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Bild: tostphoto/stock.adobe.com

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Ideenwerk zur Zukunft des innerstädtischen Warentransports Die Logistikbranche steht vor großen Herausforderungen

19.10.2021

Bei einer hybriden Veranstaltung der KölnBusiness Wirtschaftsförderung in Neuehrenfeld diskutierten Fachleute und Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter über die Zukunft des Warentransports in den Städten. Technische Lösungen gibt es, aber für die Umsetzung müssen alle zusammenarbeiten: Unternehmen, Politik und Verwaltung. Ein ganzer Tag voller Ideen: Im Wandelwerk in Neuehrenfeld war geballte Logistik-Kompetenz am Start. Das spiegelt wider, was KölnBusiness-Geschäftsführer Dr. Manfred Janssen in seiner Begrüßung feststellte: „Wir haben hier eine extrem leistungsfähige Logistikbranche.“ Diese stehe aber vor großen Herausforderungen.

Mehr Effizienz durch E-Mobilität

Christian Kühnhold schilderte die Entwicklung seines Unternehmens EcoCarrier, das für die „letzte Meile“, also die Belieferung der Endkundinnen und Endkunden oder des Einzelhandels, ganz auf das E-Lastenrad setzt. Dafür wurde eigens ein Rad entwickelt, das fürs Format einer ganzen Europalette ausgelegt, dank Neigetechnik gut fahrbar und bis zu zehn Stunden am Tag zuverlässig einsetzbar sei. EcoCarrier kalkuliert mit einem maximalen Radius von drei Kilometern für ein Lastenrad. Da geht die NewWeys Logistics GmbH ein ganzes Stück weiter. „Bis fünf oder sogar fünfeinhalb Kilometer sind möglich“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wey. Bis zu 70 Kilometer schaffe ein Lastenrad pro Schicht. NewWeys liefert damit schon unter anderem Bürobedarf und Elektrogeräte aus, beginnt aber auch mit Textiltransporten etwa zwischen Wäschereien und Hotels. Die bisherigen Erfahrungen haben eine wichtige Erkenntnis gebracht: Das Vorurteil, dass viele Produkte mit dem Lastenrad nicht bewegt werden könnten, sei falsch. „50 bis 60 Prozent aller Artikel sind damit lieferbar“, sagt Jürgen Wey. Wo das Schwerlast-E-Bike an seine Grenzen stößt, kommen dann eben E-Scooter zum Einsatz oder schließlich E-PKW und –Transporter.


"Wir haben hier eine extrem leistungsfähige Logistikbranche"


Strom statt Diesel

Große LKW werden zumindest auf den längeren Stecken außerhalb der Innenstädte, aber auch stellenweise für die Anlieferung bei Großabnehmern in der City, auch in Zukunft noch die effizienteste Lösung sein. Aber alle Logistik-Expertinnen und Experten im Wandelwerk schienen einig: Der Diesel sollte möglichst bald verschwinden. Deutlich wurde allerdings auch, dass hier noch großer Nachholbedarf bei Technik und Kosten besteht. „Wir müssen für einen Elektro-Testlauf einen MAN-Lastwagen in den Niederlanden komplett umrüsten lassen, am Ende ist der drei Mal so teuer wie ein herkömmlicher Diesel-LKW“, berichtete Harald Klöckner, General Manager Retail Distribution bei DSV. Das Transportunternehmen liefert allein an die dm-Märkte in Deutschland täglich 10.000 Paletten mit Ware. Die Erfahrungen mit dem E-LKW waren trotz hoher Kosten und geringer Reichweite sehr positiv: Niedrige Wartungskosten, geringer Bremsenverschleiß – und der Fahrer des Testfahrzeugs will gar kein anderes mehr fahren. Auch weil die Rückmeldungen von Kunden oder Passanten so positiv waren. Im nächsten Jahr will DSV an seinem rheinischen Standort drei weitere E-LKW einsetzen.

Projekte mit Potenzial

Ein Fazit der Veranstaltung war klar: Nur integrierte Logistikkonzepte werden zukunftsfähig sein. Konzepte also, die einerseits die verschiedenen Verkehrsträger optimal einsetzen, die andererseits aber auch Stadtplanung und Architektur einbeziehen, die außerdem soziale, kulturelle und auch ästhetische Bedürfnisse erfüllen. Projekte wie Cityhubs und Mikrodepots fänden nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn sie multifunktional seien, sagte Alexander Hund vom Projektentwickler DFI. Ein markantes Beispiel dafür sind Dachflächen. Die könnten begrünt, als Urban-Gardening-Flächen verwendet, in Teilen aber auch für Photovoltaik genutzt werden, die wiederum Ladestationen für E-Fahrzeuge füttern könnten – einschließlich der E-Bikes von Anwohnerinnen und Anwohnern.