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Neuer Glanz: Die generalüberholten Fahrzeuge sollen 25 Jahre durch die Stadt rollen

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Umbauprogramm abgeschlossen Eine Erfolgsgeschichte: Die KVB hat 28 Stadtbahnen umfassend saniert, Erfahrungen gesammelt und 40,6 Millionen Euro gespart

23.04.2021

Die Kölner Verkehrs-Betriebe schließen ihr Projekt „Umbau 2100er“ erfolgreich ab. Als letztes von 28 Fahrzeugen absolviert die Stadtbahn Nr. 2414 in diesen Tagen ihren 2.000-Kilometer-Test und steht dann dem Fahrgastbetrieb zur Verfügung. Stefanie Haaks, Vorstandsvorsitzende der KVB: „Durch die Sanierung von 28 Stadtbahnwagen haben wir mit kräftiger Unterstützung durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen in die Qualität des Kölner ÖPNV investiert. Dabei haben wir 40,6 Millionen Euro gegenüber einer Neubeschaffung von 28 Fahrzeugen sparen können. Und unsere Kollegen und Kolleginnen der Hauptwerkstatt haben wichtige Erfahrungen in der Bearbeitung von Stadtbahnen gewonnen. Diese Fertigungstiefe und unser wirtschaftliches Agieren zeigen, wie nachhaltig wir als KVB für die Stadt Köln unterwegs sind.“ Möglich wurde das Projekt der Zweitverwertung durch die hohe Qualität des Stahls, der in den 1980er-Jahren durch die damalige Firma DÜWAG verbaut wurde. Mit ihm lohnte es sich, die alten Fahrzeuge zu sanieren und damit auf den Neukauf von Hochflurbahnen zu verzichten.

Solide Investition. Die erste Abrechnung zum Ende des Projektes ergibt einen finanziellen Aufwand von 1,75 Millionen Euro je Fahrzeug. Insgesamt wurden damit circa 49 Millionen Euro investiert. Das Land NRW übernahm 76 Prozent der Kosten. Der Erwerb eines neuen Stadtbahnwagens hätte rund 3,2 Millionen Euro erfordert. Bei einem Neukauf von 28 Fahrzeugen hätten also 89,6 Millionen Euro aufgebracht werden müssen.

Qualifizierte Hauptwerkstatt. Beim Umbau der Fahrzeuge in Eigenregie konnte der Fachverstand der KVB-Hauptwerkstatt genutzt und vergrößert werden. Dabei wurde in allen Fachbereichen ein Wissenstransfer ermöglicht. Dieser ist für das Tagesgeschäft und für zukünftige Projekte sehr wertvoll. Er konnte auch bereits für die Ausschreibung und Beschaffung von Neufahrzeugen im Hochflur- und Niederflurbereich genutzt werden.

Zuverlässige Fahrzeuge. Dank der Sanierung sollen die neuwertigen Fahrzeuge der Serie 2400 weitere 25 Jahre eingesetzt werden. Die ersten Hauptuntersuchungen verliefen unauffällig. Es konnten bisher keine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, die Grund zum Zweifel an der beabsichtigten Laufleistung geben würden. Bei jedem Fahrzeug fand ein umfassender Erneuerungsprozess statt: von der Demontage, Ausbesserung des Wagenkastens, Teileaufbereitung und -überholung über die Komponenten-Neubeschaffung, Lackierung, Einrichtung des Fahrgastraumes und Fahrerstandes bis hin zu den Testläufen.
  

Interview

Stefanie Haaks, die Vorstandsvorsitzende der KVB
Stefanie Haaks, die Vorstandsvorsitzende der KVB

„Herausforderung gut gemeistert“

1. Es ist ungewöhnlich, dass ein Verkehrsunternehmen ein solches Sanierungsprogramm durchführt. Ist das nicht eher die Aufgabe eines Herstellers aus der Industrie?

Das könnte man denken, aber diese Fertigungstiefe ist bei großen ÖPNV-Unternehmen mit entsprechendem Know-how nicht selten. Wir konnten diesen Weg gehen, weil wir sowohl über Expertise als auch die infrastrukturellen Voraussetzungen verfügen. Das war ein Schlüssel für den Erfolg. Und wir haben das Projekt genutzt, um Erfahrungen zu mehren und Fertigkeiten weiter zu verbessern. Für uns war das ein Fitnessprogramm für die Bearbeitung von Stadtbahnen. Und möglich wurde all das auch, nachdem das Land seine Förderbedingungen geändert hatte und damit die Ertüchtigung von gebrauchten Stadtbahnen förderfähig wurde.

2. Was sind dabei Ihre wesentlichen Erkenntnisse?

Im Team der Hauptwerkstatt haben alle Mitarbeitenden komplexe Herausforderungen erfolgreich gemeistert, selbst wenn diese bisher nicht zu ihren Aufgabenstellungen gehörten. Dies gilt für die technischen, kaufmännischen und administrativen Bereiche gleichermaßen. Das Projekt hat sich durch seinen Wissenstransfer als eine große Investition in die Qualität des ÖPNV erwiesen. Wesentlich ist aber überdies, dass ein solches Projekt personelle Kapazitäten benötigt. Inzwischen ist unsere Stadtbahnflotte größer geworden, sodass uns unser Kerngeschäft mehr fordert.

3. Wird es eine Fortsetzung geben?

Wir haben uns weitere Stadtbahn-Serien, die auf das Ende ihrer Laufleistung zurollen, genau angesehen. Deren Stahl hat nicht die nötige Qualität, wie sie bei den 2100ern eine Grundvoraussetzung war. Und wir müssten personell deutlich wachsen. Wenn wir also in absehbarer Zukunft kein solches Projekt starten, dann liegt das daran. Aber die Erfahrungen, die wir jetzt gemacht haben, sind schon in laufende Vorgänge für Neubeschaffungen eingeflossen.