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Auf dem Steinmüllergelände hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan Bild: Beatrix Schmittgen

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Chancengleichheit für Stadt und Land Vor der Neugliederung im Jahr 1975 mussten einige Hürden genommen werden

26.06.2020

Der Oberbergische Kreis entstand 1932 aus der Vereinigung der bis dahin selbstständigen Kreise Gummersbach und Waldbröl. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde das Kreisgebiet 1975 erweitert. Bis es zur kommunalen Neugliederung vor 45 Jahren kam, mussten jedoch einige Hürden überwunden werden.

Parteipolitik spielte keine Rolle

Nachdem bereits 1969 eine kommunale Neugliederung des Oberbergischen Kreises erfolgt war, gab es 1974 große Übereinstimmungen bei den Kreistagspolitikern für eine Neugliederung der Kreisgebiete im Raum Köln. So stimmte der Kreistag dem Vorschlag des NRW-Innenministeriums zu, den Oberbergischen Kreis um die Gemeinden Lindlar und Engelskirchen sowie die Städte Wipperfürth, Hückeswagen und Radevormwald zu erweitern. Die Räte in Engelskirchen, Lindlar und Wipperfürth beschlossen mit großen Mehrheiten die Eingliederung in den Oberbergischen Kreis. Diesem Beschluss gingen zahlreiche Gutachten verschiedener Gremien voraus, wobei parteipolitische Erwägungen keine Rolle spielten: Es ging darum, das Oberbergische als eigenständigen Kreis zu erhalten. Der übergeordnete Gedanke dabei war, möglichst chancengleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen sowie die Wirtschaftsregion Oberberg zu stärken. Kleine Verwaltungseinheiten sollten aufgelöst und durch größere, leistungsstärkere ersetzt werden. Nachdem dem Vorschlag der Landesregierung zugestimmt wurde, stand dem Fortbestand von „Oberberg“ nichts mehr im Wege.

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Vorschlag stieß auf Widerstand
  

Das Kreishaus aus der Luft Bild: Beatrix Schmittgen
Das Kreishaus aus der Luft Bild: Beatrix Schmittgen

In den Rhein-Wupper-Gemeinden Radevormwald und Hückeswagen regte sich allerdings Widerstand gegen die Eingliederung, da einige Bürgerinnen und Bürger um die Eigenständigkeit fürchteten. Die Stadt Remscheid hatte bereits 1970 Eingemeindungsansprüche angemeldet. Als aber deutlich wurde, dass der Rhein-Wupper-Kreis nicht mehr zu halten war, orientierten sich Radevormwald und Hückeswagen in einer Abwehrrektion Richtung Kreissüden. Die Stadt Radevormwald wollte zudem verhindern, in den Ennepe-Ruhr-Kreis eingegliedert zu werden. Am 29. März 1974 votierte der Rat Hückeswagen mit 14 zu zwölf Stimmen für den Oberbergischen Kreis, am 5. April folgte die Entscheidung aus Radevormwald mit 18 zu 14 pro Oberberg. Im Aggertal gab es ebenfalls Diskussion um den Neugliederungsvorschlag. Ründeroth sollte seine Eigenständigkeit aufgeben und in der Gemeinde Engelskirchen aufgehen. Der Vorschlag „Gemeinde Aggertal“ war damit hinfällig und letztendlich entschied der Engelskirchener Rat im April 1974, gemeinsam mit der bisherigen Gemeinde Ründeroth unter dem Namen „Engelskirchen“ zu firmieren.

Bildung von großer Bedeutung

Bis zum 27. September 1974 waren die Fragen der Zuordnung und Spekulationen beendet, denn an diesem Tag beschloss der Landtag in Düsseldorf das Gesetz zur Neuordnung des Kölner Raumes nach den eingereichten Vorschlägen. Ab dem 1. Januar 1975 bestand der Oberbergische Kreis nun aus 13 Städten und Gemeinden und hatte rund 240.000 Einwohner. 88.000 Neubürger waren hinzugekommen. Im Laufe der Jahre hat sich der Kreis zu einem der führenden Wirtschafts- und Karrierestandorte in NRW entwickelt. Bildung ist dort seit Generationen von zentraler Bedeutung.


"Die Region hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort entwickelt"


Pandemie im Jubliläumsjahr

Ein klarer Standortvorteil ist die Technische Hochschule Köln, Campus Gummersbach. Der Oberbergische Kreis zählt zu den sichersten Landkreisen in NRW und bietet hohe Lebens- und Wohnqualität. Die größte Veränderung für den Oberbergischen Kreis brachte in diesem Jahr wohl die Verbreitung des Coronavirus. Schulen, Kindergärten und Geschäfte mussten schließen, das öffentliche Leben wurde fast vollständig auf Null gefahren. Nach fast vier Monaten Ausnahmezustand gehen die Fallzahlen zurück. Langsam kehrt auch im Oberbergischen Kreis die Normalität zurück.