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Im Gespräch mit dem Wirtschaftsjuristen Hauke Timmermann, Referent für Digitale Geschäftsmodelle beim eco Verband, der als Projektleiter auch das zukunftsweisende KI-Projekt „Service-Meister“ vorantreibt Image 1
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Hauke Timmermann. Bild: zVg

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„Digitale Lösungen für den Mittelstand schaffen“ Im Gespräch mit dem Wirtschaftsjuristen Hauke Timmermann, Referent für Digitale Geschäftsmodelle beim eco Verband, der als Projektleiter auch das zukunftsweisende KI-Projekt „Service-Meister“ vorantreibt

21.04.2022
Bautz & Klinkhammer GmbH & Co. KG

Welche Ziele verfolgt eco als Verband der Internetwirtschaft?

Hauke Timmermann: Die vergangenen Jahre der Pandemie haben der Digitalisierung einen enormen Schub gegeben und erheblich zu einem rasanten Strukturwandel beigetragen. So können wir beobachten, wie sich traditionelle Industrie- und Wirtschaftsbereiche verändern, täglich neue Geschäftsmodelle entstehen und bestehende digitale Anwendungen optimiert werden. Neben unserer politischen Interessenvertretung für unsere Mitglieder aus der Internetwirtschaft, der Schaffung von Netzwerken und Aufklärungskampagnen engagieren wir uns auch für die Fortentwicklung des Mediums. So identifizieren wir für die digitale Transformation die entsprechenden Schlüsseltechnologien und untersuchen ihre Potenziale für neue Arten von Geschäftsmodellen. Durch Studien zeigen wir die Potenziale für Unternehmen auf und geben Hinweise für zukünftige technologische Entwicklungen und die strategische Ausrichtung von Unternehmen. In verschiedenen Konsortien entwickeln wir zusammen mit Partnern in Forschungsprojekten aktiv innovative Technologien weiter und setzen uns für die Schaffung von Infrastrukturen ein, auf deren Basis neue Geschäftsmodelle entstehen können. So werden die Chancen und Potenziale der Digitalisierung besser nutzbar und Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt. Dies verfolgen wir nicht nur abstrakt in der Theorie, sondern engagieren uns bis in die Region hinein.

Mit welchen Themenfeldern beschäftigt sich der Verband konkret?

Timmermann: Die Bereiche sind recht vielfältig. So beschäftigen wir uns mit den digitalen Infrastrukturen, also, unserer ganz persönlichen DNA. Mit dem Frankfurter Internetaustauschknoten DE-CIX sind wir selbst Teil der Branche. Weitere Felder sind zum Beispiel „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“. Denn digitale Dienste und Technologien können die Energie- und Ressourceneffizienz erhöhen und so bei der Bewältigung des Klimawandels und der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft helfen. Ebenso engagieren wir uns für ein Netz mit Verantwortung, unter anderem mit einer eigenen Beschwerdestelle für unerwünschte Inhalte im Web. Auch setzen wir uns für die systematische Stärkung der Sicherheit und Integrität von Netzen und Diensten ein. Neben weiteren Bereichen beteiligen wir uns vor allem an zwei Leuchtturm-Projekten, die insbesondere den deutschen Mittelstand bei dem Weg in die digitale Zukunft unterstützen. Dies ist das KI-Förderprojekt „Service-Meister“ und das europäische Cloudinfrastruktur-Projekt Gaia-X. Sie fördern transparente, sichere Cloud-Dienste und KI-basierte Ansätze.

Welchen Stellenwert haben Digitalisierung und KI derzeit Ihrer Meinung nach?

Timmermann: Das kann ich anhand von „Service-Meister“ gut verdeutlichen. Denn damit schaffen wir gerade eine neue Form von „Alexa für den Blaumann“. Es ist eine Sprachunterstützung für den Service-Techniker, der an einer Anlage komplexe Wartungsarbeiten durchführt und durch die aus dem Unternehmen gesammelten und durch KI ausgewerteten Daten eine Unterstützung erhält. Denn die Anforderungen an die Techniker werden immer komplexer und derzeit findet auch ein Generationenwechsel statt. Viele Experten gehen in Ruhestand und nehmen ihr Wissen mit, das dann den verbliebenen Kollegen fehlt. Wir kümmern uns mit unserer Lösung „Service-Meister“ darum, Daten nutzbar zu machen und so, das vorhandene Wissen zu bündeln, aufzubereiten und für jeden verfügbar zu machen.

Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden?

Timmermann: Die Daten müssen natürlich vorhanden sein, sind sie auch zum Teil bereits. Aber vielfach ist man im Rahmen der Digitalisierung in den Unternehmen gerade dabei, Maschinen mit Sensoren auszustatten. Diese produzieren dann die entsprechenden Daten, ermöglichen die Messbarkeit von Vorgängen und schaffen so Einblicke in die Abläufe in der Produktion der Industrie 4.0 oder beispielsweise auch in einer kleineren Autowerkstatt um die Ecke.

Was geschieht danach?

Timmermann: Derzeit kumulieren wir aus unterschiedlichsten Quellen die relevanten Daten – seien es Sensordaten, Betriebsanleitungen für Maschinen und wichtige PDF-Dokumente oder Berichte von Einsätzen der Service-Techniker. So wird ein Datenfundus erzeugt, der durch KI auswertbar wird. Dabei werden sowohl technische Daten als auch Sprachdaten ausgewertet. Dies sind zum Beispiel Sprachmemos, in denen Techniker festhalten, welche Veränderungen sie bei einem Einsatz an einer Maschine, aus welchem Grund vorgenommen haben. So kann dann der nächste Servicemitarbeiter nach einer Fehlermeldung nachvollziehen, wie sein Kollege bei ähnlichen Symptomen das Problem bereits einmal behoben hat. Dazu erhält er im Idealfall nach Auswertung der Datenlage durch die KI entsprechende Lösungsvorschläge. Damit lässt sich in den Unternehmen unter anderem viel Zeit einsparen. Denn ein Techniker muss nicht erst lange nach dem Fehler suchen und sich eine Lösung überlegen. Darüber hinaus entsteht aus den unterschiedlichen Erfahrungsberichten mit der Zeit eine jederzeit verfügbare Datenbank des Wissens, die auch nicht verloren geht, wenn erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen.

Ist dieser Wissensvorsprung durch KI dann nur in einem Unternehmen verfügbar?

Timmermann: Mit dem Projekt „Service-Meister“ realisieren wir derzeit eine offene KI-Plattform für alle Wartungsabläufe. So möchten wir künftig das gesammelte Know-how auch für kleinere und mittelständische Unternehmen nutzbar machen. Im Moment geht es konkret darum, Wartungsprozesse zu digitalisieren, Anlagen verfügbar zu halten und internes Servicewissen extern zu vermarkten – all das mit dem Einsatz von Verfahren aus dem KI-Bereich, um Innovationen für den Mittelstand einfach zugänglich zu machen. Um KI-Funktionen in „Use Cases“ zu entwickeln und in der Praxis zu erproben, setzen wir in dem Projekt auf Tandems aus Industrieunternehmen und Implementierungspartnern. Wir sondieren dafür derzeit auch gemeinsam mit Handwerkskammern und IHKs die Bedarfe in den Betrieben vor Ort, um für diese, neue Lösungen zu finden. Auch stellen wir in niederschwelligen Informationsveranstaltungen die vielfältigen Möglichkeiten von KI vor. Denn wir sind in dem Projekt immer noch offen für Interessierte, die sich als assoziierte Partner anschließen möchten. Wer sich aktuell aus der Region über unsere derzeit laufenden KI-Projekte wie „Service Meister“ oder „Autowerkstatt 4.0“ informieren möchte, kann am 19. Mai zu unserem „eco Interaction day“ in die Lichtstraße 43h in Köln kommen. Dort zeigen wir auch Beispiele aus der Praxis, sprichwörtlich KI zum Anfassen. Spätestens dabei wird dann klar: KI bietet Chancen, die auch in kleineren Unternehmen Großes ermöglichen.

Der Verband

Mit dem Slogan „Wir gestalten das Internet“ präsentiert sich eco im Netz. Der europaweit größte Dachverband der Internetwirtschaft in Deutschland hat seinen Sitz in Köln und wurde im Jahr 1995 gegründet. Der Verband, dessen Abkürzung für „electronic commerce“ steht, vereint weltweit rund 1.100 Mitglieder. Eco versteht sich als Impulsgeber zu aktuellen Fragestellungen der Digitalisierung. Dafür engagiert er sich in Initiativen und Förderprojekten für eine nachhaltige, verantwortungsvolle und sichere digitale Transformation.

» www.eco.de