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ETFs auf große Indizes haben eine sehr gute Bilanz und machen weniger Arbeit Bild: Sergey Tarasov/stock.adobe.com

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Qual der Wahl: Sind aktive oder passive Fonds besser? Wer in Aktien oder Anleihen investieren möchte, ko mmt in der Regel an Fonds nicht vorbei. Dann stellt sich die Frage: Welche Variante ist für mich sinnvoller?

31.05.2021

Fonds gibt es für alle Branchen, Länder, Gebiete und Bedürfnisse. Wer sich entschieden hat, kann zwischen aktiven und passiven Fonds wählen. Bei Ersteren beschäftigen sich Fondsmanager aktiv mit dem Aktienbestand des Fonds, lassen Unternehmenszahlen und Marktentwicklung in die Kauf- oder Verkaufsentscheidungen einfließen und schichten Aktien um, wenn sie Chancen oder Risiken sehen. Anders bei passiven Fonds, den Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Diese börsengehandelten Indexfonds bilden einen Index nach, wie den Dax, den US-Börsenindex Dow Jones oder den Weltaktienindex MSCI World. Steigt der Index, steigt der ETF. Aktiv eingegriffen wird nicht. Doch wäre das besser?

Schwer zu schlagen

Die Fondsratingagentur Morningstar hat sich angesehen, wie Indexfonds seit 2011 abgeschnitten haben. Maßstab der Untersuchung war das Morningstar-Sterne-Rating, dass das Rendite-Risiko-Profil der Fonds innerhalb einer Kategorie misst. Die zehn Prozent der Fonds auf dem Markt, die am besten abschneiden, bekommen jeweils fünf Sterne, die schlechtesten zehn Prozent bekommen einen. Fonds mit zwei Sternen sind unterdurchschnittlich, Fonds mit vier Sternen überdurchschnittlich und drei Sterne werden an Fonds mit einem durchschnittlichen Rendite-Risiko-Profil vergeben. Was hat die Untersuchung gezeigt? „ETFs auf große Indizes, wie den MSCI Europe, EuroStoxx, den US-Markt oder den weltweiten MSCI World haben eine sehr gute Bilanz“, sagt Ali Masarwah, Chefredakteur bei Morningstar. „Sie haben über die komplette untersuchte Zeitspanne vier bis fünf Sterne bekommen.“ Das bestätigen andere Untersuchungen und Experten. „Nur fünf bis zehn Prozent aller aktiven Fonds, die sich an einem Index orientieren, können diesen auch schlagen“, sagt Doris Kappes von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Da nur Wenige gegen den Trend – der Index spiegelt ja den Markttrend – besser wirtschaften können.“

Regelmäßig prüfen

Ein Renditekiller bei den aktiven Fonds sind die Kosten: Zu den oft höheren Anschaffungskosten, bis zu fünf Prozent bei aktiv gemanagten Fonds, kommen manchmal noch eine Gewinnbeteiligung und circa fünfmal so hohe laufende Kosten von ein bis zwei Prozent pro Jahr hinzu. „Diese höheren Kosten wieder reinzuholen, ist selten möglich“, erklärt Yann Stoffel von der Zeitschrift „Finanztest“. Selbst wenn der Fondsmanager eine außergewöhnlich gut laufende Aktie entdeckt und in sein Portfolio genommen hat, falle das bei einem breit aufgestellten Fonds mit vielen Aktien im Portfolio kaum ins Gewicht. Auch wenn es einem Fondsmanager gelingt, den Index zu schlagen, kann das viel mit Glück zu tun haben. „Man sollte bei einem aktiven Fonds regelmäßig prüfen, wie er sich entwickelt“, sagt Kappes. „Ein ETF macht weniger Arbeit, weil er transparent ist. Da muss man nicht jedes Jahr gucken: Hat mein Fondsmanager noch gut gemanagt oder nicht.“


"Gewinner der Vergangenheit müssen nicht die der Zukunft sein"


Schwächen bedenken

Es gibt aber auch Indizes mit Schwächen, die der ETF entsprechend übernimmt. „Beim britischen FTSE 100 sind Versorger, Energie- und Tabakunternehmen übergewichtet“, sagt Masarwah. „Da können Fondsmanager eingreifen und bei aktiven Fonds so umschichten, dass sie sich die Unwucht des Vergleichsindex zunutze machen.“ Schwächen haben auch die Indizes in Schwellenländern oder exotischen Märkten. „Jüngere Märkte sind nicht so entwickelt“, sagt Stoffel. „Dort gibt es manchmal weniger Publikationspflichten und weniger Kontrollen. Das könnten aktive Fondsmanager durch eigene Informationsbeschaffung ausnutzen.“ Das sieht auch Masarwah so: „Bei ineffizienten Märkten haben Fondsmanager Vorteile.“ In den vergangenen Jahren ist das im Ranking bei Morningstar allerdings nur noch bis 2013 zu erkennen. Und eine Untersuchung von Finanztest bestätigt: Aktuell schneiden über 60 Prozent der aktiven Fonds für Schwellenlandaktien schlechter ab als ETFs. Aber auch wenn ein Fonds besser performt als der Markt, ist das kein Hinweis für die Zukunft. Kappes sagt sehr deutlich: „Gewinner der Vergangenheit müssen nicht die Gewinner der Zukunft sein.“

ETFs auch in Corona-Zeiten gut

Das gilt ebenso für Rentenfonds. Bei ihnen wird mit dem Geld der Anleger in Anleihen investiert. Das können Unternehmens- sowie Staatsanleihen sein. Bei Rentenfonds ist die Auswahl an ETFs auf dem Markt deutlich geringer. Beim Morningstar-Rating haben ETFs, die in Anleihen aus Schwellenländern investieren, fast immer überdurchschnittlich abgeschnitten. Gemischt dagegen die Bilanz bei europäischen und weltweiten Rentenpapieren: Nach den ersten überragenden Jahren haben die Renten-ETFs seit 2016 schlechter performt als der durchschnittlich aktive Fonds. „Fondsmanager können andere Papiere untermischen, die wegen eines höheren Risikos auch höhere Renditen bringen“, sagt Masarwah. Und: Ist in schwierigen Zeiten wie jetzt ein aktiver Fonds nicht von Vorteil, weil der Fondsmanager schneller reagiert als der Markt? Finanztest hat die Entwicklung der ETFs und Fonds zwischen 2019 und Sommer 2020 untersucht und das so nicht bestätigt. Nur grob ein Drittel der Fonds schnitt insgesamt besser ab als ihr Vergleichsindex. Stoffels Fazit: „Mit einem normalen ETF sind Anleger langfristig wahrscheinlich unter den 20 Prozent der besten Fonds, und es ist unmöglich, aktive Fonds zu finden, die garantiert besser sein werden.“ (mit Material von dpa)