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Durch einige wenige Werte und Kennzahlen werden Bilanzen auch für Laien verständlich Bild: MIND AND I/stock.adobe.com

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Nicht zocken, sondern mit Köpfchen handeln Unternehmensbilanzen endlich verständlich: Es braucht kein Studium, um einen Überblick über die wichtigsten Werte zu erhalten

31.05.2021

Wertpapiere eignen sich eher für Anleger, die sich mit den jeweiligen Unternehmen beschäftigen wollen, erklärt die Stiftung Warentest. Für den Anlageerfolg sind Informationen unerlässlich. Sie helfen bei der Entscheidung, in welches Unternehmen oder welchen Markt Anleger investieren sollten. Aktiengesellschaften unterliegen gesetzlich vorgeschriebenen Publikationspflichten. In den Berichten finden sich immer auch eine Reihe von Kennzahlen, die einen Überblick über die Lage geben. Fragt sich: Braucht es ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, um Unternehmen zu bewerten? Nicht unbedingt, findet Frank Wieser. „Eine erste gute Aktienanalyse kann man auch ohne Studium durchführen“, sagt der Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement. „Die Anzahl relevanter Kennzahlen ist allerdings groß und unübersichtlich.“

Gesunder Menschenverstand

Einsteiger sollten sich seiner Ansicht nach besser auf wenige Kennzahlen konzentrieren „und diese mit dem gesunden Menschenverstand kombinieren.“ Eine wichtige Frage für Anleger: Ist das Geschäftsmodell des Unternehmens plausibel und verständlich? Das sieht sein Kollege Maik Bolsmann ebenfalls so: „Bei der fundamentalen Aktienanalyse interessiert den Anleger schlussendlich der Vergleich ähnlicher Aktien innerhalb einer Vergleichsgruppe“, erklärt der Geschäftsführer der B&K Vermögen GmbH. „Wenn der Anleger also immer die gleichen Bewertungsmaßstäbe heranzieht, sollten sich pragmatische Vergleichsmöglichkeiten ergeben.“ Es gibt fünf wichtige Kennzahlen, die sich in Unternehmensberichten finden.

1. Ebit, Ebitda

Diese Begriffe sind Kennzahlen für das Betriebsergebnis und bezeichnen den Ertrag vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen. Hinter den Buchstaben verbergen sich die englischen Begriffe „earnings before interest and taxes“ sowie „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“. Das Ebit gibt Hinweise auf die Rentabilität, erklärt Hermann Ecker, Vermögensverwalter bei der Bayerischen Vermögens Management AG. „Da Ebit und Ebidta aus dem Ergebnis diejenigen Faktoren herausrechnen, die mit dem Kerngeschäft zu tun haben, schärfen sie den Blick für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens“, schreiben die Ratgeberautoren Stefanie und Markus Kühn. So ist anhand dieses Wertes ersichtlich: „Steigt das Ebit eines Unternehmens, floriert das Kerngeschäft.“

2. KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ist eine weit verbreitete Kennzahl. Sie soll bei der Beurteilung helfen, ob der Börsenkurs einer Aktiengesellschaft angemessen ist. Der aktuelle Börsenkurs einer Aktie geteilt durch den geschätzten Gewinn pro Aktie ergibt den KGV. „Je höher der Aktienkurs und desto kleiner der Gewinn, desto größer wird das KGV“, schreiben Stefanie und Markus Kühn. Die Schwierigkeit dort: Der Gewinn für die Zukunft lässt sich nur schätzen. Daher kann es je nach Schätzungen zu unterschiedlichen Werten kommen. „Als alleiniges Auswahlkriterium ist das KGV wegen der mangelnden Vergleichbarkeit des Jahresüberschusses nicht gut geeignet“, erklärt daher auch Hermann Ecker.

3. KBV

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, gibt über die Substanz eines Unternehmens Auskunft. „Es setzt das Eigenkapital geteilt durch die Stückzahl der umlaufenden Aktien in Bezug zum Kurs“, erklärt Ecker. Das KBV dient also der Bewertung der Unternehmenssubstanz. „Ein Unternehmen mit einem KBV von 1 ist also genau so viel wert wie alle bilanzierten Vermögensgegenstände“, erklärt Frank Wieser. Liegt das KBV unter 1, müsste theoretisch für einen Aktienanteil eines Unternehmens weniger bezahlt werden, als es laut seiner Bilanz wert ist.

4. Eigenkapitalrendite

Diese Kennzahl setzt den Ertrag eines Unternehmens in Bezug zum Eigenkapital, erklärt Ecker. „Es dokumentiert, wie sich das Eigenkapital in einer Rechnungsperiode verzinst hat.“ Oder wie es in dem Buch „Alles über Aktien“ heißt: Die Kennziffer gibt an, wie effizient ein Unternehmen das zur Verfügung stehende Eigenkapital eingesetzt hat.

5. Cashflow

Der Cashflow sagt aus, wie liquide ein Unternehmen ist. „Etwas genauer gibt der Cashflow den von einem Unternehmen erzielten Geldzufluss beziehungsweise Geldabfluss während eines bestimmten Zeitraums an“, erklärt Ecker. Wichtig zu bedenken: Ein negativer Cashflow muss nicht schlecht sein, denn das kann ein Hinweis auf eine starke Investitionstätigkeit eines Unternehmens sein. „Der Cashflow kann als Ratio auf den Kurs bezogen in Kombination mit weiteren Kennzahlen eine robuste Aussage hinsichtlich der aktuellen Unternehmensbewertung geben.“

Fazit

Die Kennzahlen ermöglichen es Laien, einen Einblick in die Stärke des Unternehmens zu bekommen. Eine einzelne Kennzahl allein lässt aber keine umfassende Bewertung zu. Und: Die Werte immer mit anderen Unternehmen aus der gleichen Branche vergleichen. (mit Material von dpa)
  

Kurz & kompakt

Aktiensparplan kann auf lange Sicht lohnen

Aktien kann sich kaum jemand leisten – diese Annahme hält sich bei so manchem Sparer hartnäckig. Allerdings müssen keine großen Summen zur Verfügung stehen, um an der Börse zu investieren. Der Einstieg in Aktienfonds ist bereits mit kleinen Beträgen ab 25 Euro monatlich möglich, erklärt die Aktion „Finanzwissen für alle“ der im BVI organisierten Fondsgesellschaften. Und ein Sparplan auf Fonds, die in deutsche Aktien investieren, kann sich lohnen. Das zeigt der Rückblick auf die Wertentwicklung solcher. Ein Beispiel: Anleger, die in den zurückliegenden 25 Jahren monatlich 100 Euro in Aktienfonds in Deutschland investiert haben, zahlten insgesamt die Summe von 30.000 Euro ein. Im Gegenzug brachte ihnen der Sparplan Ende März 2021 im Mittel rund 68.062 Euro. Das entspricht einer durchaus stattlichen Wertentwicklung von durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr.


Weiterführende Buchtipps

Stefanie Kühn, Markus Kühn:
„Geldanlage für Anfänger“, Stiftung Warentest 2020, 19,90 Euro, ISBN 978-3-7471-0223-7

Martin Weber u. a.:
„Die genial einfache Vermögensstrategie – So gelingt die finanzielle Unabhängigkeit“, Campus Verlag 2020, 27,95 Euro, ISBN 978-3-593-51238-9

Beate Sander:
„Der Aktien- und Börsenführerschein“, Finanzbuchverlag 2020, 29,90 Euro, ISBN 978-3-95972-279-7