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Mobilität hat eine Zukunft: Nach Jahren der Vernachlässigung wird nun intensiv an der Verkehrsinfrastruktur gearbeitet. Die Fortbewegung von morgen ist digital und elektrisch – darin waren sich am „Runden Tisch“ alle einig

Die Teilnehmer des „Runden Tisches Mobilität“ und ihre Gastgeber vom Medienhaus DuMont Rheinland Bild: Thomas Banneyer


"Mit dem Rhein-Ruhr-Express rücken das Ruhrgebiet und das zentrale Rheinland zusammen"

Bestehendes flexibler nutzen

Doch die Möglichkeiten für neue Trassen sind vor allem in den Ballungsgebieten mehr als begrenzt. „Wir können durch Köln keine neuen Gleise mehr legen. Wo sollten die noch lang führen?“, sagt Reinkober. Es gehe wesentlich darum, das Beste aus dem Netz herauszuholen. „Die Digitalisierung des Eisenbahnsystems wird netzweit bis zu 20 Prozent mehr Kapazität bringen – ohne den Bau zusätzlicher Gleise“, erklärt Lübberink. Die Eisenbahn der Zukunft funktioniere auf Basis von Funksignalen, die zwischen Strecke und Fahrzeug ausgetauscht werden. So können mehr Züge in engerer Taktung und flexibler das bestehende Netz nutzen. Eine Technik, mit der die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) schon länger Arbeiten. „Aber die müssen wir mittlerweile modernisieren, sodass längere Stadtbahnen und engere Takte möglich sind“, sagt Stefanie Haaks, Vorstandsvorsitzende der KVB. Sei diese Technik auf dem neuesten Stand und werde die Infrastruktur weiter ausgebaut, könne der Verkehrsbetrieb das prognostizierte Bevölkerungswachstum abdecken.

Die Zeit drängt

In lockerer Runde diskutierten die Teilnehmer des Runden Tischs etwa über die Probleme der Batterietechnik bei E-Mobilität
In lockerer Runde diskutierten die Teilnehmer des Runden Tischs etwa über die Probleme der Batterietechnik bei E-Mobilität

"Das private Auto wird nicht obsolet werden"

Strom treibt an

Die Elektromobilität nimmt zu. Noch ist der Anteil an E-Autos am Gesamtverkehr gering, jedoch hat er große Wachstumsraten. „Der Anteil der reinen Elektrofahrzeuge bei den Neuzulassungen liegt zurzeit bei rund 1,5 Prozent – aber mit Steigerungsraten von jährlich 70 bis 80 Prozent“, sagt Niewöhner. „Renault ist Marktführer der Elektromobilität. Das ist für uns ein Hauptweg, den wir schon früh eingeschlagen haben. Dennoch bleiben wir anderen Technologien gegenüber aufgeschlossen. Beispielsweise forschen wir auch mit Wasserstoff. Ebenfalls die Hybridtechnik wird von uns entwickelt.“ Die größten Möglichkeiten sieht Renault beim E-Antrieb. „Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2025 rund 15 Prozent aller Fahrzeuge rein elektrisch angetrieben werden.“ Werden diese 15 Prozent dann bei einer gut bis besser verdienenden Bevölkerungsschicht in der Garage stehen, die eine eigene Ladevorrichtung besitzt? Niewöhner sieht das E-Auto breiter aufgestellt. „Die Technik wird von unseren Kunden gut angenommen.“ Schon jetzt biete es sich als Fortbewegungsmittel in der Stadt an, gerade als Zweitwagen. Bei einer Reichweite von 315 Kilometer genüge in der Regel eine Aufladung einmal in der Woche oder gar alle zwei Wochen. Wenngleich die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden müsse, gebe es schon jetzt in einer Großstadt durchaus ein Netz von Stationen, das einen solchen Ladezyklus ermögliche. Doch hinter einer immer größer werdenden Flotte von E-Autos muss auch eine große Infrastruktur der Stromversorgung stehen. Doch die Entwicklung des Strommarktes ist in Deutschland in der Schwebe. Dem Ausstieg beispielsweise aus der Kohle stehen regionale Proteste gegen Windräder und Erdkabel entgegen. Dabei wird gerade von der Käuferschaft von E-Autos eine Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien erwartet. Könnte der Bedarf an Strom überhaupt gedeckt werden, wenn die Nachfrage nach Elektroantrieben immer größer wird? „Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung des Energiemarktes stetig voranschreitet und mit der Entwicklung der Elektromobilität Schritt halten wird“, ist sich Niewöhner sicher. In der Entwicklung sieht der Automobil-Experte auch das autonome Fahren. „Wir genießen schon jetzt beispielsweise eine Technologie zum Abstand halten. Das ist ein gradueller Prozess, an dessen Ende vielleicht ein Auto steht, in dem der Nutzer während der Fahrt schlafen kann. Aber das ist noch ein längerer Weg.“

Wettbewerb der Projekte

Die Experten tauschten sich angeregt über die verschiedenen Möglichkeiten zur Verbesserung der aktuellen Verkehrslage aus
Die Experten tauschten sich angeregt über die verschiedenen Möglichkeiten zur Verbesserung der aktuellen Verkehrslage aus
Es sind große Summen, die zur Rede stehen, wenn es um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur geht. Lübberink nennt rund 1,3 Milliarden Euro als Investitionssumme für die Eisenbahn-Infrastruktur 2018 und nochmals für 2019. Stefanie Haaks kann ebenfalls eine beachtliche Zahl für die KVB nennen: „Wir planen, in Zukunft jährlich zwischen 30 und 40 Millionen Euro in den Erhalt der Infrastruktur zu investieren.“ Dabei spricht die Vorstandsvorsitzende also noch nicht über den Ausbau und die dafür notwendigen Summen. Doch ob DB oder KVB, es handelt sich um Gesellschaften der öffentlichen Hand. Geld ist indes in Stadt, Land und Bund alles andere als unbegrenzt vorhanden. Haaks verrät kein Geheimnis über die KVB, wenn sie sagt: „Wir sind ein defizitärer Betrieb.“ Es muss zugeschossen werden aus der Stadtkasse. Die Vorstandsvorsitzende schaut unter diesen Bedingungen in eine Zukunft, in der es vermehrt darum gehen wird, Projekte zu gewichten: „Es kann also durchaus sein, dass wir als Teil des Stadtkonzerns am Ende des Tages in einen Wettstreit der Projekte kommen.“ Ein Blick auf Köln verdeutlicht, was Haaks anspricht. Der Ausbau der Schulen hinkt hinterher. Außerdem schreiben die Kliniken rote Zahlen. Kulturbauten verschlingen mehr und mehr Geld. Der Wohnungsbau muss massiv gefördert werden. Da aber der Euro nur einmal verteilt werden kann, wird nicht für alles im wünschenswerten Umfang Geld vorhanden sein. „Letztlich muss dann eine politische Entscheidung her“, sagt Stefanie Haaks.

"Geld ist in Stadt, Land und Bund alles andere als unbegrenzt vorhanden"


Der Rund Tisch

Nach Jahren der Vernachlässigung wird nun intensiv an der Verkehrsinfrastruktur gearbeitet. Die Fortbewegung von morgen ist digital und elektrisch – darin waren sich am „Runden Tisch“ alle einig Image 1
Der Runde Tisch ist eine Veranstaltung des Medienhauses DuMont Rheinland. Regelmäßig bitten „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölnische Rundschau Spitzenvertreter verschiedener Wirtschaftszweige und Institutionen zum informellen Austausch. Die Gesprächsrunden finden sowohl zu überregionalen als auch zu lokalen Themen statt.

Lösungen für mehr Lebensqualität gesucht

Oberbürgermeisterin Henriette Reker ruft zum Mitmachen beim Deutschen Mobilitätspreis auf – Gefragt sind ideenreiche Projekte und Ideen, die Visionen für ein innovatives Fortkommen der digitalen Gesellschaft aufzeigen

Auf einer Online-Plattform können die Bürger der Domstadt kostenfrei Lastenfahrräder mieten Bild: Vorname Name
Auf einer Online-Plattform können die Bürger der Domstadt kostenfrei Lastenfahrräder mieten 
Bild: Vorname Name
Unter dem Motto „Intelligent unterwegs: Menschen bewegen – Lebensräume verbinden“ werden noch bis zum 19. Mai Teilnehmer für den Deutschen Mobilitätspreis gesucht. Oberbürgermeisterin Henriette Reker appelliert daher an Unternehmen, Start-ups, Städte und Gemeinden, Universitäten, Forschungsinstitutionen und weitere Organisationen sich auf www.deutschermobilitätspreis. de mit ihren Projekten zu bewerben. Gesucht sind Mobilitätslösungen, die in allen Regionen bundesweit zu mehr Lebensqualität beitragen und so gleichwertige Lebensverhältnisse fördern. Die zehn besten Ideen werden prämiert und die Sieger bei einer feierlichen Preisverleihung im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Berlin geehrt.

Best Practice gefordert

„Die Digitalisierung des Verkehrs ist nur ein leeres Versprechen, wenn wir die Idee nicht mit Inhalten füllen“, sagt OB Reker. Die Digitalisierung solle dabei Mittel zum Zweck sein, den Umweltverbund zu stärken, zu vernetzen und zu beschleunigen. Insbesondere für Pendler ergäben sich daraus neue Optionen und zuverlässigere Wegstrecken, je nach Wetter und Verkehrslage, so Reker weiter. „Auch der Warenverkehr kann durch eine verbesserte Vernetzung der Verkehrsmittel nachhaltiger gestaltet werden.“ Insofern möchte sie alle Kölner Unternehmen dazu ermuntern, ihre zahlreichen innovativen Ideen für eine zukunftsorientierte Mobilität im Rahmen des Deutschen Mobilitätspreises 2019 einzubringen.

"Auch der Warenverkehr kann durch eine verbesserte Vernetzung der Verkehrsmittel nachhaltiger gestaltet werden"

Antworten finden

Ob Stau- und Lärmvermeidung in den Metropolen, die intelligente Verbindung zwischen Stadt und Land oder der Ausbau von Mobilitätsangeboten für ältere Menschen: Ziel des Deutschen Mobilitätspreises ist es, digitale Innovationen für eine intelligente Fortbewegung öffentlich sichtbar zu machen und weitere Impulse für den Standort Deutschland zu setzen. Leitfragen für die Preisvergabe sind etwa: Wie können durch die Digitalisierung Mobilitätskonzepte optimiert werden? Wie kann Mobilität einen Beitrag zu mehr Lebensqualität in den unterschiedlichen Lebenswelten leisten? Wie können mit innovativen Angeboten gleichwertige Lebensverhältnisse hergestellt werden? Und: Wie kommen Menschen und Güter dank digitaler Lösungen flexibel und unkompliziert von A nach B? Da der Wettbewerb aus zwei Phasen besteht, werden nicht nur Best-Practice-Projekte gesucht, sondern auch Ideen aller Bürger, die Visionen für eine innovative Mobilität der digitalen Gesellschaft aufzeigen. Unter allen Einreichungen werden die drei besten Ideen schließlich ausgewählt und der Öffentlichkeit präsentiert.

Kölner unter Preisträgern

Mit gutem Beispiel ging der Kölner Verein „Wie leben wir“ im letzten Jahr voran. Er wurde mit seinem Projekt „Kasimir“ von einer 21-köpfigen Jury aus bundesweit zehn Mobilitätsprojekten zum Thema Nachhaltigkeit ausgewählt. Ehrenamtler der Initiative hatten eine Online-Plattform entwickelt, über die Kölner kostenfrei Lastenfahrräder leihen und selbst den Fuhrpark erweitern können. „Kasimir“ soll eine ressourcenschonende und gemeinschaftsfördernde Alternative zum Auto bieten.

Die Teilnehmer des Runden Tisches

Bilder: Thomas Banneyer
Bilder: Thomas Banneyer
„Wir investieren mit rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr so viel wie nie in die Eisenbahn-Infrastruktur in NRW.“

Werner Lübberink
Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für das Land Nordrhein-Westfalen

Bilder: Thomas Banneyer
Bilder: Thomas Banneyer
„Wir brauchen ein Portfolio von ausgearbeiteten Ideen, das schon in der Schublade liegt und das wir herausholen, sobald wir loslegen können.“

Stefanie Haaks
Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe AG

Bilder: Thomas Banneyer
Bilder: Thomas Banneyer
„Ich bin davon überzeugt, dass die individuelle Mobilität mit direktem Zugriff auf ein Fahrzeug auch in den Städten wichtig bleiben wird.“

Frank Niewöhner
Vorstand Marketing Renault Deutschland AG

Bilder: Thomas Banneyer
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„Gerade für ein Ballungsgebiet wie Köln ist eine übergreifende Verkehrskonzeption von großer Wichtigkeit.“

Uwe Wedig
Vorsitzender des Vorstands Häfen und Güterverkehr Köln AG

Bilder: Thomas Banneyer
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