Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Anzeigen

Für viele trauernde Menschen ist der Friedhof ein Platz, an dem sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können Bild: Dan Race/adobestock.com

ANZEIGE

Orte der Erinnerungen erhalten Friedhöfe haben in der Gesellschaft eine besondere Bedeutung

3.11.2021

Auf welche Weise Bestattungen von Verstorbenen vorgenommen werden können, wird in den verschiedenen europäischen Staaten ganz unterschiedlich gehandhabt. Während in Deutschland eine Friedhofspflicht gilt, ist das in vielen weiteren Ländern des Kontinents nicht der Fall. Grabstätten sind dort längst nicht mehr an den Friedhof gebunden. Einige Anbieter machen deshalb die Verstreuung von Asche auf See oder aus dem Ballon möglich. „Fliege ins Weltall und komme als Sternschnuppe zurück“ ist zudem ein Angebot der außergewöhnlichen Art. Knapp 10.000 Euro soll es kosten, die eingeäscherten sterblichen Überreste auf einen Satelliten zu verfrachten, der dann bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre am Himmel verglüht.

Innovationen einbringen

Und dennoch: „Der Friedhof ist nicht tot, und auch scheintot ist er nicht“, schreibt Dirk Pörschmann als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal. Friedhöfe seien Orte der Kultur, „wie jede Oper oder jedes Theater, jedes Museum und jeder öffentliche Park“. Und genau so müssten sie auch im öffentlichen Bewusstsein verankert sein – nicht als Ort der „Entsorgung“. Starre Verordnungen und steigende Preise hätten den Gräberfeldern von Kommunen und Kirchen schwer zu schaffen gemacht. Kein Wunder also, dass Menschen auf die Suche nach Alternativen gegangen sind. Nun gelte es, Innovationen auf die Friedhöfe zu bringen und sie in den alltäglichen Lebensraum einzubinden.

Oasen der Großstadt

Denn: Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Aufbewahrung einer Urne zu Hause in Deutschland eben nicht zulässig. Nur in Bremen sind Ausnahmen unter strengen Bedingungen und mit entsprechender Genehmigung möglich, Angehörige dürfen die Asche dann auch auf dem eigenen Grundstück beisetzen.

In anderen Bundesländern wiederum werden derzeit zumindest Lockerungen diskutiert. Doch selbst wenn diese in näherer Zukunft tatsächlich in Kraft treten sollten, bleibt klar: Die meisten Friedhöfe werden zukünftig erhalten bleiben. Denn sie seien grüne Oasen in der Großstadt, Treffpunkte mit Kunst und Kultur. Lebendige Orte eben, voller wichtiger Erinnerungen. (mit Material von dpa)