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Tanz auf dem Vulkan: Musik der 20er-Jahre mit Angela Denoke

Angela Denoke

Die Reichshauptstadt ist im Herbst 1928 herausgeputzt wie eine Primadonna: Berlin strahlt von aber tausenden Glühbirnen. Alle Wahrzeichen der Stadt werden am Abend und auch in der Nacht in flimmerndes Licht getaucht. Leuchtreklamen blinken an den Kaufhäusern am Potsdamer Platz, es glitzert in den Geschäften entlang des Kurfürstendamms. Eine Woche lang steht die Stadt unter Hochspannung. „Berlin im Licht“ nennt sich das Spektakel, das auch von Bertolt Brecht und Kurt Weill gebührend gefeiert wird, nur wenige Wochen nach der Uraufführung ihres durchschlagenden Theatererfolgs mit der „Dreigroschenoper“. Als musikalische Liebeserklärung an die Stadt unter Strom schreiben sie den Song „Berlin im Licht“ und huldigten damit einer Metropole, die damals auch kulturell in einem gleißenden Licht erstrahlte. Auch das politische Kabarett strotzte nur so von künstlerischer Potenz und dafür verantwortlich war eine junge Generation herausragender Literaten und Komponisten, die sich nach dem ersten Weltkrieg in Berlin zusammenfanden. Dichter wie Walter Mehring, Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky. Komponisten wie Friedrich Hollaender, Werner Richard Heymann und Mischa Spoliansky. In diese vergnügungssüchtige, fl irrende Zeit der Zwanzigerjahre taucht die Sopranistin Angela Denoke ein, die auf große Erfolge als Sängerin an der New Yorker Met ebenso wie an der Wiener Staatsoper und an der Opéra national de Paris zurückblicken kann. Mit einer kleinen Band, Tal Balshai am Klavier, dem Klarinettisten Norbert Nagel und am Violoncello Tim Park, beschwört sie den lebenshungrigen Tanz, der nicht nur auf dem Vulkan, sondern schließlich auch am Abgrund stattfand. Zur facettenreichen Programmfolge trägt der Schauspieler Uwe Kraus vom Staatstheater Wiesbaden bei. Er wird zeitbezogene Gedichte, unter anderem von Erich Kästner, rezitieren und dadurch das musikalische Programm erweitern, in dem Angela Denoke auch ein Lied von 1926 präsentieren wird, für das Friedrich Hollaender sowohl den Text als auch die Musik schrieb. „Raus mit den Männern aus dem Reichstag, raus mit den Männern aus dem Herrenbau, und rein in die Dinger mit der Frau!“, heißt es da und Hollaender ließ zum ersten Mal das noch zarte Pflänzchen der Frauenemanzipation in einem Chanson aufblühen. Der Konzertabend lässt die überhitzte Stimmung in den Jahren der Weimarer Republik fühlbar werden, in denen die Menschen von Freiheit träumten und in die Ernüchterung taumelten. Jürgen Gauert

22.05.2019
Mittwoch 20:00

Angela Denoke Sopran
Tal Balshai Klavier, Arrangement
Norbert Nagel Blasinstrumente
Tim Park Violoncello
Catherine Janke Rezitation
Reinhard Bichsel Bühne / Lich

Werke von Kurt Weill, Walter Kollo, Erich Kästner, Werner Richard Heymann Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Kurt Tucholsky, Mischa Spoliansky, Friedrich Schwarz, Milton Ager, Friedrich Hollaender

€ 35,– 30,– 25,– 20,– 15,– 10,–
Divertimento 5
Philharmonie für Einsteiger 5

Russische Geschichten mit Wiener Klang

Die Wiener Philharmoniker mit Yefim Bronfman und Tugan Sokhiev

Tugan Sokhiev
Tugan Sokhiev
Die Qualität des Orchesters ist sprichwörtlich, sein Klang legendär, sogar eine Goldmünze ist nach ihm benannt: Für viele sind die Wiener Philharmoniker der Inbegriff der klassischen Musik. In schöner Regelmäßigkeit kann man die Wiener auch am Rhein erleben, sie bezaubern das Kölner Publikum in diesem Mai mit russischen Repertoire-Leckerbissen von Prokofjew und Tschaikowsky. Bewusst verzichten die Wiener Philharmoniker auf einen Chef-Dirigenten und bewahren sich dadurch Freiheit und Flexibilität. Mit einigen Dirigenten pflegen sie aber eine besonders intensive und regelmäßige Zusammenarbeit. Genau zehn Jahre ist es her, seit sie zum ersten Mal unter dem jungen russischen Pultstar Tugan Sokhiev gespielt haben, der als Musikdirektor des Bolschoi-Theaters in Moskau wirkt und mit seinem eleganten, tänzerischen Dirigat die Spielfreude der Musiker anstachelt. Als sehr beflügelnd erwies sich die Zusammenarbeit mit den Wienern, für beide Seiten – man kann es hören, wenn die Chemie stimmt.

Der Maestro aus dem Kaukasus hat eine Vorliebe für Prokofjew: „In Prokofjews Musik ist immer ein sarkastischer Unterton, der mir sehr gefällt. Seine Fähigkeit, die musikalischen Charaktere und die Atmosphäre über den Rhythmus zu gestalten, ist unglaublich“, sagt Tugan Sokhiev. Das zweite Klavierkonzert des Komponisten vereint expressionistische und romantische, traditionelle und experimentelle Elemente und verlangt dem Solisten einen sportlichen Kampfgeist ab. Yefim Bronfman, einer der bedeutendsten Klaviervirtuosen unserer Zeit, bewältigt das mit stoischer Ruhe. Über den US-amerikanischen Pianisten usbekischer Herkunft gerät Sokhiev ins Schwärmen: „Er sitzt einfach da, bewegt sich kaum, und die Musik kommt aus dem Flügel, großartig und jedes Mal innovativ.“ In der zweiten Konzerthälfte ist dann Zeit für große russische Sinfonik: Tschaikowskys fünfte Sinfonie, seine „Schicksalssinfonie“, trieb den selbstkritischen Komponisten in quälende Zweifel, gleichzeitig empfand er aber auch eine „Inspiration von oben“. Tschaikowsky bezeichnete das satzübergreifende Thema, das er für seine Fünfte schuf, als „vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal“. Tugan Sokhiev ist überzeugt: „Für diese Musik braucht man einen sehr tiefgründigen, sehr satten und kraftvollen Klang, denn sie funktioniert nicht, wenn man nur an der Oberfläche kratzt.“ Mit samtigem Streicherklang und klar artikulierenden Bläsern sind die Wiener Philharmoniker hier in ihrem Element. Dorle Ellmers

24.05.2019
Freitag 20:00

Yefim Bronfman Klavier
Wiener Philharmoniker
Tugan Sokhiev Dirigent

Sergej Prokofjew
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2
g-Moll op. 16 (1912–13; rev. 1923)

Peter Iljitsch Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 ČS 26 (1888)

€ 147,– 126,– 105,– 72,– 42,– 25,– | Z: € 90,–

Internationale Orchester 6
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Die WDR 3 Funkhauskonzerte

Musik der 20er-Jahre mit Angela Denoke Image 1
Ob Schubert-Lieder im Folk-Style, ein Streichquartett in Kombination mit einem Poetry-Slammer oder ganz einfach Kammermusik auf höchstem Niveau: An jedem ersten Mittwoch des Monats bieten die WDR 3 Funkhauskonzerte ab 19 Uhr für eine gute Stunde hochkarätige musikalische Erlebnisse. Präsentiert werden die Programme im kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses von den WDR 3-ModeratorInnen Claudia Belemann und Johannes Zink. Am 5. Juni treffen Sie auf die israelische Pianistin Yaara Tal und ihren deutschen Partner Andreas Groethuysen, die eines der weltweit führenden Klavierduos bilden.

Karten erhältlich über KölnTicket 0221-2801.

Nähere Informationen unter www.wdr3.de oder das WDR 3 Hörertelefon unter 0221-56789333.

Organa: Grenzgänge für Orgel und Stimme aus 800 Jahren

Iveta Apkalna
Iveta Apkalna

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