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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Runden Tisches trafen sich im Blauen Salon des Hotels Excelsior Bild: Thomas Banneyer

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Die Zukunft der Domstadt Runder Tisch von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölnischer Rundschau in Kooperation mit KölnBusiness Wirtschaftsförderung

19.10.2021

In Kooperation mit

Runder Tisch von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölnischer Rundschau in Kooperation mit KölnBusiness Wirtschaftsförderung Image 2

    

Wie steht es um Köln und seine Wirtschaft nach der Pandemie? Wie kann Köln zur Smart City werden? Sind Büros Auslaufmodelle? Was wird aus den vorhandenen Flächen und wie sieht das Arbeiten der Zukunft aus? Darüber diskutieren: Dr. Manfred Janssen (Geschäftsführer KölnBusiness Wirtschaftsförderung), Oliver Frese (Geschäftsführer Koelnmesse GmbH), Anne Keilholz (Vorstand, GAG Immobilien AG), Gerrit Reichel (Pressesprecher ACV Automobil-Club Verkehr e. V.), Isabel Schreyger (Partnerin CMS Hasche Sigle Partnerschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern mbB), Thomas Schultz-Homberg (Chief Executive Officer DuMont Regionalmedienverlag), Dr. Uwe Vetterlein (Hauptgeschäftsführer IHK Köln). Thorsten Breitkopf, Leiter des Wirtschaftsressorts des „Kölner Stadt-Anzeiger“, und Dr. Raimund Neuß, Mantelbeauftragter der Kölnischen Rundschau, moderieren die Gesprächsrunde im Blauen Salon des Excelsior Hotel Ernst.

Strukturwandel wurde beschleunigt

Dank seines breiten Branchenmix ist Köln laut Dr. Manfred Janssen in der Gesamtbetrachtung vergleichsweise gut durch die letzten anderthalb Jahre gekommen. Es gebe sogar Lichtblicke wie die rund 100 Start-up-Neugründungen im Jahr 2020, ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zu 2019. Zudem hätten viele Firmen volle Auftragsbücher. Einige Branchen litten mehr unter der Pandemie als andere – beispielsweise Handel, Gastronomie, Hotellerie oder der Messebetrieb. Auch gebe es Lieferengpässe in manchen Bereichen. „Gleichzeitig wurde der Strukturwandel beschleunigt. Daher gilt es nun nach vorne zu blicken, mit aller Kraft gemeinsam anzupacken. Denn mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen wir eine doppelte Transformation gestalten. Und nur eine innovative Wirtschaft schafft die Lösung dafür“, betonte Dr. Janssen.

Effizientere Flächennutzung

Auch der Kölner Immobilienmarkt sei bisher gut durch die Pandemie gekommen. Der Leerstand der Büroflächen sei in Köln im Vergleich zu einigen anderen Metropolen nur moderat angestiegen. Er belaufe sich aktuell auf etwa 3,5 Prozent. In Frankfurt oder Düsseldorf liege der Leerstand bei über acht Prozent. Auch bei den Mieten habe die Domstadt einen Standortvorteil. Während Berlin, Frankfurt und München bei Spitzenmieten für Büros bei über 40 Euro pro Quadratmeter liegen, sei Köln mit rund 24 Euro ein günstiger Standort. Dr. Janssen wies ebenfalls darauf hin, dass in Köln neben der hohen Nachfrage nach Wohnungen auch die Nachfrage nach Gewerbe- und Industrieflächen deutlich höher sei als das Angebot. „Damit Köln weiter wachsen kann, braucht es auch Flächen, um Jobs zu schaffen. An Bedeutung gewinnen werden daher Konzepte für effizientere Flächennutzung, Nachverdichtung und platzsparende Lösungen“, so Janssen. Ein starker Zukunftstrend seien integrierte Quartiere, wie der Deutzer Hafen, mit dem Ziel Leben und Arbeiten auf kurzen Wegen zu verbinden.


"Der Immobilienmarkt in Köln ist gut durch die Pandemie gekommen"


4.300 Aussteller bei der Anuga

Die Kölnmesse, so Oliver Frese, werde in diesem Jahr noch durch ein Tal der Tränen gehen. Die Auswirkungen der Pandemie werde man auch 2022 noch spüren. Für 2022 plane man mit einem Umsatzverlust von etwa 30 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor Corona. Erst 2023 werde man wieder Gewinn machen. „Erfreulicherweise haben wir aber gute Signale für einen starken Herbst. Bei der Anuga haben wir 4.300 Aussteller“, so Frese. Für den Messe-Geschäftsführer ist es bemerkenswert, dass selbst so digitale Branchen wie die Industrie der Computerspiele und ihre Communitys es kaum erwarten können, sich wieder in den Messehallen persönlich zu treffen und sich auszutauschen. Gleichwohl will die Messe mit den Daten der Aussteller und Besucher Geld verdienen: Mit dem Geofencing, dem Erfassen von Besucher- und Bewegungsprofilen. „Damit können wir Besucher, die ein Produkt suchen, zu den Ständen leiten. Und der Aussteller erfährt, dass ein potenzieller Kunde nur drei Gänge weiter unterwegs ist. Wir führen beide per App zusammen.“

Smart City – die digitale Stadt

Smart City ist wie Nachhaltigkeit zu einem Modewort geworden, dessen Inhalte aber immer noch weitgehend unbekannt sind. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gesprächsrunde einig. Eine Smart City ist etwas vereinfacht gesagt ein Internet der Dinge mit intelligenten Dienstleistungen und Angeboten. Die digitale Stadt verfügt über eine technologische Infrastruktur mit Sensoren, Vernetzung und Daten. Zu den intelligenten Smart-City-Projekten gehört die Smartphone-App des lokalen Verkehrsunternehmens. Mit ihrer Hilfe kann man den schnellsten Weg von A nach B suchen und digital gleich das passende Ticket benutzen und bezahlen. In der smarten Abfallwirtschaft sind Mülltonnen und Container mit Sensoren ausgestattet. Sie melden jederzeit dem zuständigen Unternehmen die Füllmenge. Mit Künstlicher Intelligenz oder durch einen Logistiker können die Routen der Fahrzeuge individuell dem Bedarf angepasst werden. Ein weiteres Projekt sind smarte Parklösungen. Sensoren auf den Parkplätzen erfassen den Raum und erkennen, ob der Platz durch Fahrzeuge belegt oder frei ist. Diese Daten kann der Nutzer über eine App in Echtzeit abrufen oder über digitale Vernetzung erfassen. Dadurch erhält er ohne großen Aufwand die Information, welcher Parkplatz in der Nähe frei ist.

Mehr direkte Vernetzung

Dr. Uwe Vetterlein war von 1996 bis 2003 Geschäftsführer der IHK Köln für den Bereich Standortpolitik, Unternehmensförderung, Handel und Verkehr. Selbst nach 18 Jahren Abwesenheit vermag er keine wesentliche Verbesserung in der Infrastruktur Kölns erkennen. „Das gilt auch für das Nahverkehrsangebot.“ Vor allen müsse der Takt verdichtet werden. „Ich möchte nicht auf einen Fahrplan schauen müssen. Wie in Berlin könnte alle zwei Minuten eine Bahn kommen.“ Außerdem wünscht sich der neue Hauptgeschäftsführer der IHK Köln mehr digitale Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel, zum Beispiel über eine gemeinsame App. Dann werde auch die Akzeptanz steigen.


"Die Stadt benötigt einen massiven Ausbau der digitalen Infrasturktur"


Lagerdenken überwinden

ACV-Pressesprecher Gerrit Reichel warb dafür, das Lagerdenken in der Verkehrspolitik zu überwinden. Bei allen Diskussionen müsse man immer an die Menschen denken. „Denn die Art, wie wir unterwegs sind, hat viel mit unserer Individualität zu tun. Es ist auch eine Frage der persönlichen Vorliebe, ob wir mit dem Rad fahren, zu Fuß gehen, Bus oder Bahn nutzen oder lieber im eigenen Auto sitzen.“ Keine Gruppe sollte zugunsten einer anderen über Gebühr belastet werden. Verkehr müsse bezahlbar, sicher, nachhaltig und fair sein. Autofahrer könne man nicht zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bringen, indem das Autofahren immer mehr reglementiert und verteufelt wird. Gerrit Reichelt: „Köln ist Autohauptstadt in der Region mit Ford und Toyota, mit Renault in Brühl und Mazda in Leverkusen.“ Reichel erinnerte daran, dass Ford sein Werk in Köln zum Zentrum seiner Produktion von europäischen Elektroautos macht. Der US-Autohersteller investiert dafür eine Milliarde Dollar am Standort Köln. Der Produktion soll Anfang 2023 beginnen. Reichel plädierte für einen massiven Ausbau der digitalen Infrastruktur und den Einsatz moderner Technologie, mit deren Hilfe zum Beispiel Tempo 30 nach dem tatsächlichen jeweiligen Bedarf eingerichtet werden könnte. Die Möglichkeiten der Digitalisierung müssten für eine bessere Vernetzung der Verkehrsmittel eingesetzt werden. Diese seien für eine multimodale Mobilität essentiell und nur so könnten Nutzer leicht zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln wechseln und umwelt- und klimafreundliche Verkehrsmittel einbeziehen.

Büro und Homeoffice

Die meisten Teilnehmenden vermuten, dass sich das Verhältnis von Homeoffice und Präsenz im Büro auf jeweils 50 Prozent einpendeln werde. GAG-Vorständin Anne Keilholz sieht die Büroarbeitswelt in einem tiefgreifenden Prozess der Veränderung:„Das Büro wird zu einem Treffpunkt der Kreativität. Nicht mehr primär der Ort, an dem Menschen individuell ihre Arbeit erledigen, sondern ein inspirierender Ort der Kollaboration und des Austausches. Um diese kreative Atmosphäre zu schaffen, bedarf es aber auch einer entsprechenden Unternehmens- und Führungskultur mit flachen Hierarchien.“ Dr. Uwe Vetterlein macht hier die Mittelstädte im Speckgürtel von Köln als Zielorte aus. Oliver Frese beobachtet bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Präferenz für die ländliche Umgebung. „Da werden Fahrten von 45 Minuten gerne in Kauf genommen.“ Isabel Schreyger hingegen meint, dass es beim Zuzug in die Stadt bleibt: „Städter bleiben Städter.“


"Köln ist einer der stärksten Wirtschafts- und Innovationsstandorte Europas"


Rheinisches Revier bleibt Industriestandort

Für die Zukunft des Rheinischen Reviers ist, so Dr. Uwe Vetterlein, die Energiefrage der entscheidende Punkt. „Wir brauchen Versorgungssicherheit. Die Industrie wird dahin gehen, wo der Strom ist. Wir werden in Zukunft mehr Strom benötigen als bisher gedacht. In Rechenzentren, für E-Mobilität und die Klimatransformation der Wirtschaft. Die Zeit drängt. Wir brauchen jetzt konkrete Pläne für die Wasserstoff-Netze bis nach Rotterdam.“ Die Wirtschaft sei längst im Aufbruch. Lange Planungsverfahren dürften dem nicht im Wege stehen. Erforderlich sei ein Gesamtkonzept für das Revier. Es sei fraglich, ob aus den Projekten an der RWTH in Aachen oder dem Forschungszentrum Jülich die nötigen Industriearbeitsplätze entstehen. Das Rheinische Revier müsse Industriestandort bleiben. Dazu müssten qualifizierte große Flächen ausgewiesen werden.


"Das Büro wird zum Treffpunkt der Kreativität"


Die Region mitdenken

Der Großraum Köln ist einer der stärksten Wirtschafts- und Innovationsstandorte Europas. Dabei sprechen drei Kernthemen für Köln. Die Anziehungskraft der Stadt aufgrund der Lebensqualität. Die Aufgeschlossenheit für neue Menschen und Geschäftsideen. Und die digitale Infrastruktur: Rund 2.500 Unternehmen sind hier der digitalen Wirtschaft zuzurechnen. Die flächendeckende Breitbandversorgung sowie der Digitalisierungsgrad der Unternehmen ist bundesweit mit am höchsten. Dr. Janssen: „National wie international ist Köln der Leuchtturm für NRW. Daher nehmen wir die Region mit dazu, wenn wir Köln vermarkten. Für Investoren ergeben sich so mehr Kooperationsmöglichkeiten, Marktzugänge oder Flächenpotenziale – und dadurch profitiert letztendlich stets Köln.“ Hans Peter Brodüffel
  

Der Runde Tisch

Der Runde Tisch ist eine Veranstaltung des Medienhauses DuMont Rheinland. Regelmäßig bitten „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölnische Rundschau Spitzenvertreter verschiedener Wirtschaftszweige und Institutionen zum informellen Austausch. Die Gesprächsrunden finden zu überregionalen und lokalen Themen statt.

Die Teilnehmer des Runden Tisches