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In der Domstadt gibt es mittlerweile mehrere Areale, auf denen eine Beisetzung dieser Art möglich gemacht werden kann Bild: ImagESine/adobeStock.com

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Die Nähe zur Natur wird oft gewünscht In Köln interessieren sich immer mehr Menschen für Baumbestattungen

2.04.2021

is zum Ende des 20. Jahrhunderts liefen Bestattungen in Deutschland meist relativ ähnlich ab: Nach dem Tod einer Person wurde der Leichnam in einem Sarg beerdigt, wobei die Gäste allesamt in Schwarz gekleidet waren. Heutzutage sind die Wünsche der Hinterbliebenen deutlich vielfältiger, weshalb sich die Bestattungskultur seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts spürbar verändert hat. Im Jahr 2009 gab es in Deutschland bereits mehr Feuer- als Erdbeisetzungen. Mittlerweile liegt das Verhältnis laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) sogar bei 70:30. Insbesondere naturnahe Begräbnisse wie Baum- oder Wiesenbeerdigungen sind im Augenblick besonders gefragt. Das Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen hat auf diesen Trend bereits reagiert.

Zusätzliche Flächen

In der Domstadt zeigte sich die Veränderung zuletzt auf besondere Weise. Denn die Zahl der vergebenen Nutzungsrechte hat sich von der Einführung dieser Beisetzungsart auf den 55 städtischen Friedhöfen im Jahr 2009 bis heute verzehnfacht (von etwa 90 auf knapp 1.000 pro Jahr). Von den 8.500 neu angelegten Gräbern werden voraussichtlich sogar etwa zwölf Prozent an einem Baum liegen, tendenziell werden es zukünftig sogar noch mehr sein. Das Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen hat deshalb auf die veränderten Voraussetzungen sein Angebot angepasst. Nachdem Baumbestattungen im Stadtgebiet bisher nur auf dem Nord-, dem Ost- sowie dem Friedhof Steinneuerhof vorgenommen werden konnten, ist dies nun auch auf der Ruhestätte in Worringen sowie auf dem Friedhof Leiden hausen im Stadtteil Porz möglich.

Gute Erreichbarkeit

Somit verteilen sich auf den Kölner Ruhestätten nun insgesamt 1.270 neue Baumgrabstätten auf einer Fläche von etwa 30.000 Quadratmetern, wobei knapp 200 Bäume zu diesem Zweck auf den Anlagen neu gepflanzt wurden. „In diesem Bestattungssegment hatten wir in den letzten Jahren stets die größten Zuwächse. Mit dem jetzigen Angebot auf fünf verschiedenen Friedhöfen haben wir das Stadtgebiet diesbezüglich gut erschlossen“, sagt Manfred Kaune, der Leiter des Kölner Amts für Landschaftspflege und Grünflächen. „Für Menschen, die sich für eine Urnenbestattung am Baum entscheiden, sind die Baumbestattungsareale auf unseren Kölner Anlagen sehr gut zu erreichen.“


»Die größten Zuwächse hatten wir zuletzt in diesem Bestattungssegment


Beste Zugänglichkeit

So sei beispielsweise eine Anfahrt für die meisten Menschen nicht nur mit dem eigenen Fahrzeug, sondern durchaus auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. „Zudem wird auf den Kölner Friedhöfen gewährleistet, dass Menschen auch mit dem Rollator zu den Baumgrabstätten kommen, was für viele ältere Personen natürlich von großer Bedeutung ist. “Mit der Ausweitung des Bestattungsangebotes für Baumgräber folgen die Verantwortlichen der Stadt Köln allerdings nicht nur einer verstärken Nachfrage. Sie setzen damit außerdem eine Maßnahme aus dem Konzept „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ um. Die vom Ausschuss Umwelt und Grün bereits am 28. November 2019 beschlossene Verfahrensweise sieht unter anderem die Anpassung des bestehenden Angebotes von Grabstellen sowie die Ausweitung der Grabstätten an Bäumen vor.


»Wie die Angebote wahrgenommen werden, schauen wir uns genau an


Genaue Prüfung

Dass das Angebot an Baumbestattungen sich in den kommenden Jahren nochmals vergrößert, ist also nicht ausgeschlossen. „Wir werden zunächst genau beobachten, wie unsere aktuellen Angebote angenommen werden“, erklärt Grünflächenamtsleiter Kaune. „1.270 neue Grabstätten dieser Art sind schon eine Menge, aber wenn der Trend anhält und sich Menschen vermehrt Baumbestattungsmöglichkeiten auf den Friedhöfen in ihrer Nähe wünschen, werden wir uns frühzeitig Gedanken darum machen, diese Art der Beisetzung auch auf weiteren Friedhöfen im Stadtgebiet zu etablieren.“

Aktuelle Form

Insgesamt wird sich das Erscheinungsbild der Kölner Friedhöfe in den nächsten Jahren allerdings nicht stark verändern, auch wenn es Menschen gibt, die die parkähnlichen Flächen gerne vielfältiger nutzen möchten. So besteht durchaus die Nachfrage, die weitflächigen Anlagen der Stadt auch mit Hunden zu begehen oder dort „leise“ Sportarten wie Yoga oder Joggen durchzuführen. Doch diesen Forderungen kommen die Verantwortlichen nicht nach. Denn die Mehrheit der Bürger möchte, dass die Friedhöfe grundsätzlich in ihrer aktuellen Form möglichst unverändert bestehen bleiben. Sie sollen weiterhin unberührte Orte der Ruhe sein, wo sich Trauernde ungestört aufhalten können.

KONTAKT
Friedhof Leidenhausen
Schubertstraße 46
02203 / 186471
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeitnatur-sport/friedhoefe