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BonnLive fand großen Anklang beim Publikum, es feierte unter anderem zu Kasalla, Heino und Helge Schneider

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Neue Chancen und Perspektiven für Künstler Innovativ und flexibel schufen Julian und Simon Reininger in der Krise coronakonforme Event-Formate für die Kreativwirtschaft

25.03.2021

Mit Ihrem Start-up-Unternehmen haben Sie in der Pandemie für Furore gesorgt. Doch wo liegen Ihre Wurzeln?

JULIAN REININGER: Das reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Damals hatten wir eine Band, ebenso wie ein Freund in der Nachbarschaft. Da es für Newcomer-Bands in Bonn kaum Auftrittsmöglichkeiten gab, wollten wir selbst etwas organisieren. Hinter unserem Elternhaus gab es eine Wiese, die uns dafür ideal schien. Dann hat unser Vater noch einen Sattelschlepper besorgt, der die Bühne für unser erstes Konzert abgab. Damit war das Green Juice Festival geboren. Obwohl nur als einmaliges Event geplant, wurde uns rasch klar, dass es einfach richtig viel Spaß macht, Konzerte auf die Beine zu stellen. Dann haben wir neben der Schule Konzepte geschrieben und damit Sponsoren geworben, so dass unser Festival, die Bühne und das Gelände von Jahr zu Jahr immer mehr wuchsen. Bis zum Beginn der Pandemie haben wir zuletzt rund 10.000 Besucher angezogen, die die nationalen und internationalen Musiker der Indie-Pop-Szene ebenso wie die lokalen Bands feierten, denen wir auch weiterhin eine Bühne gegeben haben. Dann kam Corona und wir mussten das Green Juice Festival sprichwörtlich auf Eis legen.


Bild: Stefan Mager
Bild: Stefan Mager

SIMON UND JULIAN REININGER

Die Brüder kommen gebürtig aus Bonn-Beuel und mischen seit einigen Jahren die Kulturszene der Stadt mit ihren Events auf. Alles begann damals auf einer Wiese hinter ihrem Elternhaus.


Doch da hatten Sie bereits einen neuen Weg eingeschlagen.

SIMON REININGER: Als mein Bruder und ich unsere jeweiligen Wirtschafts- und Eventstudiengänge abgeschlossen hatten, reifte bei uns die Entscheidung, unsere Leidenschaft endlich Vollzeit und im eigenen Büro umzusetzen. Denn obwohl das Festival schon teilweise zum Vollzeitjob geworden war, lief alles eher nebenher. Als wir dann den Fokus ganz daraufgesetzt haben, war auf einmal auch noch Zeit, neue Projekte anzugehen. So haben wir Ende 2019 die „fünfdrei eventagentur“ gegründet. Dabei steht der Wortwitz für die ersten beiden Zahlen der Postleitzahl von Bonn. Damit möchten wir zeigen, wo wir unsere Wurzeln haben. Diese weitere Firma fungiert nun als Planungs- und Produktionsagentur für das Green Juice Festival, übernimmt aber auch übergreifend alle anderen Themen wie zum Beispiel Business-Events. Dazu zählen Firmen- und Teamveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und hybride oder digitale Veranstaltungen für Bonn und Umgebung. Als wir von der Webseite bis hin zu den Konzepten mit allem fertig waren, brach die Pandemie aus.


"Das Wichtigste war ja, dass alle arbeiten konnten – vom Technik-Team über die Gastronomen bis hin zu den Künstlern"


Wie haben Sie reagiert?

J. REININGER: Da wir schon ein Büroteam zusammengestellt und auch unserem damaligen Praktikanten eine Ausbildungsstelle angeboten hatten, wollten wir unsere Mannschaft irgendwie halten. Da kam uns zugute, dass wir noch jung, flexibel und fähig sind, neu zu denken. Gemeinsam mit der Agentur, „RheinEvents“ haben wir dann unsere kreativen Köpfe zusammengesteckt, um etwas wirklich Neues auf die Beine zu stellen. Das passte wunderbar, denn die Kollegen sind genauso alt wie wir, ticken gleich und sind ebenso spontan unterwegs.
  

Was haben Sie dann auf den Weg gebracht?

S. REININGER: Ziemlich genau vor einem Jahr haben wir hier zusammengesessen und uns Gedanken gemacht. Damals gab es in Berlin einen Stream, mit dem Spenden für die Kulturszene gesammelt wurden. Dies haben wir dann unter dem Titel „BonnLive“ adaptiert. Zwischen der ersten Idee und einem Livestream in professioneller Qualität vom Dach eines Bonner Hotels lagen nur vier Tage. Da wurde uns klar: Zusammen sind wir echt schnell. Da es den Zuschauern und später den Sponsoren so gut gefiel, haben wir schließlich fast drei Monate lang Streams auf die Webseite gestellt und zum Spenden aufgerufen. Dafür konnten wir viele leerstehende Locations in Bonn nutzen. Denn die Besitzer waren froh, dass wieder Leben hereinkam und sie in den Videos zu sehen waren. Insgesamt haben wir damit 15.000 Euro Spendengelder eingenommen, die wir an die Bonner Kulturszene ausgezahlt haben.

War das letztlich der Auftakt für neue Projekte?

J. REININGER: Während dieser Aktion haben wir bemerkt, dass die Autokinos wieder an Beliebtheit gewannen. Da kam uns die Idee, statt Kinofi lme einfach Konzerte anzubieten. Nachdem wir am 1. Mai die passende Fläche dafür gefunden hatten, stand am 15. Mai schon Heino auf der Bühne. Das war eine logistische Herausforderung. Auch das wurde wieder so gut angenommen, dass wir in den folgenden zwei Monaten täglich Shows anbieten konnten – vom Jungen Theater Bonn bis hin zu Karnevalsbands. Als dann im Sommer die ersten Lockerungen kamen, haben wir den „BonnLive Kulturgarten“ ins Leben gerufen. Diese Veranstaltungsreihe fand dann coronakonform open-air in der Bonner Rheinaue statt. Auch wenn die Akkus bei uns allen nach dem Veranstaltungsmarathon schon leer waren, haben wir bis Mitte September Shows veranstaltet. Das Wichtigste war ja, dass alle arbeiten konnten – vom Technik-Team über die Gastronomen bis hin zu den Künstlern. Zum Schluss hatten wir dann plötzlich Deutschlands größte coronakonforme Spielstätte mit Auftritten renommierter Künstler wie Nena und Helge Schneider vor insgesamt 50.000 Besuchern. So wurde es ein großes Zusammenspiel der Kultur. Mit dem erneuten Lockdown im Winter haben wir dann wieder unsere Streams für die Kulturszene und an den Karnevalstagen die Autokonzerte aufleben lassen. Als neuestes Projekt können Sportfans und Kulturbegeisterte nun bis Mitte April im eigenen Auto zahlreiche Live-Übertragungen in der „BonnLive Baskets Carena“ auf dem Parkplatz am Telekom Dome in Bonn-Hardtberg genießen. Mal schauen, was uns danach noch einfällt.