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Gähnende Leere in der Bonner Innenstadt – auch die Gastronomie befindet sich seit Monaten im Lockdown Bild: Henning Wiekhorst - stock.adobe.com

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„Die Innenstädte bald wieder mit Leben füllen“ Als Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg schildert Dr. Hubertus Hille die aktuelle Situation in der Region

25.03.2021

Wie beschreiben Sie die derzeitige Lage in der Region?

DR. HUBERTUS HILLE: Wir stellen eine ziemlich klare Zweiteilung in der konjunkturellen Situation unserer Mitglieder fest. Auf der einen Seite haben wir jene Mitglieder, die von der Pandemie stark bis existenzgefährdend betroffen sind. Das sind die Unternehmen im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Hotellerie, im Messewesen oder bei vielen personenbezogenen Dienstleistungen wie Fitnessstudios. Wir haben jetzt seit vier Monaten einen Lockdown und die Politik redet nun schon von einem dritten. Da ist die Stimmung in diesen Branchen im Keller und die Situation wird als ganz, ganz bitter empfunden.

Gibt es auch eine positive Seite?

DR. HILLE: Natürlich haben wir auch andere Unternehmen in unseren Reihen, die durchaus solides Geschäft haben. Dazu gehören Betriebe unter anderem aus der IT-Branche. Diese profitieren von der derzeitigen Situation, weil die Digitalisierung einen enormen Schub erfahren hat. Denn alle Welt hat ja in den vergangenen Monaten in neue Hard- oder Software investiert, um zum Beispiel virtuelle Meetings stattfinden zu lassen. Wir haben auch die klassische Maschinenbau-Industrie, deren Situation Anfang 2019 unabhängig von der Pandemie nicht so rosig aussah. Dieser bereitete damals das Thema Ökologie und Kunststoff einige Sorgen. Das hat sich nun ein stückweit gelöst, sodass die Firmen wieder Aufträge aus dem Ausland bekommen, wenn die Lieferketten wegen Corona nicht unterbrochen sind. Somit sind die Auftragsbücher besser gefüllt als vor einem Jahr zu Beginn der Pandemie. Ebenso erfreuen sich einige unternehmensbezogene Dienstleister wie die Steuerberatungen eines großen Zuspruchs. Denn über sie laufen die Anträge für die staatlichen Hilfen. So berichten uns viele unserer Mitglieder, dass sie zwar um die Corona-Gefahr wissen und dies auch im privaten Bereich merken, aber davon im Geschäft nahezu nicht tangiert werden. So haben wir eine starke Spreizung in der Betroffenheit, die wir auch in unseren regelmäßigen Konjunkturumfragen so noch nie erlebt haben.


Bild: Barbara Frommann
Bild: Barbara Frommann

DR. HUBERTUS HILLE ist seit 2012 Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Vorher war er Geschäftsführer des Bereichs Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung der IHK Frankfurt am Main. Hille studierte Volkswirtschaftslehre in Bonn und Canterbury.


Welche Wege gehen Sie mit Ihren Mitgliedern, um der Krise zu begegnen?

DR. HILLE: Zum einen bieten die Industrie- und Handelskammern eine ganze Reihe von Informationsdienstleistungen an. Wir sind so etwas wie der Informationsbroker zwischen unseren Mitgliedern und der Bundes- oder Landesregierung. Da ist es unsere vornehmliche Pflicht über die aufgesetzten Unterstützungsprogramme zu berichten. Wir haben spezielle Hotlines geschaltet, im Social-Media- Bereich Informationskaskaden erstellt und versucht über die Internetseite alles Wissenswerte aufzubereiten. Damit möchten wir es unseren Mitgliedern möglichst leicht machen, sich auf den aktuellen Stand zu bringen. Diese Angebote werden sehr stark nachgefragt. So hatten wir ein enormes Anrufvolumen im vergangenen Jahr zu bewältigen. Das ist nach dem ersten Lockdown etwas abgeflaut, kam beim zweiten aber wieder. Denn mit den Novemberund Dezemberhilfen stieg der Beratungsbedarf erneut an. Doch wir konnten dabei nur Grundlegendes klären. Denn sobald es in die Tiefe geht, muss der Steuerberater mit an Bord, da er schlussendlich auch die Anträge stellt. Darüber hinaus haben wir über Webinare die Unternehmen informiert, was man machen kann, wenn die Finanzierung ins Wanken gerät, weil die Banken mit dem Kreditrahmen nicht mehr weitergehen wollen. Wir beobachten auch, dass zunehmend das Thema Insolvenz auf die Tagesordnung kommt. Denn derzeit ist ja noch die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt, weil die Politik bei den Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, nicht den schnellen Tod herbeiführen möchten. Das birgt aber die Gefahr, dass Unternehmen noch Geschäfte tätigen, die eigentlich nicht mehr marktfähig sind. So werden gesunde Betriebe möglicherweise angesteckt. Denn liefert beispielsweise eine Firma nicht die versprochenen Waren, die eine andere aber bereits bezahlt hat, gerät der geprellte Betrieb dadurch vielleicht in Bedrängnis. Solche Themen werden jetzt zunehmend wichtig werden – ebenso wie die Frage, wie man damit umgehen soll.  


"In einigen Branchen ist die Stimmung im Keller"


Was zählt noch zu Ihren Aufgaben?

DR. HILLE: Zum anderen sind wir auch in der Politikberatung unterwegs. Denn die IHKs haben eine Verpflichtung gegenüber dem Bund, dem Land und der Region, auf die Dramatik der Situation ihrer Mitglieder aufmerksam zu machen. So haben wir bei dem ständigen Hin und Her bei den Inzidenzwerten klar signalisiert, dass bei einer restriktiven Umsetzung der immer niedriger vorgesehenen Werte nachher keine Unternehmen mehr da sind, die gerettet werden können. Nun redet aktuell alle Welt vom Testen. Wir als IHK unterstützen, dass Testungen auch in Unternehmen stattfinden können. Hauptsache man findet die Infektiösen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. In unserer neuesten Resolution haben wir signalisiert, dass sich unsere Mitglieder sowohl an den Testungen als auch über ihre Betriebsärzte an der Impfkampagne beteiligen möchten. Damit würden wir beim Impfen doch mehr PS auf die Straße bringen.

Was möchten Sie in der kommenden Zeit für Bonn und die Region vorantreiben?

DR. HILLE: Derzeit machen wir uns Gedanken, wie wir zu einer Wiederbelebung der Innenstädte kommen können. Denn der Einzelhandel und die Gastronomie darben derzeit und das Schlimme ist ja, dass sich die Kunden daran gewöhnen, ganz bequem im Internet zu bestellen. Da findet gerade ein Prozess statt, der für die Innenstädte gefährlich ist. Deshalb müssen wir, wenn sich dieser Corona-Knoten gelöst hat, mit Ideen und Konzepten am Start sein, um die Innenstädte wieder mit Leben zu füllen. Dabei fällt uns als IHK eine wichtige Rolle zu. So haben wir gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und anderen Verbündeten in Bonn ein Projekt entwickelt, bei dem wir mit neuen Einzelhandelskonzepten wie Pop-up-Stores, auch in Verbindung mit kulturellen Events, die Menschen wieder zum Besuch der Innenstadt bewegen möchten.
  

Aktuelles aus Bonn

Die Kirschblütenbäume zeigen bald wieder ihre Farbenpracht Bild: Adrian72/stock.adobe.com
Die Kirschblütenbäume zeigen bald wieder ihre Farbenpracht Bild: Adrian72/stock.adobe.com

WIRTSCHAFTSTALK

Viel Gesprächsstoff

Am 18. Februar fand der letzte Bonner Wirtschaftstalk statt. Thema waren die Auswirkungen des Wahljahres 2021 auf die Wirtschaftsregion. Die Veranstaltung findet sechs Mal im Jahr statt. 70 Minuten lang diskutieren Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vor Publikum – oder in Corona-Zeiten digital. Gegenstand der Diskussion sind jeweils Themen, die für die in Bonn und der Region ansässigen, insbesondere mittelständischen Unternehmen relevant sind. Moderiert werden die Gesprächsrunden im Wechsel von Nathalie Bergdoll und Christian David. Der nächste findet am 18. April statt: „Smart Engagement Ehrenamt in der Wirtschaft“ wird dieses Mal für Gesprächsstoff sorgen.

KIRSCHBLÜTE 2021

Besuch der Altstadt mit Maske möglich

Die Kirschblüte in der Altstadt darf bewundert werden. Allerdings ist das Tragen einer medizinischen Maske Pflicht. Von einer Sperrung der Straßenzüge wird dafür abgesehen und Besucher dürfen, mit ausreichend Abstand, die schönen Bäume in den Alleen der Altstadt genießen. Die Maskenpflicht wird für etwa zwei Wochen im Bereich zwischen Berliner Platz, Kölnstraße, Kaiser-Karl-Ring, Hochstadenring und Bornheimer Straße gelten, und zwar täglich von 9 bis 22 Uhr. Dies wird ausschließlich für die Straßen gelten, in denen die Baumblüte zu bestaunen ist.

#UNTERNEHMENFRÜHSTÜCK8VOR8

Neue Veranstaltungsreihe

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, die Wirtschaftsförderungen des Rhein-Sieg-Kreises und der Bundesstadt Bonn sowie die Kreishandwerkerschaft Bonn Rhein-Sieg wollen mit ihrem neuen #UnternehmenFrühstück8vor8 den Austausch zwischen Unternehmen aus der Region in Zeiten von Corona und darüber hinaus fördern. Die erste Auflage findet virtuell am Dienstag, 30. März, 7.52 bis 8.51 Uhr, statt. „Wir wollen in einer Stunde Unternehmer komprimiert informieren und netzwerken“, sagt Regina Rosenstock, Gesamtbereichsleiterin Unternehmensförderung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Nach einem Kurzvortrag haben acht Unternehmen die Möglichkeit, sich in einem 90-sekündigen Pitch zu präsentieren. Die Betriebe können so sowohl fachlichen Input als auch die Chance zum Netzwerken in digitaler Form nutzen. Nähere Informationen und Anmeldung:

www.ihk-bonn.de