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Die Trauer scheint zunächst überwältigend zu sein Bild: StockPhotoPro/adobestock.com

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Das Erlebte besser verkraften Vielen Menschen fällt es enorm schwer, eine verstorbene Person gedanklich loszulassen

3.11.2021

Die verstorbene Person fehlt – in jedem Moment, in allen Lebenslagen. Gerade, wenn es sich um den eigenen Lebenspartner, einen engen Verwandten oder den besten Freund gehandelt hat. Entsprechend schwer fällt es, zu verstehen, dass dieser Mensch nun tatsächlich nicht mehr lebt. Stattdessen ist er weg – für immer. Für viele Betroffene ist dies zunächst ein nahezu unerträglicher Zustand. „Der Trauerprozess ist sehr individuell“, erklärt Diplom-Psychologin Elke Baumann. „Die allermeisten Menschen brauchen einige Zeit, bis sie diese Gedanken verarbeitet haben. Generell lässt er sich in vier Phasen einteilen, an denen sich erkennen lässt, inwiefern eine Person die Situation bereits verarbeitet hat. Bei den meisten Menschen dauert dieser Prozess etwa ein Jahr.“

Den eigenen Weg finden

Aber es gibt eben auch Personen, die die Trauer schlichtweg nicht überwinden können. Sie scheinen keine Freude mehr am Alltag zu haben, sind quasi zu keiner Zeit mehr fröhlich. Einen typischen Trauerprozess haben sie nicht durchlaufen. Sie halten immer noch an der verstorbenen Person fest, können nicht loslassen. Dabei sei genau das aus Sicht von Baumann enorm wichtig, um die Trauer verarbeiten zu können. „Wenn jemand den Tod einer nahestehenden Person über eine längere Zeit nicht überwunden hat und statt zu trauern den Trennungsschmerz verdrängt, bleibt er länger in diesem deprimierenden Gefühl hängen. In solchen Fällen kann es zu einer Depression kommen, die psychotherapeutisch behandelt werden sollte“, empfiehlt Baumann. Oftmals käme in diesen Fällen von Angehörigen oder Hausärzten der Rat, es mal mit einer Psychotherapie zu versuchen. Aber auch hier müsse jede Person ihren Weg für sich finden. Schließlich sei nicht jeder Mensch offen für eine Psychotherapie.

Erfolgsversprechendes Vorgehen

Dabei sei genau dies die Voraussetzung für ein erfolgsversprechendes Vorgehen. „Nahestehende fühlen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt hilflos. Sie möchten der trauernden Person gerne helfen, doch sie kommen in den Gesprächen nicht weiter. Sie bekommen oft zu hören: ‚Das verstehst du doch sowieso nicht!‘ Ein Psychotherapeut hingegen beobachtet die Situation aus einer professionellen Distanz“, erklärt Baumann. „Zudem verfügen wir über Fachwissen und nehmen eine Situation anders wahr als eine Person, die unmittelbar davon betroffen und näher am Geschehen dran ist. Wenn eine Person Probleme mit dem Herz hat, geht sie zum Fachmann und nicht zu einer Freundin.“
  

Gespräche können bei der Verarbeitung helfen Bild: Microgen/stock.adobe.com
Gespräche können bei der Verarbeitung helfen Bild: Microgen/stock.adobe.com

In guter Erinnerung behalten

Wenn die betroffene Person offen für eine Therapie ist, könne dadurch viel bewirkt werden. „Beispielsweise wenn eine Person davon berichtet, dass sie mit dem Tod des Partners seit zehn Jahren nicht zurechtkommt, dann muss man mit ihr Schritt für Schritt daran arbeiten. Was fühlt sie – körperlich, gedanklich oder emotional“, sagt Baumann. Der Trennungsprozess, der in der Vergangenheit nicht passiert ist, werde im Gespräch langsam initiiert, sodass der Betroffene nach und nach verstehe. „Der Nahestehende ist nicht jetzt gestorben, weshalb es ihn nicht in diesem Moment zerreißt, wie es vor zehn Jahren, unmittelbar nach dem Tod des Nahestehenden, vielleicht angefühlt hat“, beschreibt Baumann. „Es geht darum, dass die Person sich erinnern kann, wie groß dieser Schmerz damals war und dass er sich heute, zehn Jahre später, ganz anders anfühlt.“ Je mehr ein Mensch schließlich dazu in der Lage sei, diese Situationen zu differenzieren, desto eher könne diese Person die Trauer hinter sich lassen. „Gleichzeitig bleibt klar: Der Tod des Nahestehenden kann nicht ungeschehen gemacht werden“, sagt Baumann. „Aber man kann den Menschen im Herzen trotzdem in guter Erinnerung behalten.“