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Viel Trommel und eine Trompete:

Avishai Cohen

So traumwandlerisch sicher und dabei selbstvergessen können nur die miteinander musizieren, die sich seit Jahrzehnten kennen: Zwischen Avishai Cohen (Trompete) und Yonathan Avishai (Klavier) scheint es eine Art telepathischer Verständigung zu geben, wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen. Mit wenigen Tönen umreißen die beiden israelischen Jazzmusiker eine Stimmung und stecken so den emotionalen Rahmen für die durch kunstvolle Pausen gebrochenen Improvisationen ab. Diesen mit geradezu schmerzlicher Intensität auszuloten, versteht gerade Avishai Cohen wie kaum ein anderer. Es sind weniger Töne denn Emotionen, die er seiner Trompete entringt. Musikalisches Können gerät dem 41-Jährign zum reinen Gefühl, wird unter behutsamer Unterstützung seines Freundes am Flügel zum Ausdruck von Selbstbekenntnis und Sinnsuche gleichermaßen. Avantgarde ist ihrer beide Sache nicht: Souverän bewegt sich das Duo im Kanon der etablierten Kunstform Jazz; dort, wo Duke Ellington, Ornette Coleman und John Coltrane ihre Spuren hinterlassen haben. Doch auch im Pop wildert man mit Wonne: Steve Wonders Gute-Laune-Hymne »Sir Duke« hat man so wohl noch nie hören können. Die hervorragende Akustik der Philharmonie wird zudem dazu beitragen, dass dieses fragile Tête-à-Tête zu einem ganz besonderen Hörgenuss wird. Eine Woche später wird der Bühnenraum mit allerlei Schlagwerk bevölkert sein: Das vierköpfige Ensemble Repercussion lässt nach seinem spektakulären Erfolg im letzten Jahr an gleicher Stätte mit dem Programm »BEAT#02« erneut die Filzschlegel kreisen. Wo sonst die Familie der Schlaginstrumente ein vergleichsweise stiefmütterliches Dasein fristen muss, hier darf sie endlich einmal ihre Stimme in eigener Sache erheben, und wie: Die Herren Wippermann, Sars, Bernstein und Kloeters, sonst allesamt Orchestermusiker, wirbeln mit einer Rasanz über Vibraphon, Marimba und vielen anderen Mallets herum, dass es auch optisch eine reine Freude ist. Zudem hat sich das Quartett mit Max Kotzmann einen veritablen Metal-Drummer an die Seite geholt, der dem ambitionierten Fest der Perkussion, vor allem im zentralen Stück des Abends, »Go Between«, noch einen kräftigeren Anstrich geben dürfte. Bei aller zu erwartenden Vehemenz wird jedoch die musikalische Tiefe eines klassischen Konzerts nicht aufgegeben, im Gegenteil: Der Einsatz von Elektronik, Tape, Echtzeit-Delays und Subbässen verleiht dem Ganzen zwar einen zeitgemäßen Touch, führt jedoch nie zur Dominanz billiger Effekthascherei. Mit einem Wort: So viel Trommel war selten. Tom Fuchs

12.12.2019
Donnerstag 20:00

Avishai Cohen tp
Yonathan Avishai p

€ 27,–

19.12.2019
Donnerstag 20:00

Repercussion
Johannes Wippermann Schlagzeug
Rafael Sars Schlagzeug
Simon Bernstein Schlagzeug
Veith Kloeters Schlagzeug

Matthias Nowak Bass
Max Kotzmann Drums

Beat#02
Mit Werken von u.a.: Thierry De Mey,
Rüdiger Pawassar, John Psathas
Nebojsa Jovan Zivkovic, Arvo Pärt
Keiko Abe, Ruud Wiener

€ 27,–
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Karibisches Temperament

Roberto Fonseca und das Metropole Orkest

Roberto Fonseca
Roberto Fonseca
Havanna, Neujahrsnacht 1958, im Palast des gerade gestürzten Präsidenten Batista. »Ich weiß, dass du es warst, Fredo, und es bricht mir das Herz«, raunt Mafiaboss Michael Corleone seinem nun todgeweihten Bruder in dem epochalen Film »Der Pate – Teil II« zu. Der brüderliche Verrat wird untermalt mit »heißen kubanischen Rhythmen«, wie man allzu leichtfertig versucht ist zu formulieren. Wohl kaum ein anderes Land scheint mit musikalischen Klischees so behaftet wie die karibische Zuckerrohrinsel. Feurige Tänzer mit viel Chichi an nackten Oberarmen; dröhnende Bongos, stechende Trompeten und der Mojito an der Bar fließt in Strömen. So oder so ähnlich stellt sich der Europäer das bunte Treiben auf Kuba vor. Gut 60 Jahre nach der denkwürdigen Szene in Havanna kommt zu Jahresbeginn mit dem Pianisten Roberto Fonseca ein Musiker nach Köln, der sich gewiss nicht dieses Bild vom rhythmisch aufgeheizten Karibikanrainer zueigen machen möchte. Nach dem Tod von Rubén González hat der heute 44-Jährige den verwaisten Klavierhocker im legendären Buena Vista Social Club eingenommen und dabei geholfen, die Renaissance kubanischer Musik einzuleiten. Und blieb der Tradition verpflichtet. Die Latin Jazz-Exkursionen seines Landsmanns Gonzalo Rubalcaba oder die missionarisch anmutende World-Music-Attitüde von Omar Sosa sind ihm völlig fremd. Fonsecas Wurzeln liegen eindeutig in kubanischer Folklore, deren Spielarten er meisterhaft beherrscht. Was sofort auffällt, sind die vielen kleinen exotisch anmutenden Klangfarben, die Fonseca seinem Spiel hinzufügt. Da mischt sich mitunter ein orientalisch angehauchten Sound in den musikalischen Fluss, den man von einem Vertreter traditioneller kubanische Musik nicht unbedingt erwarten würde. Unterstützt wird Fonseca dabei von dem niederländischen Metropole Orkest. Die auf den ersten Blick eher unwahrscheinliche Liaison zwischen karibischem Temperament und mitteleuropäischem Understatement wird sicher gelingen, gilt doch der Klangkörper aus Hilversum seit Jahrzehnten als offen für neue, fremde musikalische Impulse. Tom Fuchs

01.01.2020
Mittwoch 20:00/ Neujahr

Neujahrskonzert

Roberto Fonseca p

Metropole Orkest
Jules Buckley Dirigent

Medienpartner: Jazz thing

€ 49,– 44,– 40,– 29,– 21,– 10,– | Z: € 40,–
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African Angels

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Wenn die African Angels, 18 Sängerinnen und Sänger des renommierten Cape Town Opera Chorus, in farbenfroh leuchtenden Gewändern mit ihrer ganzen stimmlichen Kraft afrikanische Traditionals oder Gospelsongs wie „Oh Happy Day“ anstimmen, dann kann man gar nicht anders als mitzuwippen und sich ganz dem himmlischen Klang eines der besten Chöre der Welt hinzugeben. Nach ihrem ausverkauften Konzert vor zwei Jahren darf sich das Publikum am 29. Dezember 2019 in der Kölner Philharmonie auf ein neues Programm der African Angels freuen, das mit dem Besten aus African Traditionals, Gospel und Oper die Seele Afrikas voller Lebensfreude zum Klingen bringt.

29.12.2019
Sonntag 15:00 und 19:00

African Angels - Cape Town Opera Chorus

€ 67,– 58,– 53,– 44,–, 39,50, 23,–
  
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