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Wird die Innenstadt von Bergisch Gladbach erheblich erweitern: das ehemalige Industriegelände der Firma Zanders Bild: Stadt Bergisch Gladbach

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Jahrhundertprojekt in der City Das 37 Hektar umfassende Zanders-Areal in der Gladbacher Innenstadt soll sukzessive entwickelt werden – Vielfältige Ideen fließen in die Planungen ein

18.03.2021

Am 1. März teilte Zanders Paper mit, dass das Unternehmen zum zweiten Mal in drei Jahren Insolvenz beantragt hat. Man habe „ein starkes erstes Quartal 2020“ gehabt, heißt es in der Mitteilung. Doch die Coronapandemie habe den Markt für Spezialpapiere ebenfalls hart getroffen. Was das genau für die Zukunft des Unternehmens mit seinen rund 380 Mitarbeitern bedeutet, wird das Insolvenzverfahren zeigen. „Zwei bis drei Monate“ werde das dauern, so Zanders Paper.

Gebr. Gieraths GmbH

Stadt überrascht

Stadtverwaltung und Bürgermeister zeigten sich überrascht von dem erneuten Insolvenzantrag. Erst Anfang 2021 hatten die Beteiligten einen Pachtvertrag mit dem Papierproduzenten ausgehandelt. Die Stadt ist seit 2018 Eigentümer des Geländes und hat den Entwicklungsprozess für die nicht mehr industriell genutzten Teile schon gestartet. Mit der Prämisse, die bestehende Papierproduktion nach Möglichkeit zu erhalten und drumherum zu planen. Der jetzt gestellte Insolvenzantrag könnte ganz neue Bedingungen für diese Planung schaffen. So war die Verwaltung im Rathaus „not amused“ darüber, nicht vorab informiert worden zu sein: „Dieser Schritt des Papierunternehmens war Bürgermeister Frank Stein weder angekündigt worden, noch wurde er mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung in irgendeiner Weise abgestimmt“, schreibt die Pressestelle der Stadt und Stein selbst sagt dazu: „Die Stadt hat zum jetzigen Zeitpunkt keine Kenntnis, wie der einzusetzende vorläufige Insolvenzverwalter der Zanders Paper GmbH die aktuelle Situation bewerten und welche Schlüsse er daraus ziehen wird.“

Erste Bestandsaufnahme

Die Entwicklung des Geländes, das die Innenstadt flächenmäßig nahezu verdoppeln wird, ist ein Jahrhundertprojekt. „Die Verwaltung von insgesamt 37 Hektar in der Stadtmitte ist mit den anderen städtischen Immobilien nicht zu vergleichen“, erläuterte im November 2019 der damalige Bürgermeister Lutz Urbach die Dimensionen. Damals hatte sich die Leitung der städtischen Projektgruppe „Zanders Innenstadt“ vorgestellt und eine erste Bestandsaufnahme geliefert: „Direkt angrenzend an die Innenstadt befindet sich der ehemalige Verwaltungsbereich der Firma Zanders. Die dortigen Bürogebäude sind zum großen Teil verpachtet. Noch freie Büroeinheiten stehen zur Vermietung“, sagte Jonas Geist von der Projektgruppe.


"Wir würden gerne einige Denkmäler für die Öffentlichkeit zugänglich machen"


Beteiligung der Bürger
  

Udo Krause (l.) ist Leiter der städtischen Projektgruppe für das Areal, Jonas Geist bei der Stadt verantwortlich für die Immobilien Bild: Stadt Bergisch Gladbach
Udo Krause (l.) ist Leiter der städtischen Projektgruppe für das Areal, Jonas Geist bei der Stadt verantwortlich für die Immobilien Bild: Stadt Bergisch Gladbach

Aber riesige weitere Flächen liegen derzeit brach und die Aufgabe, dort eine zukunftsfähige Entwicklung voranzutreiben, ist groß. Teilweise sind Gebäude denkmalgeschützt, Wohnnutzung ist angesichts der noch in Betrieb stehenden Industrieanlagen nicht überall möglich und darüber hinaus ist es der Stadt wichtig, die Bürgerschaft aktiv am Entscheidungsprozess zu beteiligen. Was zudem eine Voraussetzung für Fördermittel aus der Regionale 2025 ist. Geld aus diesem Fördermittelprogramm zu erhalten, steht ganz oben bei der Projektentwicklung. So fand im Herbst 2020 die erste Beteiligungsphase zur Zukunft des Zanders-Areals und insbesondere zu den von der Papierfabrik freigezogenen Flächen statt. Alle Bürgerinnen und Bürger waren über mehrere Wochen aufgerufen, ihre Ideen, Vorschläge und Meinungen einzubringen. Die angebotenen Formate wurden rege angenommen.

Charme soll bleiben

Die Ergebnisse sind nun ausgewertet. So ist zu erkennen, dass es der Bergisch Gladbacher Bevölkerung wichtig ist, dass auf dem Areal etwas Besonderes entsteht, das auf die übrige Stadt und die Region ausstrahlt. Dabei wurde insbesondere der Charme der Industriebauten und Denkmäler als großes Potenzial empfunden, deren identitätsstiftende Wirkung es zu erhalten gilt. Die Projektgruppe Zanders beabsichtigt überdies, einige der Denkmäler auf dem Gelände in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Klimagerechtigkeit und Lebendigkeit sind weitere wichtige Schlagworte für die Bürger. Der Fundus an vielfältigen Ideen ist nun Ausgangspunkt für die weiteren Planungen. Ein wesentliches Ergebnis der weiteren Planung ist es, dass der prozesshaften Entwicklung des Areals eine enorme Bedeutung zukommt. Dies bedeutet, dass der Planungsprozess eher auf Sicht vorangetrieben wird und nicht nach einem in Stein gemeißelten Masterplan geschieht. Angesichts der gigantischen Fläche und der vielfältigen Veränderungen der heutigen Zeit scheint der Stadt ein starrer Masterplan kein passendes Werkzeug zu sein.

INFOS IM NETZ

Die umfangreiche Dokumentation zu der ersten Phase der Bürgerbeteiligung steht nun zum Download im Internet bereit:

www.bergischgladbach.de/zanders-innenstadt
   

Kurz notiert

VIRTUAL CAMPUS DAY

Online-Tag der offenen Tür an der FHDW

Die Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach (FHDW) informiert am Samstag, 20. März, mit dem „Virtual Campus Day“ über ihr Studienangebot. Dozenten stehen ab 10 Uhr in Live-Chats zu den dualen Bachelorstudiengängen Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft und Angewandte Informatik Rede und Antwort. Außerdem sind Vertreter von Unternehmen zugeschaltet, bei denen Studierende über Stipendienprogramme die Praxisphasen absolvieren können. Infos und Anmeldung: www.fhdw.de/vcd-bg.html

SOLARENERGIE

Belkaw installiert Photovoltaik-Anlage

Erstmals produziert der bergische Energieversorger Belkaw jetzt Strom direkt in Bergisch Gladbach. Auf einer Lagerhalle an der Hermann-Löns-Straße liegen jetzt Solar-Paneele, welche die Firmenzentrale des bergischen Traditionsunternehmens zu einem hochmodernen Kraftwerk machen. Bei einer Leistung von rund 74 kWp liefert die Anlage jährlich etwa 73.000 Kilowattstunden Strom, den die Sonne nachhaltig und CO2-frei produziert. Mit dieser Strommenge lassen sich rund 20 Haushalte ein Jahr lang umweltfreundlich versorgen.