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Jörg Hamel ist der Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW. Bild: zVg

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„Der Handel braucht Fachkräfte und Nachwuchs“ Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW, schildert die aktuellen Herausforderungen der Branche

5.05.2022

Wie stellt sich die Situation im Rhein-Erft-Kreis für den Handel dar?

Jörg Hamel: Eine vor Kurzem veröffentlichte GfK-Studie besagt, dass die Kauflaune lange nicht mehr so schlecht war und selbst im ersten Lockdown besser war als jetzt. Das liegt sicher daran, dass viele Menschen durch den Krieg in der Ukraine die Lust verloren haben, sich Dinge zu kaufen, die sie nicht zum täglichen Leben brauchen. Aber auch die Steigerung der Lebenshaltungs- und Energiekosten sowie die Inflation stellt viele vor Probleme, überhaupt einen normalen Lebensunterhalt zu bestreiten. So halten sie sich stark beim Einkauf zurück, vor allem bei Produkten, die nicht lebensnotwendig sind. Im Textileinzelhandel spricht man davon, dass im Moment im Vergleich zu Vor-Coronazeiten immer noch ein Minus von 26 Prozent besteht. Im Gespräch mit Sportartikel-Händlern aus dem Rhein-Erft-Kreis wurde mir gerade von enormen Umsatzeinbrüchen in den vergangenen Wochen berichtet.

Aber Sport wird doch immer getrieben. Worauf führen Sie diesen Rückgang zurück?

Hamel: In Lockdown-Zeiten haben ja einige Unternehmen gute Geschäfte gemacht. Dazu gehörten alle diejenigen, die Sportartikel und -geräte angeboten haben. Denn in dieser Phase hatten die Menschen Zeit, Sport zu treiben. Jetzt ist der Markt erst einmal gesättigt. Ein Elektrohändler in der Region berichtete mir, dass bei ihm im Laden auch schon seit einiger Zeit kaum Kundschaft ist. Warum? Viele haben sich im Lockdown neue Waschmaschinen, Fernseher oder Laptops gekauft und alles ausgetauscht, was ihnen so in den Sinn kam. Jetzt kommen die Kriegssituation und dadurch ein Unsicherheitsgefühl noch mal „on top“.

Die Sportartikelbranche klagt ebenfalls über Umsatzeinbrüche. Bild: rh2010/stock.adobe.com
Die Sportartikelbranche klagt ebenfalls über Umsatzeinbrüche. Bild: rh2010/stock.adobe.com

Welche Herausforderungen warten noch auf den Handel?

Hamel: Ein wirklich großes Problem ist, dass viele Unternehmen – auch im Rhein-Erft-Kreis – keine Nachfolger und Mitarbeiter finden. Leider entscheiden sich immer weniger, im Handel zu arbeiten. Doch die Branche braucht Fachkräfte, um zu überleben. Dafür müssen wir Lösungen finden.

Wie können Sie Unternehmen derzeit unterstützen?

Hamel: Wir haben ein neues digitales Förderprogramm. Unternehmen können darüber leicht immer wieder kleinere Summen für Digitalprojekte beantragen, die sie in ihren Läden umsetzen möchten. Das ist eine Hundertprozent-Förderung vom Land, womit sich beispielsweise ein neuer PC für das Geschäft, ein Bildschirm für das Schaufenster oder ein Fotoapparat anschaffen lassen, mit dem die Waren professionell für Social-Media-Auftritte abgelichtet werden können.
 

Der Verband

Der Handelsverband NRW Aachen-Düren-Köln e. V. nimmt die Interessen von mehr als 100.000 Einzelhandelsbetrieben mit 750.000 Beschäftigten wahr, die im Jahr rund 100 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.