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Julian Prégardien

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Nacht der Dichterliebe In der Tradition eines Hauskonzerts werfen fünf Künstler einen neuen Blick auf die musikalische Sehnsuchts- und Liebeslyrik von Robert Schumann

27.08.2020

Was könnte besser in diese Zeit passen als ein intimes Kammerkonzert in kleinem Rahmen, gemeinsames Musizieren mit Freunden und Kollegen. Das gab’s so übrigens schon im 19. Jahrhundert, bei den berühmten »Schubertiaden« etwa, bei denen der Liederfürst im privaten Rahmen Musik mit befreundeten Künstlern machte. Es ging um die Kunst, aber auch um das gesellige Beisammensein und den kommunikativen Austausch. Genau das ist auch die Welt von Julian Prégardien, dem das Kunstlied mit seinem Nuancenreichtum besonders am Herzen liegt – und der direkte, unmittelbare Austausch mit seinem Publikum.


Aktueller Zugriff auf Meisterwerke


Ebenso wichtig ist Prégardien aber auch die Zusammenarbeit mit vertrauten Partnern, dem Pianisten Eric Le Sage zum Beispiel. Bereits vor einigen Jahren planten die beiden eine Aufnahme der »Dichterliebe«, die 2018 dann auf CD erschienen ist. Und die ist nicht einfach nur eine Neueinspielung von Schumanns berühmtem Liederzyklus, sondern sie ist ein neuerlicher Beweis für die Neigung des Sängers, einen eigenen, aktuellen Zugriff auf die alten Meisterwerke zu finden. Bei den Vorbereitungen zur Aufnahme stieß Julian Prégardien mit seinem Klavierpartner auf eine neue kritische Notenausgabe, in der die Erstentwürfe Schumanns zu einigen Liedern enthalten waren. Ausgehend von den rhythmisch und deklamatorisch abweichenden Frühfassungen entwickelte der in der Alten Musik geschulte Sänger einen historisch informierten Interpretationsansatz für die vermeintlich so bekannten Lieder Schumanns. Mit Eric Le Sage steht ihm dabei nicht irgendein Pianist zur Seite, denn der Franzose ist der Schumann-Experte unserer Tage: Jahrelang hat er sich intensiv mit der Tastenmusik des Romantikers auseinandergesetzt und dessen gesamtes Klavierschaffen auf CD eingespielt. Und auch Sandrine Piau ist keine Unbekannte für Julian Prégardien, war sie doch bei einigen Liedern auf dem »Dichterliebe«-Album mit von der Partie und fand mit ihrer so flexiblen wie schön timbrierten Stimme im Detailreichtum der kostbaren Miniaturen immer die richtigen Zwischentöne.

Es sind ganz subjektive und fein ausgestaltete Einblicke in die Lied-Welt des 19. Jahrhunderts, die uns die drei Künstler gewähren. Und die werden in diesem so besonderen Konzert durch einen ganz anderen Blickwinkel ergänzt. Für den sorgt die Sängerin Lia Pale mit ihrem Klavierpartner Mathias Rüegg, die sich in den letzten Jahren ebenfalls intensiv mit dem Lied-Schaffen Schumanns auseinandergesetzt haben. Jedoch nähern sie sich den Kompositionen aus einer gänzlich anderen Richtung, der modernen Popularmusik nämlich. Mal streichelt die Sängerin die Töne mit ihrer sanften Pop-Stimme, dann wieder würzt sie die Musik mit Jazz-Harmonien. Das klingt »duftig, locker und charmant«, wie die »Neue Musikzeitung« über das Album urteilte. Auf einmal tönen die Lieder so ganz anders und neu – und bleiben doch im Kern immer Schumann. Bjørn Woll


06.09.2020
Sonntag 20:00

Die Nacht der Dichterliebe

Julian Prégardien Tenor
Sandrine Piau Sopran
Eric Le Sage Klavier
Lia Pale Gesang
Mathias Rüegg Klavier

Gefördert vom Kuratorium KölnMusik e.V.

€ 30,-