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Mit Hightech in die Höhe: Drohnen sparen bei der Wartung von Anlagen und Kaminen viel Zeit und minimieren das Risiko für die Arbeiter.

Feuerwehrmann Frank Härtel ist einer von zwei ausgebildeten Drohnen-Piloten in der Raffinerie. Bild: von Hoensbroech

Stolze 196 Meter ragt der Kamin im Werk Köln-Godorf in den Himmel, im Werk Wesseling streckt sich der höchste Schornstein 176 Meter in die Luft. Wer früher auf die höchsten Arbeitsplätze der Rheinland Raffinerie wollte, musste schwindelfrei sein und viel Zeit für den Weg einplanen. Heute ist das anders – der Einsatz von Hightech macht es möglich.

Größter Vorteil. Feuerwehrmann Frank Härtel und sein Kollege Bernd Susen, stellvertretender Leiter der Werkfeuerwehr Shell Wesseling, haben die Lizenz zum Fliegen – und zwar für Drohnen. Beide haben die Schulung zur Flugerlaubnis beim TÜV abgelegt und müssen diese alle fünf Jahre erneuern. „Durch das Abfliegen der Kaminöffnung und des Steigschutzes können viel Zeit und Geld gespart werden“, erklärt Härtel. Während die Kontrolle per Drohne rund zehn Minuten dauert, würde eine Besteigung der Anlage schnell einen kompletten Vormittag in Anspruch nehmen. Dabei reicht ein einziger Pilot aus; erst bei Flügen über 100 Meter Höhe kommen zwei Menschen zum Einsatz. So kann sich einer auf das Steuern konzentrieren, während sein Kollege den Luftraum und die Monitore im Blick hat. Der größte Vorteil der digitalen Helfer ist jedoch ein anderer: „So braucht sich kein Mitarbeiter in Gefahr zu bringen, denn Arbeiten in großer Höhe bringen immer ein Restrisiko mit sich.“

Vorher anmelden. Nach oben sind den modernen Fluggeräten kaum Grenzen gesetzt, erklärt Drohnenpilot Härtel: „Theoretisch schafft sie 4.500 Meter, praktisch ist das nicht realisierbar, da sie immer im Sichtflug ohne Fernglas geflogen werden muss.“ Die Rheinland Raffinerie befindet sich zudem im Kontrollbereich des Flughafens Köln/ Bonn und muss daher einige zusätzliche Einschränkungen bei der Steuerung berücksichtigen. Da die Drohne mehr als sechs Kilogramm wiegt, braucht sie darüber hinaus eine Allgemeinerlaubnis der Bezirksregierung Düsseldorf. Diese genehmigt in Wesseling Flüge in einer Höhe von bis zu 50 Metern. Darüber hinaus müssen Härtel und sein Kollege den Tower am Flughafen informieren und um eine Freigabe bitten. Abschließend müssen sie den Flug abmelden. „In Köln-Godorf müssen Einsätze erst ab 100 Meter angemeldet werden, da sich das Werk Nord nicht in der Einflugschneise des Flughafens befindet“, ergänzt Härtel.

In 45 Minuten. Fünf Kamine kontrollieren er und Bernd Susen mithilfe der Drohnen. „Unsere Sicherheitseinrichtungen, die Hochfackeln, werden ebenfalls von uns beflogen. Dabei wird der Zustand der Brenner am Kopf begutachtet. Somit kann eine Überholung der Fackel oder ihres Kopfes anhand der Bilder schon im Voraus geplant werden“, sagt Härtel. Im November 2018 flogen sie zudem alle Lagertanks mit Schwimmdach im Werk Wesseling mit einer Drohne ab. Sie hielten dabei den Verschmutzungsgrad und die ungefähre Wassermenge auf dem Schwimmdach auf Fotos fest. „Obwohl wir mehr als 35 Tanks überprüfen mussten, hat die ganze Aktion lediglich 45 Minuten gedauert. Eine Kontrolle ohne Drohne hätte bis zu fünf Arbeitstage in Anspruch genommen“, so der Feuerwehrmann.

Zur Dokumentation. Zudem kommen Drohnen bei Projekten zum Einsatz, damit die Planer sich ein Bild vom Istzustand der Anlagen machen können. Bei der Dokumentation von Bauphasen helfen sie ebenfalls. So kamen sie bei der Neuverlegung der Rohölringleitung im Tankfeld 311 oder beim Neubau der Nordtrasse zum Einsatz. Als das Niedrigwasser im Rhein die Schifffahrt erheblich einschränkte, klärten Drohnen auf, wo sich an der Hafeneinfahrt Sand- und Kiesbänke befinden. So konnte verhindert werden, dass Schiffe bei der Ein- oder Ausfahrt auf Grund laufen. Im Schnitt kommen die Drohnen derzeit vier Mal im Monat zum Einsatz – die Aufträge kommen dabei von den jeweiligen Fachabteilungen.

Bei Dunkelheit. Insgesamt verfügt die Rheinland Raffinerie über zwei Drohnen. Eine „Inspire 1“ von DJI mit drei Kilogramm und einer 4-K-Kamera sowie eine „Matrice 210 RTK“ von DJI, die 6,5 Kilogramm wiegt. Diese kann zusätzlich zur hochauflösenden Kamera mit einer Wärmebildkamera ausgestattet werden. „Die Drohnen sind in der Lage, bei Dunkelheit zu fliegen. Das dürfen wir jedoch nur bei Feuerwehreinsätzen machen, da wir nur eine Flugerlaubnis von Sonnenaufgang bis -untergang haben“, erläutert Härtel. Und wie bei allen Arbeiten in der Rheinland Raffinerie gilt: Entweder es geht sicher oder es geht gar nicht.

Leser fragen, shell antwortet

Die Kesselwagenverladestation Süd im Wesselinger Werk. Bild: von Hoensbroech
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Dr. Richrath neuer Direktor der Raffinerie

Dr. Marco Richrath übernimmt zum 15. Juli den Posten des Direktors Bild: Shell
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