Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Specials: NRW

Anzeigen
ANZEIGE

Der Klang des Universums: Gustav Mahlers 3. Sinfonie mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest und Lahav Shani

Lahav Shani

Wenigstens einmal im Leben sollte man diese Sinfonie live erleben. Und das nicht nur wegen ihrer Monumentalität: Gustav Mahlers 3. Sinfonie ist mit über 90 Minuten und sechs Sätzen eine der längsten, ihre Besetzungsanforderungen sind immens: ein Knabenchor, ein Frauenchor und eine Gesangssolistin werden zusätzlich zum groß besetzten Orchester verlangt, hinzu kommen ein Fernorchester mit Posthorn und sechs in der Höhe postierte Glocken. „Meine Sinfonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat!“, schrieb Mahler während er komponierte. „Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme und erzählt so tief Geheimes, das man vielleicht im Traum ahnt!“ In einer fulminanten Steigerung schreitet Mahler dabei ein hoch gestecktes Programm ab: Vom unbelebten Felsengebirge über die Blumen, die Tiere und den Menschen gelangt er zu Engelsgesängen und schließlich zur göttlichen Liebe. An musikalischer Vielfalt und Klangsinnlichkeit lässt sich dieses kosmologische Konzept dann auch kaum mehr überbieten. Zuckersüße Romantik steht neben Marschmusik, naive Idyllen neben grotesk Skurrilem, Naturlaute neben ätherischen Chören und Dissonanzen, unbekümmert Heiteres oder Triviales neben tief empfundener Sehnsucht. Das lange Schluss-Adagio ist vielleicht die schönste Musik, die Mahler geschrieben hat. Präsentiert wird dieses riesenhafte Werk in Köln vom Rotterdams Philharmonisch Orkest unter der Leitung von Lahav Shani. Der 1989 in Tel Aviv geborene Dirigent und Pianist ist seit letztem Herbst Chefdirigent des international renommierten Orchesters aus den Niederlanden. Hier schätzte er von Anfang an „die Chemie … vor allem zwischenmenschlich. Daraus schöpfe ich viel Inspiration.“ Der Umgangston und der Humor stimmten, die gemeinsamen Zielsetzungen auch: „Von der ersten Minute an war klar, dass wir das gleiche wollen, was Klang, Timing, Empfindung und Stil betrifft. Dann sind die Möglichkeiten endlos.“ Seinem Orchester bescheinigt er einen „fantastischen Zustand“ und stellt in seiner Arbeit Vertrauen über Kontrolle. Lahav Shanis Karriere nahm Fahrt auf, als er 2013 in Bamberg den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb gewann, ab nächstem Jahr übernimmt er auch die Künstlerische Leitung des Israel Philharmonic Orchestras. Vor großen Aufgaben oder großen Sinfonien ist ihm also nicht Bange, es sei letztlich alles nur eine Frage der Planung, so Shani. Entlastend mag da vielleicht auch Mahlers Einschätzung seiner Dritten gewirkt haben. „Dass ich sie Symphonie nenne, ist eigentlich unzutreffend, denn in nichts hält sie sich an die herkömmliche Form. Aber Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.“ Oft sei man dabei „selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt.“ Tilman Fischer

02.06.2019
Sonntag 20:00

Violeta Urmana Alt
Knabenchor der Chorakademie Dortmund
Rotterdam Symphony Chorus
Rotterdams Philharmonisch Orkest
Lahav Shani Dirigent

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 3 d-Moll (1895–96, rev. 1899)
für Alt, Frauenchor, Kinderchor und Orchester.
Texte aus „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche und „Des Knaben Wunderhorn“ von Achim von Arnim und Clemens Brentano

€ 69,– 59,– 49,– 37,– 27,– 10,– | Z: € 49,–
zurück zur Übersicht Kölner Philharmonie Spezial 05/2019
Datenschutz