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Bild: IHK Köln/Nickel

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Die Resilienz wird für die Zukunft immer wichtiger Michael Sallmann von der IHK-Geschäftsstelle Oberberg

24.03.2022

Die Rahmenbedingungen für die oberbergischen Unternehmen bleiben auch 2022 fordernd – und die heimischen Betriebe sind an schwierige Situationen gewöhnt. Seit der Jahrtausendwende folgt eine Krise der nächsten:

• die Terrorattentate vom 11. September 2001 samt folgendem Irak-Krieg;
• die Banken- und daraus folgende Staatsschuldenkrise ab 2008/2009;
• die weltweite Coronapandemie seit Frühjahr 2020;
• und jetzt, seit Ende Februar, der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine.

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Immer wieder beeinträchtigen externe Ereignisse und Störungen sehr tiefgreifend die Weltwirtschaft – und damit die sehr exportstarke Wirtschaftsregion Oberberg. Dazu kommen die immer stärker sichtbaren Folgen des Klimawandels und der daraus resultierende Technologiewandel in den zentralen Bereichen Energieerzeugung und Mobilität.

Und trotz dieser massiven externen Störungen mit Folgen wie
• aus dem Takt geratenen globalen Lieferketten bis hin zu Materialknappheiten,
• stark schwankenden–und zurzeit stark steigenden Preisen – für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie,
• technologischer Herausforderungen in den Bereichen E-Mobilität und durch den Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung
• sowie jetzt aktuell Sanktionen gegen Russland haben die oberbergischen Unternehmen die genannten Krisen bislang insgesamt gut überstanden.

Sie haben schnell und flexibel auf neue Situationen reagiert, haben alternative Bezugsquellen, neue Märkte und andere Absatzkanäle gefunden und entwickelt. Sie haben investiert in innovative Produkte und verbesserte Produktionsverfahren, sie haben Coronaschutzkonzepte für Produktions- und Bürobereiche umgesetzt und damit Umsatz und Beschäftigung gesichert sowie ihre Märkte zuverlässig bedient. Die regelmäßigen Konjunkturumfragen der IHK Köln zeichnen dieses ständige Auf und Ab nach – zum Glück folgte bisher auf jedes Ab schnell ein kräftiges Auf. Dies zeigt die Stärke und die gute Wettbewerbsposition der oberbergischen Unternehmen–meist familiengeführte Mittelständler mit großer Bindung zum Standort und gleichzeitig internationalen Aktivitäten.

Trotz dieser Anpassungsfähigkeit darf die Politik die strukturellen Herausforderungen natürlich nicht vernachlässigen. Die Stärke der oberbergischen Unternehmen fußt auch auf der – bei allen Mängeln–noch immer guten Infrastruktur in unserer Region, einer sicheren Energieversorgung und vor allem den gut ausgebildeten Fachkräften. Hier ist viel zu tun, denn diese Rahmenbedingungen sind nicht mehr selbstverständlich. Digitalisierung, Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung sowie eine intensivere Berufsorientierung bleiben deshalb zentral.

Die große innere Widerstandskraft der Unternehmen in Oberberg kann uns aber zuversichtlich stimmen. Am Ende sind diese noch immer stärker aus allen Krisen hervorgegangen. Mit schnellen, flexiblen Reaktionen, guten und stabilen Kontakten zu Kunden und Lieferanten, mit Produkt- und Produktionsinnovationen und Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie mit dem Wissen und den Erfahrungen aus den in der Vergangenheit überstandenen Krisen.

Die Resilienz einzelner Menschen und von Organisationen und Unternehmen – also die psychische Widerstandskraft; die Fähigkeit, schwierige und unerwartete Situationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen–wird für die Zukunft immer wichtiger. Wohlmöglich wird eine hohe Problem-Umgangs- und Problem-Lösungs-Kompetenz sowie das Vermögendynamischer Systeme, sich erfolgreich schwerwiegenden Störungen anzupassen, eine Schlüsselkompetenz der Zukunft. Schon jetzt kann man sagen: Die Oberberger bringen dafür alles mit.

Michael Sallmann
Geschäftsführer Geschäftsstelle Oberberg der Industrie- und Handelskammer zu Köln