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Carsten Berg, stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung Bild: IHK Köln

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„Gute Perspektiven“ Carsten Berg, stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK zu Köln, gibt eine Einschätzung zur regionalen Ausbildungslage

27.01.2021

Wie ist die derzeitige Situation auf dem Ausbildungsmarkt?

Carsten Berg: Die Corona-Pandemie ist auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Im vergangenen Jahr hat es einen deutlichen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen gegeben. Allein im Oberbergischen Kreis ging die Zahl der Neuverträge um 193 zurück. Im gesamten Bezirk der IHK Köln wurden sogar 1.220 Ausbildungsverhältnisse weniger zur Eintragung gebracht als noch in 2019. Dennoch stellen wir fest, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Branchen gibt. Dort, wo wegen der Pandemie der Geschäftsbetrieb zurückgefahren wird, werden auch Ausbildungskapazitäten zurückgefahren. Aber wir konnten im vergangenen Jahr feststellen, dass überall dort, wo erste Lockerungen einen Geschäftsbetrieb wieder möglich machten, schnell wieder das Thema Ausbildung Priorität erlangte. In vielen Bereichen gibt es sogar durchaus gute Perspektiven auf eine Lehrstelle. Wer zum Beispiel eine Ausbildung im Transport- oder Logistikbereich oder im Informatiksektor anstrebt, hat gute Chancen, schnell passende Angebote zu finden. Hingegen ist eine Lehre im Hotelbereich oder gar der Veranstaltungsbranche momentan nicht so leicht zu finden.

Otto Fuchs KG

Wie begründet sich diese Lage?

Berg: Unbenommen von der aktuellen Situation haben viele Unternehmen bereits vor der Corona-Pandemie beklagt, dass sich die Zahl der Bewerbungen nicht mit dem betrieblichen Ausbildungsangebot deckt. Es gab tendenziell mehr offene Plätze als qualifizierte Bewerber. Diese Situation hat sich durch Corona nochmal verschärft. Es bestand vielfach der Eindruck, dass das Ausbildungsjahr 2020 durch Corona „verloren“ sei und sich Bewerbungen gar nicht erst lohnen. Viele Schüler haben aufgrund der Unsicherheiten daher anderen Optionen den Vorzug gegeben, etwa dem Besuch einer weiterführenden Schule. Unternehmen informieren und akquirieren Bewerber oft über Schulkooperationen, Praktikumsangebote oder Messen. Jedoch sind mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 die bekannten und etablierten Berufsorientierungs- und Beratungsangebote von jetzt auf gleich weggefallen. Bewerberbörsen, Azubi-Speed-Datings oder Berufsmessen konnten nicht wie gewohnt stattfinden. Aufgrund der Schulschließungen konnten sowohl die Berufsberater der Kammern als auch die Beratungskräfte der Agentur für Arbeit Schüler in der Phase des Übergangs von der Schule in den Beruf nicht unterstützen. Auch Praktikumsangebote sind vielfach der Pandemie zum Opfer gefallen. Die Schüler konnten sich also nicht wie üblich über Ausbildungs- und Karrierewege in der regionalen Wirtschaft informieren. In der Folge haben offene Stellen und Bewerber nicht richtig zueinander gefunden.

Die IHK-Geschäftsstelle in Oberberg Bild: IHK Köln
Die IHK-Geschäftsstelle in Oberberg Bild: IHK Köln

Was empfehlen Sie jungen Menschen?

Berg: Auf jeden Fall lohnt es, sich bei den Unternehmen zu informieren, welche Angebote für Ausbildungsstellen oder Praktika es dort gibt. Auch in Zeiten von Lockdowns wird in vielen Unternehmen weiter ausgebildet, sodass sich Bewerbungen lohnen. Die Ausbildungsvermittlung der IHK Köln sowie die Agentur für Arbeit kennen die regionalen Angebote und unterstützen die jungen Menschen bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz. Daher sollte der Kontakt zu diesen Beratungsstellen möglichst frühzeitig aufgenommen werden.