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Raus aus dem Kurstief: Im vergangenen Jahr blickten viele Kunden auf rote Zahlen in ihrem Depot. Doch die Privatbanken in der Region Köln lassen sich auch in schlechten Zeiten nicht unterkriegen, wie am „Runden Tisch Privatbanken“ deutlich wurde

Die Teilnehmer des „Runden Tisches Privatbanken“ und ihre Gastgeber vom Medienhaus DuMont Rheinland Bild: Thomas Banneyer


"Kluges Portfoliomanagement zahlt sich besonders in turbulenten Zeiten aus"

Karsten Hundhausen, Geschäftsführer Tageszeitungen, Anzeigenblätter und Hörfunk des Medienhauses DuMont Rheinland (im Vordergrund), begrüßt die Teilnehmer des Runden Tisches Bild: Thomas Banneyer
Karsten Hundhausen, Geschäftsführer Tageszeitungen, Anzeigenblätter und Hörfunk des Medienhauses DuMont Rheinland (im Vordergrund), begrüßt die Teilnehmer des Runden Tisches Bild: Thomas Banneyer
Talfahrten wie Ende des Jahres 2018 sollten Anleger in der Regel ausnutzen, um mehr zu investieren. Doch das ist keine leichte Aufgabe, wie Martina Patzek, Niederlassungsleiterin der Quirin Privatbank in Köln, erzählt: „Wir haben den Kunden erklärt, warum sie bei einem solchen Tief mehr in ausgewählte Werte investieren sollten, sprich warum sie antizyklisch investieren sollten.“ Denn kauft ein Anleger eine Aktie, die im Preis gesunken ist, macht er bei einem erneuten Aufschwung Gewinn. Da sich am Aktienmarkt keine Krise abgezeichnet habe, sei dies nach Ansicht der Privatbanker am Tisch ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg gewesen. Oft lassen sich Anleger von Gefühlen leiten. Diese können einen aber schnell trügen, Im vergangenen Jahr blickten viele Kunden auf rote Zahlen in ihrem Depot. Doch die Privatbanken in der Region Köln lassen sich auch in schlechten Zeiten nicht unterkriegen, wie am „Runden Tisch Privatbanken“ deutlich wurde Raus aus dem Kurstief Jennifer Garic sagt Andreas Bretschneider, Niederlassungsleiter der UBS Europe in Düsseldorf. „Die Veränderung der Aktiengewichtung ohne durchdachten Investmentprozess ist langfristig nicht zu empfehlen. Ein Ausstieg ist schnell entschieden, das schwierige daran ist jedoch der Wiedereinstieg“, erklärt der UBS-Banker.

"Wenn ich von einem Unternehmen überzeugt bin, ist der Tageswert nicht entscheidend"

Langfristige Entwicklung im Blick

Im vergangenen Jahr haben viele sogenannte Einhörner für Aufsehen am Aktienmarkt gesorgt. Als Einhörner bezeichnen Finanzspezialisten Start-Ups, die bereits vor ihrem Börsengang mehr als eine Milliarde US-Dollar wert sein sollen. Zuletzt machte die US-Firma Beyond Meat so auf sich aufmerksam. Das Unternehmen stellt Fleischersatzprodukte her und hat sich damit nicht nur Freunde unter Vegetariern und Veganern gemacht, sondern auch bei Anlegern. Die Aktie ist mit 25 Euro an der Börse gestartet – innerhalb weniger Tage hat sich der Preis vervierfacht. Der Börsengang dieses Einhorns klingt nach einem Traum für Anleger. Der Kölner Merck-Finck-Standortleiter Hoppe sieht die Vorteile, sagt aber: „Rein auf einem isolierten Investment kann man keine Anlagestrategie aufbauen.“ Denn so schnell wie der Hype gestartet ist, könnte er auch wieder vorbei sein. Anleger sollten darum die langfristige Entwicklung im Blick haben. Nach mehreren Jahren und überstandenen Schwankungen zahlen sich die meisten Investments in Aktien und Anleihen aus. „Wenn ich von einem Unternehmen überzeugt bin, dann ist der Tageswert für mich nicht entscheidend“, sagt Hanspeter Sauter, Generalbevollmächtigter der Bank Julius Bär in Deutschland. Viel mehr komme es auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens und des Investments an.

Breit gestreutes Portfolio

Michael Di Martino freute sich über den regen Austausch Bild: Thomas Banneyer
Michael Di Martino freute sich über den regen Austausch Bild: Thomas Banneyer
Es gibt aber auch Trends, die voraussichtlich noch Jahrzehnte andauern werden. Zu diesen zählen unter anderem die alternde Weltbevölkerung, die Digitalisierung und die Nachhaltigkeit. Für den Düsseldorfer UBS-Niederlassungsleiter Bretschneider zählt der Trend stärker als einzelne Werte: „Wir empfehlen immer ein breit gestreutes Portfolio, denn welche Aktie am Ende das Rennen macht, wissen wir nicht“, sagt Bretschneider. „Aber die Megatrends Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Alterung der Gesellschaft führen heute schon zu einem enormen Wachstum in den einzelnen Branchen.“

Nachhaltiges Investment

Ein Trend unter Anlegern sind nachhaltige Investments. „Wir richten jedes Investment nach ESG-Kriterien aus“, sagt Merck-Finck-Direktor Hoppe. Hinter dem Ausdruck ESG verbergen sich die Faktoren Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Erfüllt ein Unternehmen die ESG-Kriterien, gilt ein Investment als nachhaltig. Während Investoren also früher hauptsächlich einzelne Firmen aus ihrer Strategie ausgeschlossen haben, wählen Anleger nun explizit nachhaltige Aktien nach diesen Kriterien aus.„Meiner Erfahrung nach fragen Frauen häufiger nach nachhaltigen Investments“, erzählt Quirin-Bankerin Patzek. Und diese können sich auszahlen, sagt Ullrich vom Bankhaus Lampe. Denn der Boom befeuert das Wachstum einiger Unternehmen. Sein Credo lautet darum: „Wer auf Nachhaltigkeit achtet, muss nicht zwangsläufig auf Rendite verzichten.“

Kriterien ausweitbar

Doch die ESG-Kriterien gehen einigen Anlegern nicht weit genug. Denn mithilfe von Programmen und Spendenaktionen können Unternehmen ihr Image gemäß ESG-Kriterien einfach aufpolieren. „Im MSCI-Nachhaltigkeitsindex ist beispielsweise auch der Lebensmittelkonzern Nestlé abgebildet“, sagt Oddo-BHF-Direktor Frank Ebach. Dabei gilt dieser bei vielen Konsumenten als Klimasünder. „Nachhaltigkeit bleibt bei Investments also Definitionssache“, sagt Ebach. Bei einer Sache sind sich die Banker am Runden Tisch aber einig: Wenn sie nachhaltige Investments ansprechen, horchen die meisten Kunden auf.

"Im Handelsstreit mit China geht es vielmehr um Technologie als um Zölle"

Entwicklungen in den USA

Sorgen machen sich die Privatbanker bei der Entwicklung in den USA. Denn US-Präsident Donald Trump streitet sich nach wie vor mit dem chinesischen Machthaber XI Jinping. Statt einem Handelsabkommen gibt es erhöhte Zölle auf beiden Seiten. Das schadet der Weltwirtschaft. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Nach Ansicht von Quirin-Niederlassungsleiterin Patzek macht die Zolldiskussion aber eher kurze Schwankungen an den chinesischen Börsen aus. Eine andere Entwicklung in den USA könne schlimmere Folgen haben, sagt Julius-Bär-Generalbevollmächtigter Sauter: Die Konsumentenausgaben sinken. Geben die Menschen weniger Geld aus, wird auch weniger Geld in die Wirtschaft gepumpt. Das ist kein gutes Vorzeichen. „Wenn die USA in eine Rezession stürzen sollte, nimmt das die gesamte Weltwirtschaft mit“, sagt Sauter. Dem stimmt auch Bretschneider zu: „Würde das Bruttoinlandsprodukt in den USA, beispielsweise durch einen eskalierenden Handelskrieg, auch nur um ein Prozent nachlassen, würde der US-amerikanische Leitindex S&P 500 um rund 15 bis 20 Prozent sinken“, sagt der Düsseldorfer UBS-Leiter.

Zinspolitik der Fed

Die Banker am Runden Tisch blicken darum gespannt auf die Enscheidung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed). Während im Euroraum seit Jahren niedrige Zinsen vorherrschen, liegt der Leitzins in den USA derzeit zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Das könnte sich bald ändern, wie Fed-Chef Jerome Powell angekündigt hat. Senkt die Fed die Zinsen, stützt das die US-Konjunktur. Di Martino erinnert an einen weiteren Stabilitätsfaktor: „Die US-Amerikaner wählen im Jahr 2020 einen neuen Präsidenten.“ „Da Trump noch einmal antritt, wird er die US-Wirtschaft vor der Wahl nicht aufs Spiel setzen.“

Wirtschaft in Trumps Hand

Und doch ist die Wirtschaftskraft der USA in den vergangenen Jahren ein geliebter Spielball Trumps geworden. Er hat Handelsabkommen gekündigt, Zölle erhöht und und Einfuhrstopps angedroht. In all diesen Aktionen sieht Julius-Bär-Generalbevollmächtigter Sauter eine Taktik des US-Präsidenten. „Trump zündet Nebelkerzen“, sagt er. „Im Handelsstreit mit China geht es viel mehr um Technologie als um Zölle.“ Denn die die Tech-Branche der USA ist nach wie vor auf chinesische Innovationen gebunden. Die Meinung Sauters teilen nicht alle Teilnehmer am Runden Tisch. „Trump öffnet nur noch Baustellen, schließt aber keine mehr“, ist der Eindruck, den Oddo-BHF-Direktor Ebach gewonnen hat. Er geht davon aus, dass die Aktienkurse weiter schwanken.

Gold als Anlage

Sauter setzt darum verstärkt auf Gold. Immerhin steigt der Goldpreis seit einem Jahr. Di Martino von Hauck & Aufhäuser geht allerdings davon aus, dass der Goldpreis nur aufgrund der Niedrigzinsen gestiegen ist. Für viele Anleger gilt das Edelmetall nach wie vor als sichere Investition. Sie hoffen, dass das Gold mindestens seinen Wert behält oder steigert. Denn „Gold zahlt weder eine Dividende noch Zinsen und sollte daher keinen allzu großen Anteil in einer persönlichen Vermögensallokation haben“, sagt Di Martino. Anleger profitieren somit nicht von dieser Investition bis sie es zu einem höheren Preis verkaufen.

Experten werden gebraucht

Die Aufgabe der Vermögensverwalter und -berater besteht unter anderem darin, ihre Kunden und deren Vermögen auch durch solche Schwankungen zu führen. Die Privatbanker greifen dabei auf einzelne Werte wie Aktien und Anleihen aber auch Fonds und Immobilien zurück. Bei vielen Anlegern spielen zudem ETFs eine zunehmend größere Rolle. Die außerbörslich gehandelten Fonds spiegeln Indizes. Zu den bekanntesten gehört der MSCI World, der die Entwicklung der Aktien der erfolgreichsten Unternehmen der Welt abbildet. ETFs, Online-Depots und jederzeit abrufbare Börsendaten ermöglichen es, dass jeder selbst sein Geld in Aktien anlegen kann. Doch so einfach ist das Investieren in Aktien und Anleihen nicht, finden die Privatbanker. Ja, jeder könne ETFs kaufen, aber „man muss auch in der Lage sein, eine Aktie und deren Entwicklung zu bewerten, die richtigen Werte auszuwählen und zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen – und dafür braucht es in dieser immer komplexer werdenden Welt den Rat von Experten, die Antworten auf globale Fragestellungen geben können“, sagt der Düsseldorfer UBS-Leiter Bretschneider.

Kein heißer Tipp

Wenn es also weder Aktien noch Anleihen oder Gold sind. Mit was können Kölner Banker dann punkten? Gibt es einen Geheimtipp? „Den heißen Tipp gibt es nicht mehr“, sagt Bankerin Patzek lachend. Schließlich haben alle Menschen weltweit Zugriff auf aktuelle Marktdaten. „Weltweit Investieren ist das Geheimnis einer erfolgreichen Vermögensanlage“, sagt Patzek. Letztlich müssen Anleger Märkte verstehen und entscheiden können, wann sich ein Kauf oder Verkauf lohnt

DER RUNDE TISCH

Im vergangenen Jahr blickten viele Kunden auf rote Zahlen in ihrem Depot. Doch die Privatbanken in der Region Köln lassen sich auch in schlechten Zeiten nicht unterkriegen, wie am „Runden Tisch Privatbanken“ deutlich wurde Image 1
Der Runde Tisch ist eine Veranstaltung des Medienhauses DuMont Rheinland. Regelmäßig bitten Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau Spitzenvertreter verschiedener Wirtschaftszweige und Institutionen zum informellen Austausch. Die Gesprächsrunden finden zu überregionalen und lokalen Themen statt.
Quirin Privatbank AG

Die Teilnehmer des Runden Tisches

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer
„Megatrends wie die alternde Gesellschaft bieten Chancen für Anleger.“

Andreas Bretschneider
Leiter der Niederlassung Düsseldorf, UBS Europe SE

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer
„Gold zahlt weder eine Dividende noch Zinsen.“

Michael Di Martino
Leiter Private Banking am Standort Köln, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer
„Wir schätzen Köln als Standort sehr, da hier viele Marktführer beheimatet sind.“

Frank Ebach
Direktor und Leiter der Niederlassung Köln, ODDO BHF AG

Bild: Thomas Banneyer
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„Kluges Portfoliomanagement zahlt sich besonders in turbulenten Zeiten aus.“

Frank Hoppe
Direktor, Leiter des Standorts Köln, Merck Finck Privatbankiers AG

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer
„Digitale Vermögensverwaltung und persönliche Beratung gehen bei uns künftig Hand in Hand.“

Martina Patzek
Niederlassungsleiterin Köln, Quirin Privatbank AG

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer
„In NRW gibt es noch viel Potenzial für Privatbanken.“

Hanspeter Sauter
Generalbevollmächtigter, Bank Julius Bär Deutschland AG

Bild: Thomas Banneyer
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„Wer auf Nachhaltigkeit achtet, muss nicht zwangsläufig auf Rendite verzichten.“

Thomas Ullrich
Direktor, Leiter der Niederlassung Bonn, Bankhaus Lampe KG

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