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Das Leben und Arbeiten in der Stadt wird sich verändern. Die Forschungen zur Verbesserung des Stadtklimas laufen bereits. Die gewonnenen Erkenntnisse werden Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Neue Berufe entstehen, altbekannte erfahren eine Aufwertung. Image 1
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Neue Arbeitsplätze für ein besseres Klima in den Städten Das Leben und Arbeiten in der Stadt wird sich verändern. Die Forschungen zur Verbesserung des Stadtklimas laufen bereits. Die gewonnenen Erkenntnisse werden Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Neue Berufe entstehen, altbekannte erfahren eine Aufwertung.

23.06.2022

Der Klimawandel ist endgültig in Deutschland angekommen. Seine Folgen und Auswirkungen auf die Städte und Gemeinden und auf ihre Bewohner sind nicht mehr zu übersehen. Auch und gerade in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zeigten sie sich zuletzt auf ihre grausamste Art. Hitze- und Trockenperioden belasten die Einwohner, führen zu schweren Erkrankungen und schaffen damit hohe Folgekosten. Gerade in den urban geprägten Gebieten des Ruhrgebiets und in den Großstädten am Rhein. Um die Städte lebenswerter und klimagerecht zu gestalten, werden neue Arbeitsfelder entstehen.

Die Forschungserkenntnisse verändern den Arbeitsmarkt

In Fachkreisen ist dieser Umstand nicht erst seit heute bekannt. Und es wird nicht erst seit heute geforscht, um in Erfahrung zu bringen, was getan werden muss und getan werden kann, um die großen, aber auch die kleineren Städte wieder lebenswerter zu gestalten und das Klima in den Ballungsräumen zu verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit mehr als zehn Jahren Klimaprojekte wie das der TU Berlin mit dem Namen „Stadtklima im Wandel“ oder das Projekt „PALM4U“ der Universität Hannover. In Nordrhein-Westfalen liegt das Ziel im Projekt „Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW“ des Deutschen Instituts für Urbanistik darin, Städte, Gemeinden und Kreise gezielt dabei zu unterstützen, in der Klimavorsorge aktiv zu werden. „Das dazu benötigte Wissen in die Politik, in die Verwaltungen und nicht zuletzt auch in die Gesellschaft zu bringen ist dabei der erste, aber auch wichtigste Schritt, der gegangen werden muss“, wie Paul Dostal vom German Aerospace Center (DLR) in Bonn erklärt. „Erst wenn die erforderlichen Maßnahmen ausreichend kommuniziert und verstanden worden sind, können weitreichende und bleibende Änderungen erfolgen.“


„Neue Arbeitsplätze bei den Verwaltungen und im Bereich Garten- und Landschaftsbau sind in jedem Fall möglich.“

Paul Dostert, Stadtentwickler


Neue Arbeitsplätze für ein besseres Stadtklima

Im Zuge der Verbesserung des Klimas in den Städten werden neue Arbeitsplätze entstehen. Angefangen bei den Stadtverwaltungen, wo schon jetzt verstärkt Stadtplaner, Fahrrad- und Umweltbeauftragte gefragt sind. Auch die Architekturbüros werden sich in Zukunft an einer „grünen“ Bauweise versuchen, was die Nachfrage nach jungen, gut ausgebildeten Architekten erhöhen wird. Bei den ausführenden Kräften werden die Bauhöfe neue Arbeitsplätze schaffen. Die Berufe Landschaftsgärtner, Gärtner für die Grünflächenpflege und Baumpfleger werden eine Aufwertung erfahren.

Stadtentwickler haben beste Zukunftsaussichten

Paul Dostert war viele Jahre als Stadtentwickler tätig und in Forschungsprojekte involviert, die zum Beispiel die Auswirkungen der Begrünung einer Hausfassade auf die Luftqualität untersuchten. Diese Erkenntnisse werden für eine grüne Gestaltung der Städte in Zukunft immer wichtiger werden. „Abgesehen davon, dass der Beruf Stadtentwickler sehr vielseitig und spannend ist, wird gute Zukunftsaussichten haben“, glaubt Dostert. Die Voraussetzungen, um den Beruf ausüben zu können, sind entweder ein Vollstudium im eigenständigen Studiengang (Stadtplanung, Stadt- und Regionalplanung) oder die Studiengänge Architektur oder Raumplanung mit den Studienschwerpunkten Städtebau oder Stadtplanung.

Garten- und Landschaftsgärtner könnten die großen Gewinner sein

„Ich nehme an, dass im Zuge der Neugestaltung von Innenstädten Arbeitskräfte aus den verschiedensten Richtungen gefragt sein werden. Zunächst einmal von oben an, also in den Verwaltungen der Kommunen. Dort müssten ja kompetente Sachbearbeiter sitzen, die wirklich wissen, was sie etwa als Baumaßnahmen nach unten an die Unternehmen weitergeben.“ An den Baustellen selbst sind dann all die gefragt, die in der Lage sind, die Städte grüner, aufgelockerter, schlicht menschen- und klimafreundlicher zu gestalten; Straßenbauer, Gärtner und Landschaftsgärtner etwa, daneben aber auch Architekten und Angestellte in den Kommunen, die sich um die Belange der Sicherheit der Radfahrer und die Planung neuer Verkehrskonzepte kümmern.

Die Bürger müssen die Wende verstehen

Ebenso wichtig ist es aber auch, die Maßnahmen, die für ein besseres Klima infrage kommen, den Menschen vor Ort zu erklären und sie von deren Notwendigkeit zu überzeugen. Wenn die Bürger außen vor bleiben und sich nur mit den negativen Aspekten von derart großen Veränderungen vor ihren Haustüren konfrontiert sehen, werden alle Projekte und Forschungen wohl scheitern müssen. Es wird also die große Aufgabe sein, neue Klimaschutzprogramme als das darzustellen, was sie letztendlich ja auch sind; eine Chance für alle. Nicht nur für ein angenehmeres Leben in der Stadt, auch für einen Wandel in der Arbeitswelt.

Kurz informiert

Stadt Bonn mit Silber ausgezeichnet

„STADTGRÜN NATURNAH“

Mit artenreichen Wildblumenwiesen, nachhaltiger Waldwirtschaft und innovativen Umweltbildungsangeboten konnte die Stadt Bonn punkten. Sie gehört nun zu den wenigen Großstädten, die mit dem Label für mehr Natur in der Stadt zertifiziert sind. Ziel ist es, ökologische Belange im urbanen Raum zu verankern und den Bürgern der ehemaligen Bundeshauptstadt eine klimafreundliche, attraktive und grüne Stadt zu bieten. In das Labeling-Verfahren waren neben Fachämtern der Stadt Bonn unter anderem auch die Universität, der NABU. BUND, die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft sowie Bonn im Wandel e.V. eingebunden.


Andernach, die „essbare Stadt“, gedeiht prächtig

BIODIVERSITÄT AM RHEIN

„Pflücken erlaubt statt betreten verboten“, heißt es schon seit über zehn Jahren in Andernach, der Stadt am Rhein mit ihren 30.000 Einwohnern. Bislang war sie eher wegen des höchsten Kaltwasser-Geysirs der Welt, der historischen Altstadt und des Schlosses „Burg Namedy“ bekannt. Inzwischen aber hat sich die Stadt den Ruf als „essbare Stadt“ erworben. Mit der Anpflanzung von exakt 101 Tomatensorten war man 2010 angetreten, um auf die Biodiversität von Nutzpflanzen aufmerksam zu machen, die Grünflächen aufzuwerten und nachhaltig das Lebensgefühl in der Stadt zu verbessern. Bei Führungen und Seminaren wurde die Konzeption der „essbaren Stadt“ erläutert und ausgebaut. Positiver Nebeneffekt: Dabei entstanden auch Arbeitsplätze.


Mehr Grünflächen für Remagen

VOM RASEN ZUR WIESE

Auch in kleineren Städten wie Remagen sind die Folgen des Klimawandels zu spüren. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitzerekorde und extreme Trockenheit sorgen für Schäden an Gebäuden und landwirtschaftlichen Flächen. Nicht zuletzt Bürger und Touristen leiden unter den immer heißeren Sommertagen. Am Rhein, wo der Fluss für etwas frischen Wind sorgt, mag es noch angehen, aber in der Innenstadt staut sich die Hitze bis ins Unerträgliche. Remagen versucht, mit mehr Grünflächen und Biodiversität für ein besseres Klima zu sorgen. Davon profitieren Landschaftsbetriebe und Gärtnereien.