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Die Gemeinschaft von Wohnungseigentümern entscheidet zusammen über größere Erhaltungsmaßnahmen oder bauliche Veränderungen an der Immobilie Bild: bluedesign/stock.adobe.com

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Böse Überraschung für Patchworkfamilien Die Schwachstellen der gesetzlichen Erbfolge sollten nicht unterschätzt werden

18.10.2021

Die sogenannte Patchworkfamilie prägt zwischenzeitlich immer mehr das gesellschaftliche Bild. Viele Ehen werden geschieden und Kinder aus früheren Beziehungen kommen mit in die zweite Ehe. Weil das deutsche Erbrecht für diese Fälle nicht geschaffen wurde, treten im Erbfall ungewollte und von den Beteiligten als ungerecht empfundene Konsequenzen auf. Denn tritt die gesetzliche Erbfolge ein, regiert das Zufallsprinzip.

Ein Beispiel

Herr M und Frau F heiraten. Für beide ist es die zweite Ehe. Er hat zwei Töchter und sie zwei Söhne aus jeweils erster Ehe. Gemeinsame Kinder gehen aus dieser Ehe nicht hervor. Ein gemeinsam gekauftes Eigenheim im Wert von einer halben Million Euro stellt das wesentliche Vermögen dar. Tritt die gesetzliche Erbfolge ein und stirbt der Ehemann als erstes, wird er von seiner Frau zur Hälfte (125.000 Euro) beerbt. Die andere Hälfte erben seine beiden Töchter, also jeweils 62.500 Euro. Stirbt später die Ehefrau, erben ihre beiden Söhne jeweils hälftig und erhalten damit 187.500 Euro. Die Vorstellung vieler Ehegatten, das „am Ende“ alle vier Kinder gleich erben würden, ist also falsch. Und noch schlimmer: Das vorstehende Ergebnis gilt natürlich auch umgekehrt, wenn die Ehefrau als erstes verstirbt. Das Erbe wird daher völlig dem Zufall überlassen.

Der oder die Ex

Eine weitere ungewünschte Folge von Patchworkkonstellationen kann sein, dass über einen Umweg der erste Ehepartner Erbe wird. Dies kann eintreten, wenn ein Gatte verstirbt, und von seinem leiblichen Kind sowie seinem Ehegatten beerbt wird, und anschließend das leibliche Kind ebenfalls verstirbt, ohne eigene Abkömmlinge zu hinterlassen. Aufgrund gesetzlicher Erbfolge geht das gesamte Eigentum des Kindes auf den überlebenden Elternteil über. Die Folge kann sein, dass der Gatte des Zuerstverstorbenen gemeinsam mit dem Expartner des Zuerstverstorbenen beispielsweise Miteigentümer an einer Immobilie wird.

Testament schreiben

Um Derartiges zu vermeiden, sollten Eheleute in sogenannten Patchworkfamilien dringend die gesetzliche Erbfolge durch eine eigene Regelung aufheben. Dabei ist aber Vorsicht angezeigt. Um kein Kind zu bevorteilen, kann eine sogenannten Pflichtteilsbestrafungsklausel helfen. Sie regelt, dass ein Kind, das nach dem Tod des ersten Ehegatten seinen Pflichtteil verlangt, am Ende von der Schlusserbfolge ausgeschlossen sein soll. Weitere Ergänzungen und Ausgestaltungen sind möglich. Für eine optimale Gestaltung eines Testaments sind alle Aspekte des Einzelfalls zu berücksichtigen. Dabei unterstützt ein Fachanwalt für Erbrecht. Nähere Informationen unter: www.jurapartner.de

Ralf Alexander Muhs
Fachanwalt für Erbrecht
JURAPARTNER
Rechtsanwälte Fachanwälte
Fachkanzlei für Erbrecht