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Hochwertige Geräte sollten lange genutzt werden Bild: alexbrylovhk - stock.adobe.com

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Nachhaltige Elektronik – Geht das überhaupt? In der Branche tut sich viel, damit deutlich weniger Ressourcen verbraucht werden

6.01.2021

Neue Fernseher, schicke Notebooks, vernetzte Lautsprecher, smarte Türkameras oder batteriebetriebene Mini-Funkohrstöpsel. Die wachsende Zahl kleiner und großer digitaler Helfer soll das Leben erleichtern oder spannender machen. Was weniger im Vordergrund steht, ist hingegen die andere Seite der Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen. Denn die komplexe Unterhaltungselektronik und Heimautomatisierung kostet nicht nur eine Menge Geld, sie verbraucht auch viel Strom und Ressourcen. Das Umweltbewusstsein bleibt diesbezüglich oft auf der Strecke. Aber gibt es überhaupt so etwas wie nachhaltige Unterhaltungselektronik? Und wenn ja: wie kann sie erkannt werden?

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Materialien wiederverwenden

Bei der Herstellung der Produkte gilt es möglichst wenig Energie zu verwenden Bild: weerapat1003/stock.adobe.com
Bei der Herstellung der Produkte gilt es möglichst wenig Energie zu verwenden Bild: weerapat1003/stock.adobe.com

„Das ist kein einfaches Thema“, sagt Sebastian Klöß vom IT-Branchenverband Bitkom. Wirklich nachhaltige Elektronik herzustellen, sei gar nicht so einfach. Das fange bei den Ressourcen an und gehe bei der Zusammensetzung der Materialien und der Herstellung weiter. Hinzu kommt: Viele Produkte sind nach wenigen Jahren ein Fall für die Tonne – sei es konstruktionsbedingt oder weil es keine neue Software gibt. „Die Industrie wird sich des Themas immer mehr bewusst“, hat Klöß festgestellt. Etwa beim Wiederverwenden von Materialien oder dem Bezug von Rohstoffen aus konfliktfreien Quellen. Aber: Branchenstandard ist das noch nicht. Vielmehr gibt es bisher viele kleine Schritte einzelner Unternehmen. Apple kann beispielsweise einen Teil der Rohstoffe ausgedienter iPhones wieder in die Produktionskette integrieren. Einige Notebook- und Computermodelle bestehen etwa aus recyceltem Aluminium. HP wiederum kann Geräte vorweisen, deren mechanische Teile zu einem großen Teil aus recycelten Rohstoffen bestehen.

Emissionen kompensieren
  

Ein großer Teil des Elektroschrotts kann wiederverwertet werden, allerdings längst nicht alle Materialien Bild: alexlmx/stock.adobe.com
Ein großer Teil des Elektroschrotts kann wiederverwertet werden, allerdings längst nicht alle Materialien Bild: alexlmx/stock.adobe.com

Heißt: Es gibt mittlerweile durchaus Unternehmen in der Elektronikbrache, die sich am Thema Nachhaltigkeit versuchen. Dazu gehört auch der kalifornische Smartphone-Zubehör-Hersteller Nomad. Seit 2018 kompensiert das Unternehmen seine CO2-Emmissionen durch den Kauf von Zertifikaten. Im Jahr 2020 wurde Nomad schließlich quasi CO2-neutral, erklärt Gründer Noah Dentzel. Komplett umweltfreundliche Unterhaltungselektronik gebe es allerdings nicht. Aber: Es gibt viele andere Stellen, an denen angesetzt werden kann. Etwa bei umweltfreundlicheren Verpackungen und Materialien, selbst wenn sich nicht alles ersetzen lasse. Eine komplett kompostierbare Handyhülle sei etwa daran gescheitert, dass sich kein geeigneter Kleber auftreiben ließ. „Am wichtigsten ist es, das Problem zu erkennen“, sagt Denzel. Jeder kleine Schritt sei wichtig, was auch das belgische Unternehmen COO erkannt hat. Bei der Herstellung seines Linedock genannten Macbook-Docks mit Akku und Extraspeicher verzichtet die Firma auf Plastik, soweit es geht.

Austausch gewährleisten

Dentzel sieht Nachhaltigkeit in der Produktion als Trendthema, dem Unternehmen nicht aus dem Weg gehen können. Allerdings lässt sich nur schwer auf den ersten Blick erkennen, wie viel Mühe sich Firmen dabei geben, ihre Produkte umweltschonend herzustellen. Einheitliche Siegel zur Orientierung gibt es nicht. Aber wenn Verzicht keine Option ist, was können Verbraucher dann tun? Zum einen langlebige Produkte nutzen, sagt Bitkom-Mann Klöß. „Wenn jemand viel Wert auf Nachhaltigkeit legt, muss er sich vielleicht von dem Gedanken verabschieden, immer das neueste Gadget zu haben.“ Das ist allerdings manchmal leichter gesagt als getan. Viele Geräte sind irgendwann veraltet oder mangels Software-Updates unsicher. Bei Smartphones lohnt daher der Blick auf die Updatepolitik der Hersteller. Apples iPhones erhalten in der Regel für mindestens vier Jahre frische Software, Geräte aus Googles Android-One-Programm immerhin für zwei bis drei Jahre. Bei Kopfhörern etwa halten Modelle mit Kabel vermutlich länger als Mini-Ohrstöpsel. Außerdem wichtig: Nachhaltig ist auch, was sich gut reparieren lässt. Portale wie Ifixit.com geben hier gute Orientierung. Manche Anbieter setzen bereits jetzt auf umfassende Reparierbarkeit. Der Hersteller Shiftphone aus Deutschland baut seine Smartphones beispielsweise so auf, dass Nutzer Batterien oder Displays selbst austauschen können.  


"Man muss sich vom Gedanken verabschieden, das neueste Gadget zu haben"


Orientierung bieten

Ressourcen und Haltbarkeit sind aber nur die halbe Miete. Computer, Fernseher und Smartphones haben auch nach ihrer Herstellung einen ökologischen Fußabdruck. Für ihren Betrieb ist eine riesige Infrastruktur aus Rechenzentren und Datenleitungen nötig. Auch das verbraucht eine Menge Strom. Wer hier seinen Fußabdruck verkleinern will, bezieht besser Angebote von Unternehmen, die Strom aus erneuerbaren Energien nutzen. „Es gibt schon Hersteller, die bei Ressourcenverbrauch in der Produktion oder den Lieferketten und der eigenen Stromversorgung deutlich fortschrittlicher sind als andere“, sagt Klöß. Welche das sind, verrät etwa der regelmäßig erscheinende Report „Grüner klicken“ von Greenpeace. Er bewertet Unternehmen nach ihrem Energiemix sowie ihren Plänen für mehr Energieeffizienz. Zudem gibt es einige Siegel, die etwas Orientierung geben. Zum Beispiel der Blaue Engel oder das EU-Energielabel. Auf diese Weise erhalten Verbraucher zumindest einige Informationen zum Stromverbrauch eines Gerätes. (mit Material von dpa)
  

Kurz & kompakt

Weniger shoppen und zurücksenden

Im Netz bestellen ist bequem. Aber: Derzeit wird gut jeder achte Online-Kauf zurückgeschickt, wie aus einer Studie von Bitkom Research hervorgeht. Dabei gaben 22 Prozent der Online-Shopper an, manchmal oder regelmäßig Waren in dem Wissen zu bestellen, diese wieder zurückzuschicken – etwa wenn es um Kleidung in mehreren Größen geht. Aber: 71 Prozent bündeln bewusst Bestellungen, um Lieferwege zu reduzieren.

CO2-neutraler Versand

Zu mehr Nachhaltigkeit rät auch das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ). Teillieferungen sowie unnötige Retouren sollen vermieden und möglichst umweltfreundliche Versandoption ausgewählt werden. Teils bieten Händler an, den durch Verpackung und Versand entstehenden CO2-Ausstoß zu kompensieren. Auch das Vereinbaren eines Zustelltermins mit dem Lieferdienst sei sinnvoll. Wenn der Empfänger nicht daheim ist, kann es sonst sein, dass das Paket bis zum zweiten Zustellversuch weiter unnötig herumgefahren wird.

Vor Ort einkaufen

Nicht zuletzt ist es in der Regel umweltschonender in den Geschäften vor Ort einzukaufen. Auch im stationären Handel gibt es Angebote sowie Rabattaktionen. Um Ressourcen zu schonen, lohnt sich zudem die Frage, ob der Gegenstand oder das Gerät wirklich angeschafft werden muss. (mit Material von dpa)