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Das Arbeiten der Zukunft Die jüngsten Entwicklungen könnten sich zu Gunsten der Arbeitsplatzqualität auswirken, glauben die Fachleute

2.07.2021

Die Coronakrise hat gezeigt, dass es auch anders geht. Dass beispielsweise nicht alle Mitarbeiter täglich im Büro arbeiten müssen, sondern dies ebenso aus dem Homeoffice heraus machen können. „Die Bürostrukturen werden sich in Zukunft in jedem Fall anpassen“, sagte Jens Hoppe, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH. Er glaube, dass die Veränderungen zu Gunsten der Arbeitsplatzqualität geschehen werden. Bereits in den vergangenen Jahren habe die Qualität der Büros zugenommen, etwa durch größere Küchen, Loungebereiche, das Aufstellen von Kickern oder Fernsehern. „Ich glaube, das ist weiterhin der Trend, der noch viel ausgeprägter wird“, so Hopp.

Kritische Phase

Zu Beginn der Pandemie, habe die Situation noch etwas anders ausgesehen. „Es hat hektische Reaktionen gegeben, als die Mitarbeiter ins Homeoffice gegangen sind und die Unternehmen plötzlich leere Flächen hatten. Da ist der Gedanke an Verkleinerung zunächst einmal als erster Impuls ganz natürlich“, sagte Arne Hilbert, Geschäftsführer der Art-Invest Real Estate Management GmbH & Co. KG. Dies sei eine kritische Phase gewesen, denn Firmen hätten sich keine Gedanken darüber gemacht, was es überhaupt bedeutet, wenn die Mitarbeitenden nicht kollaborieren, sich nicht treffen und dadurch der soziale Austausch fehlt, so Hilbert.

Persönlicher Austausch

Sie nun zurück ins Büro zu holen, sei eine Herausforderung, der sich die verschiedenen Unternehmen künftig stellen müssten – da sind sich die Experten beim „Runden Tisch“ einig. Denn das Arbeiten im Homeoffice habe ebenso Nachteile. Etwa eine mögliche fehlende Identifikation mit dem Unternehmen. „Wenn ich zu Hause arbeite, geht der Spirit vor Ort, der mich prägt und der mich an ein Unternehmen bindet, verloren. Dann ist es mir im Prinzip egal, ob ich unter der gelben, grünen oder roten Flagge arbeite“, sagte Lars Faßbender, Director National Office Advisory bei der BNP Paribas Real Estate GmbH. Die Folge: Mitarbeiter könnten leichter von anderen Unternehmen abgeworben werden. Vor allem, wenn sie während der Pandemie lediglich per Video-Call eingestellt werden und ihre Kollegen nicht persönlich kennenlernen. „Was am meisten fehlt, ist die spontane Kommunikation und der persönliche Austausch, der stattfindet, wenn man sich zufällig im Büro über den Weg läuft“, sagte Holger Kirchhof, Vorstand der Osmab AG. Daher müsse darüber nachgedacht werden, wie Arbeitsplätze in Zukunft aussehen könnten. Die Teilnehmer sind sich einig, dass hierbei eine Kombination aus Homeoffice und Büro am wahrscheinlichsten sein wird. „Es bedarf attraktiver Kommunikationsflächen, wo sich Mitarbeiter nach ihrem Homeoffice mit ihren Kollegen austauschen können“, so Kirchhof.


"Es bedarf attraktiver Flächen für die Kommunikation"


Ausgewogene Mischung

Und eine Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben. „Das Arbeiten im Homeoffice bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Wenn man Leben und Arbeiten nicht irgendwo trennt, steht man häufig zwischen den Stühlen“, sagte Arne Hilbert. Ein genauer Blick auf die Jobanforderungen und eine ausgewogene Mischung mit physischer Anwesenheit, die kreativen Austausch und Kollaborationen mit den Kolleginnen und Kollegen fördert, führe künftig zum Erfolg, glaubt Hilbert.

Mehr Kommunikationsflächen

Vor allem, weil Homeoffice nicht unbedingt mit einer Kostensenkung für Firmen verbunden ist. Zwar können durch den Wegfall des einzelnen Arbeitsplatzes im Büro Flächen eingespart werden, doch auch zu Hause haben die Mitarbeiter bei einem dauerhaften Arbeitsplatz das Recht auf eine entsprechende Ausstattung – wie etwa schnelles Internet, EDV-Hardware, angemessene Beleuchtung und einen ergometrischen Bürostuhl. Darüber werde noch zu wenig nachgedacht, fand Markus Larbig, Geschäftsführer Larbig & Mortag Immobilien. „Wenn der Arbeitnehmer dieses Recht einfordert, aber nur zwei bis drei Tage in der Woche davon Gebrauch macht und im Homeoffice arbeitet, dann muss dafür eine Parallelinfrastruktur aufgebaut werden. Das kostet den Arbeitgeber in Summe mehr als vermeintlich durch Mietreduzierung eingespart wird. Zudem werden in Zukunft mehr Kommunikationsflächen in der Bürowelt benötigt.“ Und ein gut angebundener Standort: „Wenn man zu Hause arbeitet und recht zentral wohnt, kann man sich zwischendurch mal schnell Mittagessen holen oder einkaufen gehen. Dieses Verhalten wird sich im Büro deutlich mehr als zuvor widerspiegeln“, sagt Lars Faßbender.