Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Anzeigen
Die Zeit zwischen den Oster- und Sommerferien ist im Handwerk normalerweise die Hochphase der Bewerbungszeit, doch derzeit ist es wegen der Corona-Krise sehr ruhig – Im Interview spricht der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto, über die Zukunftsperspektiven der Branche

Nachwuchskräfte werden im Handwerk stets gesucht Bild: auremar - stock.adobe.com

ANZEIGE

Eine Investition in die Zukunft Die Zeit zwischen den Oster- und Sommerferien ist im Handwerk normalerweise die Hochphase der Bewerbungszeit, doch derzeit ist es wegen der Corona-Krise sehr ruhig – Im Interview spricht der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto, über die Zukunftsperspektiven der Branche

19.05.2020

Herr Otto, bilden Handwerksbetriebe in der Region aufgrund der Corona-Pandemie generell weniger Azubis aus als vor der Krise?

Marcus Otto: Leider gibt es für diese Vermutung erste Anzeichen. Die eingehenden Ausbildungsverträge sind noch nicht auf dem Niveau der Vorjahre. Vor diesem Hintergrund ist genau jetzt der Zeitpunkt, dass wir uns mit einem Appell an unsere Mitgliedsbetreibe wenden: ‚Schafft auch in dieser Situation Ausbildungsplätze!‘ Zudem setzen wir uns auf politischen Ebenen für einen einmaligen Zuschuss ein, der sich an 75 Prozent einer Ausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren sollte.

Otto Fuchs KG

Gibt es Gewerke, die gerade jetzt dringend Nachwuchskräfte einstellen müssten?

Otto: Der Fachkräftebedarf, den wir bereits vor der Corona-Pandemie hatten, ist mit der neuen Situation nicht weg. Ein dringender Bedarf besteht beim Elektro- und Metallhandwerk ebenso wie beim Sanitär- und Dachdeckerhandwerk. Aber durchaus sucht jedes Gewerk Nachwuchs und benötigt diesen auch.

Lohnt sich eine Bewerbung in Corona-Zeiten?

Otto: Selbstverständlich! Es ist vielleicht ein guter Tipp, der immer schon im Handwerk zählte: Nehmen Sie persönlich Kontakt auf. Das geht auch übers Telefon. Es kann gut sein, dass Bewerber aktuell geduldiger sein müssen oder vielleicht zudem etwas hartnäckiger. Schließlich kommen zum normalen Berufsalltag des Betriebsinhabers nun noch die umfassenden Corona-Schutzmaßnahmen hinzu. Da werden die Tage schnell länger.
  

Marcus Otto ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land Bild: Christopher Arlinghaus
Marcus Otto ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land Bild: Christopher Arlinghaus

Verschiebt sich der Ausbildungsbeginn in diesem Jahr? Und wird sich der Ablauf der Ausbildung aufgrund der Corona-Pandemie ansonsten verändern?

Otto: Das Ausbildungsjahr beginnt auch in diesem Jahr ganz klassisch am 1. August oder 1. September. Nach derzeitigem Stand wird sich am Ablauf erst einmal nichts ändern. Sicherlich kann es passieren, dass es nochmals zu Schulschließungen und Unterrichtsausfällen kommt. Das ist natürlich nicht planbar. In dieser Zeit hat der Auszubildende Anwesenheitspflicht im Ausbildungsbetrieb.

Inwiefern wurden in den Betrieben die hygienischen Gegebenheiten angepasst, damit eine Ansteckungsgefahr minimiert wird?

Otto: In jedem Unternehmen steht der Schutz der Mitarbeiter und der Kunden an oberster Stelle. Unsere Betriebe haben sich sehr gewissenhaft mit diesem Thema beschäftigt und sich selbstverständlich darauf eingestellt. Seit der ersten Corona-Schutzverordnung des Landes NRW heißt es: ‚Handwerker und Dienstleister können ihrer Tätigkeit mit Vorkehrungen zum Schutz vor Infektionen weiterhin nachgehen‘. Die derzeitige Situation zeigt uns deutlich, dass Dienstleistungen des Handwerks kundennah sind, der Versorgung der Menschen dienen und daher meist systemrelevant sind. Eine berufliche Ausbildung im Handwerk ist daher eine Investition in die Zukunft!


Mehr Infos per App

Über 30 Ausbildungsberufe im Handwerk in der Region werden in einer eigens für die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land entwickelten App vorgestellt. Mit kurzen Texten, Fotos und erklärenden Videos erhält der User kompakte Informationen und einen ersten Überblick über die Vielfalt des Handwerks in der Region. Außerdem sind die jeweiligen Berufe mit der digitalen, stets aktuellen Stellenbörse des Handwerks vernetzt, sodass gleich in der App gezeigt wird, wo Lehrstellen und Praktikumsplätze frei sind.