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„Wir sind auf Wachstum geimpft“ Die Pandemie ebbt ab. Die Erwartung einer starken konjunkturellen Erholung in diesem Jahr verursacht eine positive Entwicklung auf dem Aktienmarkt. Die Privatbanker aus Köln und der Region blicken mit Optimismus in die Zukunft. Fünf Experten erzählen am virtuellen Runden Tisch von ihrer Zuversicht und den Angeboten an die Kunden

25.06.2021

Welche Folgen hat die Pandemie? Bleiben die Zinsen niedrig? Wie wirkt sich die Staatsverschuldung auf die Erholung der Wirtschaft aus? Steigen die Preise weiter an? Wie sehen die Angebote der Privatbanken aus? Wie lange wird es noch Bargeld geben? Darüber diskutieren: Martina Patzek (Quirin Privatbank), Andreas Bretschneider (UBS), Michael Dimartino (Hauck&Aufhäuser), Frank Hoppe (Merck Finck) und Daniel Wendig (M.M. Warburg). Thorsten Breitkopf, der Leiter des Wirtschaftsressorts des „Kölner Stadt-Anzeiger“, und Dr. Raimund Neuß, der Mantelbeauftragte der „Kölnischen Rundschau“, moderieren die digitale Gesprächsrunde.

Deutliche Belebung

„Das Schlimmste liegt hinter uns. Gelassenheit, Optimismus und Lebensfreude kehren zurück“. Michael Di Martinos Zuversicht findet uneingeschränkte Zustimmung. Für den Rückenwind auf den Aktienmärkten nennt Michael Dimartino mehrere Gründe: „Der Konjunkturoptimismus im Zuge steigender Frühindikatoren, die Hoffnungen auf ein Zurückdrängen der Pandemie mit anziehender Impfquote, gute Unternehmensnachrichten sowie eine solide Gewinnberichterstattung.“ Der Zinsanstieg wirke dagegen nicht wirklich bremsend, zumal er aktuell abebbe. „Nach einer Phase der Zurückhaltung bei unternehmerischen Investitionen aufgrund unsicherer Aussichten ist eine deutliche Belebung zu verzeichnen, was unweigerlich auch zu steigenden Rohstoffpreisen führt“, sagt Daniel Wendig. Eine Folge der Pandemie sei, so Martina Patzek, dass sich die Kunden noch mehr mit nachhaltigen Geldanlagen befassen. „Die Kunden wollen Geld anlegen und vernünftig investieren. Seit 2011 ist die Realverszinsung bereits im Minus. Mit Einführung der Strafzinsen wurde der Handlungsdruck für Anleger noch größer. Während Corona hat ein Umdenken stattgefunden. Viele Interessenten und Kunden fragen unsere nachhaltige Geldanlage an. Im letzten Jahr wurden 80 Prozent aller neuen Mandate nachhaltig angelegt“, sagt Patzek. Covid-19 hat für Andreas Bretschneider wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. „Ich rate dazu, Chancen in Asien aufzuspüren.“ In den vergangenen Jahren habe sich dort das Wirtschaftswachstum verdreifacht, wobei der größte Teil der Expansion auf China entfalle. Eine der bevorzugten Aktienmärkte der UBS ist China.

Vermächtnis: Technologischer Fortschritt

„Technologischer Fortschritt ist das Vermächtnis der Pandemie“ so Michael Di Martino. Die Anleger hätten erkannt, dass die Krise auch eine Chance ist. Die Märkte seien exorbitant gestiegen und Aktien attraktiv. Frank Hoppe hält die Entwicklung für stabil: „Ich sehe keinen Grund für eine Blase.“ Auch er bezeichnet die technologischen Innovationen für das wichtigste Vermächtnis der Pandemie. Covid-19 habe den Übergang vom Physischen zum Digitalen und das Wirtschaftswachstum beschleunigt. „Wir sind auf Wachstum geimpft.“ Bahnbrechende Innovationen in Medizin und Genforschung sind für seine Bank Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die Künstliche Intelligenz mache in den Bereichen synthetische Biologie, Robotertechnik und fahrerlose Fahrzeuge Fortschritte. Die neuen Technologien würden schnell adaptiert. Die Wirtschaftswelt der Daten steigere die Konnexivität zwischen und innerhalb von Ländern und Branchen und treibe die Automatisierung in Fabriken, Lagern, Büros und Privathaushalten voran.


"Viele Anleger haben erkannt, dass die Krise auch eine Chance bedeuten kann"


Keine Inflationsgefahr

Die Teilnehmer sind sich einig, dass die Preissteigerungen ganz normal sind und sich wieder ausgleichen werden. Das fast schon in Vergessenheit geratene Inflationsgespenst geht derzeit wieder um. Angefacht werden die Befürchtungen durch die jüngsten Teuerungsraten. Maritina Patzek hält die Ängste für übertrieben. Nach den coronabedingten Preisdämpfern gebe es jetzt aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen preistreibende Effekte: Rohstoffe (speziell Öl), steigende Frachtkosten und Engpässe wie bei Halbleitern und Baumaterialien. „Viele dieser Teuerungen sind einmaliger Natur und nicht dauerhaft. Das Inflationsgespenst wird nicht allzu lange bleiben. Wir sehen keine nachhaltige Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, sondern insbesondere coronabedingte Nachholeffekte.“ Daniel Wendig: „Die aktuellen Preissteigerungen sind nicht besorgniserregend, da sie temporärer und nicht dauerhafter Natur sind. Am deutlichsten sieht man das bei der Mehrwertsteuer, die wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben wurde.“ Seine Bank geht davon aus, dass ein Prozess von steigenden Inflationsraten nun nicht einsetzt und es dauerhaft nicht zu Preissteigerungsraten von deutlich über zwei Prozent kommt. Auch Michael Di Martino sieht keine Inflationsgefahr: „ Die Inflation in Deutschland und auch in der Eurozone wird in 2021 durch eine Reihe von Sondereffekten beeinflusst. In der Spitze könnte im Sommer eine Teuerungsrate von drei Prozent erreicht werden. Anfang 2022 wird die Inflation um zwei Prozent liegen. Selbst während wir uns von der Pandemie erholen, gehen wir in fast allen unseren Szenarien davon aus, dass die Zinssätze unter der Inflationsrate bleiben. Das bedeutet, dass Anleger, die überschüssiges Bargeld oder erstklassige Anleihen halten, sehr wahrscheinlich mit einer anhaltenden Vernichtung des Realvermögens konfrontiert sein werden.“
  

Die Expertenrunde traf sich aufgrund der Coronapandemie auch dieses Mal nur digital (Symbolfoto) Bild: Andrey Popov/adobestock.com
Die Expertenrunde traf sich aufgrund der Coronapandemie auch dieses Mal nur digital (Symbolfoto) Bild: Andrey Popov/adobestock.com

Attraktive Renditen

Anleger sollten daher ihr Barvermögen für sich arbeiten lassen und nach Anlagen mit attraktiven und langfristigen Renditen Ausschau halten“, empfiehlt Andreas Bretschneider. Und: „Unsere Vermögensstrategie – Liquidität, Langlebigkeit, Die Pandemie ebbt ab. Die Erwartung einer starken konjunkturellen Erholung in diesem Jahr verursacht eine positive Entwicklung auf dem Aktienmarkt. Die Privatbanker aus Köln und der Region blicken mit Optimismus in die Zukunft. Fünf Experten erzählen am virtuellen Runden Tisch von ihrer Zuversicht und den Angeboten an die Kunden „Wir sind auf Wachstum geimpft“ Hans Peter Brodüffel Weitergabe – legt nahe, zwei bis fünf Jahre der Nettoausgaben in Bargeld, bargeldähnliche Anlagen oder Kredite zu halten, was ausreicht, um die meisten historischen Verluste bei Aktien zu überstehen, ohne gezwungen zu sein, Wertminderungen zu reduzieren.“ Ziel des Portfoliomanagements, so Daniel Wendig, sei es, eine langfristig stabile Rendite zu erzielen und jederzeit das Risiko in Form von Schwankungen, sprich Volatilitäten, im Griff zu haben. „Damit wir Gefahren am Kapitalmarkt, aber auch neue Trends und somit Chancen frühzeitig erkennen, müssen wir auch mal unkonventionell denken.“  


"Die durchschnittliche Zinslast liegt in Deutschland bei 0,8 Prozent"


Staatverschuldung nicht besorgniserregend

Einigkeit herrscht auch beim Thema Staatsverschuldung. Die Schulden wären stark gestiegen, dafür aber sei die Zinslast deutlich gesunken und die Inflation keineswegs besorgniserregend. „Das Eingreifen des Staates war alternativlos und keine Gefahr für den Aktienmarkt.“ Nach Auffassung von Andreas Bretschneider wird es keine höheren Zinsen geben. „Ich bin Mitte 40 und gehe davon aus, dass ich in meiner Berufslaufbahn kein normales Zinsniveau mehr erleben werde. Das ist politisch nicht machbar.“ Die Wirtschaft befinde sich in einer massiven Transformation, werde digitalisierter, mit deutlich höheren Kursen. „Die Welt ist komplex, wahrscheinlich komplexer als jemals zuvor.“ Seine Kollegin Patzek sieht die Staatsverschuldung Deutschlands im internationalen Vergleich nicht besorgniserregend: „Schulden sind per se nichts Schlechtes. Wir brauchen staatliche Impulse, damit die Wirtschaft angeschoben wird. Japan ist nach wie vor hoch verschuldet, aber nicht pleite.“ Aus Sicht von Daniel Wendig war das schnelle Eingreifen des Staates dringend geboten: „Durch das beherzte Eingreifen konnte der wirtschaftliche Abschwung zwar nicht ganz vermieden, aber doch deutlich abgefedert werden. Die deutlich ausgeweitete Staatsverschuldung ist zurzeit noch nicht beunruhigend, da die Zinslast der Staaten aufgrund des gesunkenen Zinssatzes ebenfalls weiter fällt. Während Deutschland im Jahre 2009 noch eine durchschnittliche Zinslast von 4,5 Prozent hatte, liegt diese mittlerweile nur noch bei 0,8 Prozent.“

Höheres BIP in 2022

Die Weltwirtschaft dürfe sich von der Pandemie erholen, während die Zentralbanken und die Fiskalpolitik weiterhin erhebliche Impulse setzen werden. Alles sollte dazu beitragen, dass 2022 ein höheres reales BIP erzielt wird als 2019. In den USA, der Eurozone und China dürfte das BIP jeweils um neun Prozent, drei Prozent beziehungsweise 18 Prozent wachsen. Andreas Bretschneider: „Da die Covid-19-Infektionen weltweit zurückgehen, dürfte die globale Wirtschaft zu einer Erholung ansetzen. Anleger sollten sich auf eine Reflation ausrichten – eine Erholungsphase, in der sowohl das Wachstum als auch die Inflation deutlich zulegen.“ In diesem Umfeld bevorzugt seine Bank Nutznießer der Reflation, etwa Finanz- und Energieunternehmen. Beide Sektoren seien verhältnismäßig günstig positioniert, würden von moderat höheren Anleihenrenditen profitieren und hätten Aufholpotenzial gegenüber Aktien der Industrieländer allgemein. „Wichtig ist, dass sich die Anlieger viel globaler aufstellen.“ Als Nutznießer eines schnelleren Wachstums und als Absicherung gegen eine hartnäckige Inflation sollten Anleger, so seine Bank, ausgewählte Rohstoffe wie Erdöl (wegen der sich erholenden Nachfrage, Kupfer (eingesetzt in großem Unfang in Systemen für erneuerbare Energien) und Palladium (ein Gewinner in der Erholung in der Produktion und beim Absatz von Automobilen) mit berücksichtigen. Martina Patzek rät eindringlich davon ab, auf Einzelwerte zu setzen: „Das ist gefährlich und bringt nichts.“
  

Bild: karandaev/adobestock.com
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Privatbanken als Lebensbegleiter

Auch junge Kunden schätzen laut Andreas Bretschneider die professionellen Beratungspotenziale von UBS. „Junge Unternehmensverkäufer wollen Geld hinter die Brandmauer bringen, beispielsweise indem Erlöse international in die Privat- und Kapitalmärkte investiert werden, um ein zweites Standbein aufzubauen.“ Patzek sieht ihre Bank als vertrauenswürdigen Begleiter: „Unsere Kunden schätzen uns als erfahrenen und unabhängigen Lebensbegleiter. Wir stehen ihnen auf Augenhöhe zur Seite und ducken uns nicht weg, wenn es mal turbulenter an den Börsen zugeht. Das Geschäft lebt von Empfehlungen und davon, Menschen mit ihren Emotionen abzuholen.“

Persönliche Beratung

Die Vermögensverwaltung der Quirin Privatbank wachse stark, insbesondere die digitale Geldanlage habe durch Corona einen kräftigen Aufschwung bekommen. „Wir können beides bedienen – analog und digital, quirion und Quirin, ganz nach Kundenwunsch. Persönliche Beratung wird es in meinen Augen immer geben.“ Für den Vermögensaufbau empfehle sich ein kostengünstiger, renditeorientierter ETF-Sparplan, damit sich die eingezahlten Beiträge möglichst rasch vermehren. Von Lebensversicherungen rät sie ab: „Finger weg von Lebensversicherungen. Der seit Jahren fallende Garantiezins macht Versicherungen für die kapitalbildende Altersvorsorge zum Auslaufmodell.  


"Die digitale Geldanlage hat durch die Coronapandemie einen Aufschwung bekommen"


Auf Aktienquote setzen

Bei der Geldanlage sollte man ruhig mutig sein: „Insbesondere in jungen Jahren sollte man auf eine hohe Aktienquote setzen. Ein Engagement im Aktienbereich wird über die Zeit immer belohnt. Wir empfehlen, prognosefrei zu investieren, die Nerven zu behalten und Kursschwankungen einfach auszusitzen.“ Patzek und ihre Kollegen stimmen auch über ein, dass die Kunden höhere Preise für professionelle Beratung akzeptieren. „Die Kunden sind bereit, für gute Dienste zu zahlen“, so Frank Hoppe. „Wir sind unseren Preis wert“, sekundiert Daniel Wendig. Andreas Bretschneider: „Wir sollten ein Preisschild an unsere Leistungen kleben.“


"Das kontaktlose Bezahlen wurde durch Hygienemaßnahmen bestärkt"


Bargeld bleibt – vorerst

Martina Patzek glaubt nicht, dass das Bargeld gänzlich abgeschafft wird. „Natürlich gewinnen PayPal, Apple Pay und Co. an Bedeutung, aber Bargeld hat für viele einen emotionalen Wert und man weiß schlichtweg, was man im Portemonnaie hat. Ähnlich wie Gold gilt Bargeld als sicher und vertrauensvoll.“ Hoppe: „Bargeld spielt im Wirtschaftsleben eine immer geringere Rolle, was durch kontaktloses Bezahlen während der Pandemie noch einmal verstärkt wurde. Dennoch wird Bargeld auf absehbare Zeit Zahlungsmittel bleiben.“ Andreas Breitschneider hingegen geht davon aus, dass es in absehbarer Zeit kein Bargeld mehr geben wird. „Der Staat kann durch neue Technologien die digitale Währung kontrollieren. Die Chance, zum Beispiel im Kampf gegen Schwarzgeld wird er sich nicht entgehen lassen.“ Daniel Wendig kann dem Bezahlen mit Karte und Smartphone viel abgewinnen. Der Hygienefaktor der Pandemie habe das bargeldlose Bezahlen beschleunigt. „Die Abschaffung des Bargeldes wird aber wohl noch dauern.“ Auch Michael Dimartino meint, dass Bargeld langsam auslaufe. „In zehn Jahren werden die Zahlungsmöglichkeiten ganz anders sein.“ Hans Peter Brodüffel
  

DER RUNDE TISCH

Der Runde Tisch ist eine Veranstaltung des Medienhauses DuMont Rheinland. Regelmäßig bitten „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölnische Rundschau Spitzenvertreter verschiedener Wirtschaftszweige und Institutionen zum informellen Austausch. Die Gesprächsrunden finden zu überregionalen und lokalen Themen statt.