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Optometristen messen beispielsweise das Gesichtsfeld, die Hornhautdicke oder den Augeninnendruck Bild: luckybusiness - stock.adobe.com

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Die Suche nach Auffälligkeiten Immer mehr Augenoptiker erwerben eine Zusatzqualifikation zum Optometristen – zum Wohle ihrer Kundschaft

24.05.2021

In den Vereinigten Staaten von Amerika liegen die Dinge ganz einfach: Dort fungiert ein Optometrist als primärer Gesundheitsdienstleister für das Auge. Hierzulande stellt sich die Situation etwas komplizierter dar, weil diese Berufsbezeichnung nicht ganz eindeutig definiert ist. Timo Hesterberg, Augenoptikermeister und Optometrist aus Wipperfürth, sorgt für Aufklärung: „Bei uns unterscheidet sich der Optometrist vom klassischen Augenoptiker durch eine zusätzliche Ausbildung, die ihn neben der reinen Brillenglasbestimmung für das Sehen und Erkennen von Auffälligkeiten am Auge und im visuellen System qualifiziert.“ Die Qualifikation zum Optometristen erfolge dabei in der Regel an anerkannten staatlichen Hochschulen oder Akademien.

Brillen Schmidt

Erkennen von Krankheiten

Ob Brille oder Kontaktlinse: Zur Überprüfung der Werte verfahren Optiker und Optometrist im erst Schritt gleich. Im weiteren Verlauf ergänzt der Optometrist die Untersuchung durch Screening- und Funktionsteste. Diese dienen zur Abgrenzung von Sehschwächen zu Augenkrankheiten – wie zum Beispiel dem grünen oder grauen Star oder einer Makuladegeneration. Das Ziel der Optometrie ist somit frühzeitige Erkennung von unbemerkten Erkrankungen oder Defekten.

Wichtige Anhaltspunkte

„Die Optometrie kommt dann zum Zuge, wenn Auffälligkeiten auftreten, die mit einer normalen Brille nicht zu klären sind“, erklärt Timo Hesterberg. Für diese Fälle steht dem Optometristen eine ganze Palette an technischen Geräten zur Verfügung. So lassen sich mit Hilfe dieser Apparate Messungen des Gesichtsfeldes, der Hornhautdicke oder des Augeninnendrucks durchführen. Die so gewonnenen Daten liefern wichtige Anhaltspunkte zur Behebung von Sehschwierigkeiten. „Außerdem stehen uns eine Tränenfilmanalyse, eine Kamera für Bilder vom Augenhintergrund und ein CT für das Auge – die sogenannte Optische Kohärenztomographie – zur Verfügung“, sagt Hesterberg. „Gleichzeitig betreuen wir im Bereich der Funktionaloptometrie viele Kinder mit Auffälligkeiten wie beispielsweise einer Lese- und Rechtschreibschwäche.“

Kein Ersatz für den Arzt

Dem Fachmann ist wichtig zu betonen, dass Optometristen keinesfalls die Aufgabe haben, den Augenarzt zu ersetzen: „Ich sehe eine ganze Bandbreite an Kunden – vielen davon kann ich mithilfe der Screenings helfen, ohne dass sie einen Facharzt aufsuchen müssen.“ Anders verhält es sich, wenn die Untersuchungen schwerwiegende Symptome zutage fördern. Dann erfolgt umgehend eine Weiterleitung der Betroffenen an den Augenarzt. „Mit unserer Vorinformation kann der Augenarzt gezielter nach den Ursachen für die Probleme suchen.“ Gleichzeitig sinke für den Kunden das Risiko, dass eine Beeinträchtigung übersehen werde.


"Wir kommen zum Zuge, wenn eine Brille Probleme nicht löst"


Willkommene Unterstützung

Dass es in der Vergangenheit Vorbehalte gegenüber dem Berufsstand des Optometristen gab, ist Timo Hesterberg durchaus bewusst. „Leider gibt es in allen Bereichen schwarze Schafe“, so der Experte. „Es wird niemals ganz zu vermeiden sein, dass Beteiligte in einem System aus unterschiedlichen Motivationen heraus Fehler begehen.“ Inzwischen habe jedoch ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Die Augenärzte hätten erkannt, dass ein qualifizierter Optometrist eine wichtige Unterstützung sein könne. „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Mediziner abzulösen oder gar in Frage zu stellen. Unser Job ist vielmehr eine gewissenhafte, über die klassische Brillenoptik hinausgehende Suche nach Auffälligkeiten.“ Daher habe sich in den vergangenen 20 Jahren Zug um Zug ein gutes Miteinander im Interesse der Kunden und Patienten entwickelt.