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Das Kulturcafé hält Erinnerungen an frühere Bewohner wach Bild: Claudia Wingens

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Neuer Weg des Gedenkens und der Kultur im Veedel Auf dem ehemaligen Grotengelände wurde eine neue Straße sowie ein Kulturcafé geschaffen

20.10.2021

Wie hält man die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte wach? Diese Frage beantwortete die Bezirksvertretung Ehrenfeld damit, dass sie den Weg und Quartiersplatz in der gerade errichteten GAG-Siedlung zwischen Subbelrather Straße und Häuschensweg auf dem ehemaligen Grotengelände nach Mathilde Herz, einem Opfer des NS-Staates benannt hat.

In der Nachbarschaft

Mit ihrem Mann Albert ließ sich Mathilde Herz im Jahr 1910 in einem kleinen Wohnhaus im Häuschensweg 18 nieder. Dort lebte die jüdische Familie mit ihren drei Kindern vom Metall- und Kleinviehhandel und war in der Bickendorfer Bürgerschaft angesehen. Im Jahr 1933 kam es zum ersten Boykott jüdischer Geschäfte und das Leben gestaltete sich zunehmend schwieriger – auch für die Familie Herz. Im September 1938 fasste der 24-jährige Sohn Benno Herz wie viele andere den Entschluss, in die USA auszuwandern. Er überlebte als einziger der Familie den Holocaust. Im Oktober 1941 erhielten die Bewohner des später als „Herzhäuschen“ in Bickendorf bekannten Wohnhauses die Aufforderung, sich vor dem Lager „Messe“ in Köln-Deutz einzufinden. Sie wurden mit einer Vielzahl anderer jüdischer Kölner deportiert und umgebracht.

Lebendige Geschichte

Im Verlauf der Jahrzehnte hatte die Bausubstanz des ehemaligen Hauses der Familie Herz so stark gelitten, dass sich die GAG bei ihren Neubauplänen für das Gelände dazu entschied, das Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Dabei wurden auf der Giebelseite Originalsteine des alten Gebäudes verwendet. Schon in der Planungsphase setzten sich die „Künstler für Bickendorf“ und der IG Kulturpfad Bickendorf für eine ungewöhnliche Nutzung des neu errichteten Herzhäuschens ein, die von der Bauherrin schließlich aufgegriffen wurde. Daher wurde das Gebäude nicht als Wohnhaus, sondern als Ort des Erinnerns und der Begegnung gestaltet. So eröffnete vor Kurzem ein Kulturcafé für das Veedel mit Namen „Herzhäuschen“. Dort soll nun an einem geschichtsträchtigen Ort im Viertel Genusskultur mit Erinnerungskultur verbunden werden. Dafür sind vielfältige Angebote wie Live-Musik, Lesungen und Vorträge geplant. Eine Installation im Haus erinnert an die wechselvolle Vergangenheit des Gebäudes. An die ermordeten ehemaligen Bewohner erinnern die Stolpersteine im Boden vor dem Haus und eine Wandtafel des Kulturpfades informiert über die Geschichte.