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„So vieles hat zugleich Raum in uns. Liebe und Trug, Treue und Treulosigkeit. Wir versuchen wohl, Ordnung in uns zu schaffen, so gut es geht, aber diese Ordnung ist doch nur etwas Künstliches.“ (Aus: „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler). Image 1
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Così Fan Tutte oder die Schule der Liebenden: „So vieles hat zugleich Raum in uns. Liebe und Trug, Treue und Treulosigkeit. Wir versuchen wohl, Ordnung in uns zu schaffen, so gut es geht, aber diese Ordnung ist doch nur etwas Künstliches.“ (Aus: „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler).

Um die Abgründe der Liebe geht es in vielen Mozart-Opern – doch in keiner so ausschließlich wie in „Così fan tutte“ (wörtlich übersetzt „So machen es alle“), die am 26. Januar 1790 in Wien uraufgeführt wurde. Die Oper war die bereits dritte Zusammenarbeit von dem Librettisten Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart und entstand im Auftrag von Kaiser Joseph II.

Das Werk basiert auf einem Thema, das schon jahrhundertelang in der Kunst- und Literaturgeschichte präsent und nach wie vor aktuell ist. Erzählt wird mit liebenswürdigem Spott von der Treue bzw. Untreue der Frauen vor dem Hintergrund von Verwechslungen, Verkleidungen und Täuschungen, von Gefühlen, die schwanken zwischen Zügellosigkeit, Zärtlichkeit, Liebestaumel und Resignation. Als Lustspiel getarnt prangert Da Ponte die Verlogenheit von Beziehungen und Moralvorstellungen der damaligen Gesellschaft an und hält mit dem gezeichneten Sittenbild den Wienern einen Spiegel vor.

Thilo Reinhardt (Inszenierung) und Alfred Peter (Bühne/Kostüme) verlegen die Handlung in die Zeit des Karnevals. Dies begründet sich aus der Legende, dass das Stück angeblich einen im Karneval vorgefallenen Skandal in Wiener Offizierskreisen aufgreift. So wird die Wette von Ferrando und Guglielmo um die Treue ihrer Frauen zur Schnapsidee am Rande einer Karnevalsparty. Und siehe da: Die Maskerade und Verwechslungen in dieser Oper werden im Kontext des Karnevals um einiges glaubhafter – so erkennen die Frauen ihre eigenen Liebhaber nicht, die sich ihnen verkleidet nähern um ihre Treue zu testen. Zudem erlaubt die sanktionierte Aufhebung aller Regeln während des Karnevals, Dinge auszuprobieren und im Schutz der Maske Abenteuer zu wagen, die man sich im Alltag nicht trauen würde.

Das Stück beginnt mit dem Happy End: Zwei glückliche Paare freuen sich auf ein schönes gemeinsames Leben. Wie alle Verliebte glauben sie an die Unvergänglichkeit ihrer Liebe und an die Reinheit des Herzens: so auch der junge Offizier Ferrando und sein Freund Guglielmo. Sie sind sich sicher, dass ihre Geliebten Dorabella und Fiordiligi sie nie hintergehen würden. Das sieht der diabolische Don Alfonso anders und schlägt den zwei Männern eine Wette vor. Unterstützt von der Zofe Despina wird er den jungen Paaren beweisen, dass Verführbarkeit nur eine Frage der Mittel ist.

Die Treueprüfung endet mit der tiefen Erschütterung aller. Die jungen Menschen, die zu Beginn so selbstsicher und optimistisch waren, spüren, dass das „schöne“ Leben und vor allem das Gefühlsleben sehr kompliziert und widersprüchlich sind. Sie erkennen, dass man einen Menschen gleichzeitig hassen und lieben kann. Sie entdecken die Polyamorie, eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, zumal in der Gesellschaft diese Form der Liebe nicht akzeptiert ist. So bleiben sie am Ende der Handlung trotz Versöhnung ratlos zurück.

Mozart schaut seinen Figuren tief ins Herz. Mit seiner Musik erzählt er von der verwirrenden Vielschichtigkeit der Seelenlagen der Protagonisten, zeigt den Kampf mit den Gefühlen, zeichnet nicht selten ein Gegenbild zu dem Gesagten und gibt dem Werk damit eine zweite Bedeutungsebene, durch die man erst die zentrale Aussage der Oper, die so viel von Moralvorstellungen einer Gesellschaft und menschlichen Gefühlen erzählt, versteht.

Così fan tutte // Dramma giocoso in zwei Akten
FR, 24. April 19.30 Uhr
SA, 25. April 18 Uhr
DO, 30. April 19.30 Uhr
SA, 02. Mai 18 Uhr
Konzertsaal der HfMT Köln

LIBRETTO: Lorento da Ponte
MUSIK: Wolfgang Amadeus Mozart
Mit Gesangsstudierenden und dem Orchester der HfMT Köln
INSZENIERUNG: Prof. Thilo Reinhardt
MUSIKALISCHE LEITUNG: Prof. Stephan E. Wehr
BÜHNENBILD/KOSTÜME: Alfred Peter
LICHT: Thomas Vervoorts

EINTRITT 10/erm. 6 Euro, Karten über kölnticket und an der Abendkasse
  
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