Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Anzeigen

Der VfL Gummersbach kämpfte bis zum Saisonabbruch um den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga Bild: Nastasja Kleinjung

ANZEIGE

Ruhmreicher Verein Der VfL Gummersbach errang in seiner langen Geschichte zahlreiche Titel

26.06.2020

1861 gründete sich der Sportverein, der gut 100 Jahre später beginnen sollte, Handballgeschichte zu schreiben. Ein Name steht bis heute wie ein Synonym in Verbindung mit dem VfL Gummersbach: Brand.
   

Gebr. Gieraths GmbH

Erste deutsche Meisterschaft

Die Geschichte des Traditionsvereins begann 1924 mit einer 0:9-Niederlage in Engelskirchen in der heutigen Kreisstadt. Vier Jahre später fälschte ein gewisser Erwin Brand seinen Turnerpass – sein Geburtsjahr änderte er von 1913 in 1911 – und spielte so bereits mit 15 Jahren in der Senioren-Feldhandballmannschaft. Schnell bekam er den Spitznamen „Cherry“ von einem Schulfreund verpasst, der ihn mit einer Flasche Cherry Brandy in Verbindung brachte. Brand holte in den Folgejahren etliche Mittelrheintitel und Westdeutsche Meisterschaften. Ab 1951 bis zur Einführung der Bundesliga 1966 waren die VfL-Handballer immer in den Endrunden um die „Westdeutsche“ vertreten und wurden anno 1966 erstmalig Deutscher Meister.

Durchbruch zur Spitze

Mit diesem Titel ist ein weiterer Name unweigerlich verbunden: 1956 wurde Eugen Haas zum Abteilungsleiter Handball gewählt. In diese Zeit startet der Umbruch vom Feld- zum Hallenhandball. Nach dem Gewinn des ersten Meistertitels konnte Haas nicht ahnen, dass seine „Jungs“ 1967 in der Dortmunder Westfalenhalle das Weltklasseteam von Dukla Prag mit 17:13 besiegten und den Europapokal der Landesmeister (die heutige Champions League) nach Gummersbach holten. Damit war der Durchbruch zur europäischen Spitze gelungen. Dieses Kunststück gelang dem Verein in den folgenden Jahren noch fünf weitere Male. Zum Kader gehörten in diesen Jahren „Cherrys“ Söhne Klaus, Jochen und Heiner Brand, die als Spieler und Trainer bis heute eng mit der Vereinsgeschichte verbunden sind. Aber auch Hansi Schmidt, Erhard Wunderlich, Andreas Thiel und Joachim „Jo“ Deckarm waren „Söhne“ von Haas, der 1995 verstarb.

Tragischer Unfall

Ein schwarzer Tag in der Geschichte des VfL war der 30. März 1979, als der damals beste Handballer der Welt, Joachim Deckarm im Europapokalspiel beim ungarischen Verein Tatabánya KC mit dem Abwehrspieler Lajos Pánovics zusammenstieß und mit dem Kopf auf den Betonboden knallte. 131 Tage lag der damals 25-Jährige im Koma und ist seither ein Pflegefall. Nach dem Gewinn der zwölften und zugleich ersten gesamtdeutschen Meisterschaft 1991 gegen den SC Magdeburg stellten sich keine weiteren Titelgewinne mehr ein.

Mangelnde Liquidität

In den 90er-Jahren dominierten Meldungen über mangelnde Liquidität und unseriöse Sponsoren die Medien. In der Bundesliga kam die Mannschaft selten über den zehnten Platz hinaus. Allein Yoon Kyung-Shin hielt den Verein durch sein Ausnahmekönnen in der Bundesliga. Viele Male wurde der Koreaner Torschützenkönig. 2000 stellte der VfL Insolvenzantrag – seit 2002 ist er schuldenfrei und steht finanziell solide da.

Förderung junger Talente

Anfang des Jahrtausends wendete sich auch sportlich das Blatt. Ende November 2001 stellten die Blau-Weißen dank gut 18.500 Fans in der Kölnarena einen europäischen Zuschauerrekord auf. In jüngster Zeit steht beim VfL die Integration junger Talente aus der vor einigen Jahren gegründeten Akademie im Vordergrund. Garant für die sportliche Zukunft ist zudem die 2013 eröffnete Schwalbe Arena auf dem Steinmüller-Gelände. Bis zu 4.100 Zuschauer finden dort Platz. All das konnte aber nicht verhindern, was am 34. und letzten Spieltag der Saison 2018/2019 geschah: Der VfL Gummersbach stieg nach einem 25:25- Unentschieden bei Bietigheim erstmals seit der Gründung der Handball-Bundesliga ab, da Ludwigshafen sein Spiel gegen Minden zeitgleich mit 31:30 gewann. Wegen der Pandemie wurde die Saison des VfL in Liga 2 abgebrochen, die Gummersbacher standen am Ende auf Platz vier.