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Ansprüche im Erbfall: Was bei der Berechnung des Pflichtteils beachtet werden sollte, weiß ein Fachanwalt

Geschwister gehören nicht zu den Berechtigten, Kindern steht hingegen ein Pflichtteil zu Bild: deagreez/stock.adobe.com

Wer von einem nahen Angehörigen per Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wurde, hat einen Anspruch auf den Pflichtteil. Auch jahrelanger Kontaktabbruch lässt diesen nicht entfallen.

Güterstand entscheidend

Pflichtteilsberechtigt sind die Kinder des Erblassers, dessen Ehegatte und die Eltern. Entgegen weitläufiger Meinung trifft es auf Geschwister nicht zu. Es handelt sich um einen reinen Zahlungsanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs. Der Berechtigte kommt also nicht in das Grundbuch, wenn eine Immobilie in den Nachlass fällt, sondern erhält nur Geld. Für die Höhe kommt es zum einen auf die Anzahl der lebenden Kinder und auf den Güterstand an, in dem die Eheleute leben. Beispiel: A und B leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft und haben sich wechselseitig zu Erben nach dem Tod des ersten Ehegatten bestimmt. Haben beide keine Kinder und leben die Eltern noch, haben diese einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/8. Sind zwei Kinder vorhanden, haben die Eltern keinen Anspruch und die Kinder erhalten jeweils 1/8. Setzt A die Kinder zum Erben ein, erhält B ebenfalls 1/8 und zusätzlich den Zugewinn.

Auskunft geben

Zur Durchsetzung des Pflichtteils steht dem Berechtigten zunächst ein Auskunftsanspruch zu. Der Erbe ist verpflichtet, ein Nachlassverzeichnis vorzulegen und muss auf Wunsch und auf seine Kosten bestimmte in den Nachlass gefallene Werte ermitteln lassen. So hat er ein Sachverständigengutachten zu jeder Immobilie vorzulegen. Selbst, wenn die Immobilie zuvor auf andere Angehörige übertragen wurde. Beispiel: A hat zwei Kinder und 2012 sein Einfamilienhaus an die Tochter T übertragen und diese zur Alleinerbin eingesetzt. A verstirbt 2017. Verlangt der Sohn seinen Pflichtteil, muss T ein Sachverständigengutachten vorlegen, das den Wert des Hauses zum Tag der Übertragung und zum Todestag ermittelt. Der Wert der verschenkten Immobilie wird ebenso berücksichtigt. Dabei gelten aber besondere Maßstäbe.

"Der Berechtigte erhält nur Geld, aber keine Immobilie"

Besonderheiten beim Notar

Das Nachlassverzeichnis kann von einem Notar erstellt werden. Die Anforderungen der Rechtsprechung an ein solches notarielles Verzeichnis haben sich in den letzten Jahren erheblich verschärft. Der Notar muss danach den Nachlass sichten, Banken anschreiben, Kontoauszüge der letzten zehn Jahre einsehen und mehr. Bei der Errichtung des Verzeichnisses darf der Pflichtteilsberechtigte zudem persönlich anwesend sein.

Gesetzlicher Zinssatz

Nach der Auskunftserteilung muss der Pflichtteilsberechtigte den Anspruch berechnen und dem Erben gegenüber beziffern. Der Pflichtteil ist dabei mit dem gesetzlichen Zinssatz zu verzinsen. Um den zutreffenden Betrag zu erhalten, sollte mit der Geltendmachung des Anspruchs ein Fachanwalt für Erbrecht beauftragt werden. Dieser prüft, ob die Geltendmachung sinnvoll oder möglich ist, überwacht die ordnungsgemäße Auskunftserteilung und berechnet den Anspruch. Der Pflichtteil muss innerhalb von drei Jahren geltend gemacht werden. Diese Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem der Erblasser verstorben ist und der Pflichtteilsberechtigte Kenntnis davon erlangt hat. Beispiel: E stirbt am 12.12.2018, Sohn T erfährt es durch Mitteilung des Nachlassgerichts am 26.01.2019. Verjährung tritt am 31.12.2022 ein. Wichtig ist aber, nicht zu lange zu warten. Die Verjährung wird nicht durch bloße Geltendmachung verhindert, sondern regelmäßig nur durch Klageerhebung.

Ralf Alexander Muhs
Fachanwalt für Erbrecht
Jurapartner Rechtsanwälte Fachanwälte
Die Kölner Erbrechtskanzlei

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