium des Johannes-Sturmius-Gymnasiums probierte am internen Fortbildungstag neue Apps aus

21.01.2021

Der Schulalltag hat sich seit Beginn der Pandemie auch im Kreis Euskirchen verändert. Viel musste ins Digitale verschoben werden. Die Schulen entwickelten Konzepte sowie Plattformen, um ein Lernen auf Distanz zu ermöglichen. Gleichzeitig bereiteten sie die Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht darauf vor.

Versäumnisse aufholen

Seit März 2020 befinden sich die Schulen im Dauerstress. Viel musste rasch erarbeitet und umgesetzt werden. Hygienevorschriften, Einbahnstraßenregelungen, Maskenpflicht – an vielen Schulen bildeten sich Arbeitsgruppen im Kollegium, die sich mit den immer neuen Vorschriften auseinandersetzten. Derweil musste der Unterricht irgendwie weitergehen. Manch einer monierte zuletzt, dass nicht alles, was bei der Digitalisierung in den Schulen in den vergangenen 20 Jahren versäumt wurde, in ein paar Monaten aufgeholt werden könne. Das Land unterstützte die Schulträger deshalb mit Förderprogrammen wie „Gutschule 2020“ oder „Digitalpakt“. Geld, das vor allem für den Bedarf an Endgeräten bei Schülerschaft und Kollegium benötigt wird.

Gesamtschule Weilerswist

Sanierter Trakt

Selbst unabhängig von der Pandemie wird digitales Arbeiten immer mehr Teil des regulären Unterrichts. Mancherorts, wie etwa an der Dahlemer Grundschule oder an der der Clara-Fey-Schule in Schleiden, arbeiten bereits seit Längerem bestimmte Klassen mit Tablets im Unterricht, teilweise werden damit Klausuren geschrieben. Das Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden konnte im vergangenen Jahr nach den Herbstferien im sanierten Teil des A-Traktes seine digitalen Klassenzimmer eröffnen. Ausgestattet mit digitalen Tafeln, großformatigen Bildschirmen mit eigener Präsentationstechnik, PC-Steuerung und eigenem WLAN-Netz.


"Es ist nicht so schlimm, wenn man mal etwas nicht kann"


Erweiterte Spielräume

An einem eigenen Fortbildungstag wurde den Lehrerkräften der Umgang mit der neuen Technik und ihren Möglichkeiten für den Unterricht näher gebracht. „Nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern ebenso die Unterrichtenden waren sehr angetan von den neuen Räumen“, so Schulleiter Georg Jöbkes. „Die neuen Screens erweitern die unterrichtlichen Handlungsspielräume erheblich“, ergänzt sein Stellvertreter Stefan Marenbach. Die neuen Räume sind keine fachspezifischen und können daher von jedem aus dem Kollegium und in jedem Fach genutzt werden. Und die Nachfrage im Kollegium sei groß, so Marenbach. Als Verantwortlicher für Stunden- und Raumpläne habe er schnell viel zu tun gehabt, um die Anfragen alle umzusetzen. Im Umgang unterstützen sich die Schüler sowie das Kollegium sehr gut. „Es ist nicht so schlimm, wenn man mal etwas nicht kann“, so Marenbach. Spaß am Filmen Das Gymnasium veranstaltete im November zusätzlich einen pädagogischen Tag, an dem die Lehrkräfte selbst nochmals die Schulbank drückten. Sie beschäftigten sich dabei mit verschiedenen Apps und wie diese mit Mehrwert eingesetzt werden können. Beispielsweise lernten sie mit Hilfe einer Film-App und Playmobil-Figuren, wie kurze Trickfilm-Videos erstellt werden. Biologie-Lehrer Henning Hülsmann konnte dabei schon aus der Praxis berichten, da er die App in der Oberstufe bereits eingesetzt hatte. Den Kids habe das Filmen Spaß gemacht und die Erkenntnis gebracht, dass sie Lernstoff vor allem dann wirklich verstanden hatten, wenn sie ihn selbst erklären konnten.

Ergebnisse in Echtzeit

In einem weiteren Workshop lernte das Kollegium, wie mit einer App Tafelbilder und Texte erarbeitet werden. Deutsch- und Geschichtslehrerin Judith Hülshorst stellte die Software vor. Die Lehrer entwarfen dann an der digitalen Tafel eine Art Pinnwand mit Kommentarfunktion. Die App erwies sich vor allem mit Blick auf den Distanz-Unterricht als vorteilhaft. Denn um sie zu nutzen, müssen nicht alle im selben Raum sitzen. So kann beispielsweise gleichzeitig an Präsentationen gearbeitet werden und Beteiligte können in Echtzeit sehen, welche Ergebnisse in anderen Arbeitsgruppen erarbeitet und eingefügt werden.

Einsatz im Unterricht

Eine weitere App, die dem Kollegium an diesem Tag nähergebracht wurde, war eine Quiz-App. Dort ging es darum zu lernen, wie der User mit ihr ein eigenes Quiz erstellt oder bereits veröffentlichte auf den eigenen Unterricht anpasst. Nach Angaben der Schule wird die App bereits in Latein angewendet. Ziel der Workshops war zudem, die Apps sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Denn nicht immer und überall bringt eine App oder ein digitales Tool einen wirklichen Mehrwert für den Unterricht. „Schon aus den Anforderungen der gymnasialen Schullaufbahn ergibt sich, dass auch die klassischen Unterrichtsmaterialien eine Rolle spielen“, sagt Jöbke. „Wer im Abitur eine Leistungskursklausur von 270 Minuten Dauer von Hand schreiben soll, der muss das lange genug üben.“ In Zeiten einer Pandemie aber, die einen Präsenzunterricht zumindest zeitweise unmöglich macht, sind Apps und andere digitale Lernmethoden wichtiger denn je.
  

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