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Bild: Felix Pergande/adobestock.de

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Baustelle Dom – Eine Geschichte, die nie endet? Die Fertigstellung im Jahr 1880 bedeutete nicht das Ende aller Arbeiten

8.10.2020

140 Jahre ist es nun her, dass der Dom vollendet wurde. „Vollendet?“, fragt sich nun so mancher Tourist und bestimmt auch der ein oder andere Kölner. Schließlich wird Jahr für Jahr am Wahrzeichen der Rheinmetropole gearbeitet. Erst seit August etwa kann die Westfassade des Gebäudes seit langer Zeit noch einmal ohne Gerüst bewundert werden. Um zu verstehen, was genau Vollendung im Falle des Kölner Doms bedeutet, hilft ein Rückblick in die Geschichte des beeindruckenden Bauwerks.

Das Taufbecken als ältestes Fundstück

Bereits 313 nach Christus wird mit dem Heiligen Maternus erstmals ein Kölner Bischof erwähnt. Zwar ist bis heute nicht nachweisbar, wo seine Kirche stand, doch es gilt als wahrscheinlich, dass sie innerhalb eines römischen Wohnhauses lag, vielleicht sogar im Areal des heutigen Doms. Das älteste archäologische Fundstück, das Besucher bis heute bewundern können, stammt aus dem sechsten Jahrhundert: das Taufbecken eines frühmittelalterlichen Baptisteriums. Um 800 entstand dann eine gewaltige karolingische Kirche, der sogenannte Alte Dom. Dieser wurde im zehnten und elften Jahrhundert erweitert. Seit 1164 lagerten dort die Gebeine der Heiligen Drei Könige.

Mehr als 300 Jahre Pause

1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein zur heutigen hochgotischen Kathedrale. Die Architektur des neuen Doms orientierte sich eng an der modernsten französischen Architektur. In den folgenden Jahrhunderten arbeiteten die Kölner fleißig an ihrem Dom. Doch um 1520 wurde der Bau für mehr als 300 Jahre unterbrochen. Zu dieser Zeit glich die Kathedrale einer gewaltigen Bauruine. Während der Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen 1794 litt das Bauwerk stark: Bronzebildnisse wurden eingeschmolzen, hölzerne Wappenschilde verbrannt.

Der Einsatz der Bürger

Die Französische Revolution brachte eine Wiederentdeckung mittelalterlicher Kunst und Architektur mit sich. Kölner machten sich bereits im frühen 19. Jahrhundert für den Weiterbau am Dom stark. Der junge Kaufmannssohn Sulpiz Boisserée war dabei die treibende Kraft. Er warb geschickt und ausdauernd bei den politischen und geistigen Größen dieser Zeit für seinen Dom. So besuchte er etwa 1814 mit dem damaligen Kronprinzen die Kathedrale und steckte ihn mit seiner Begeisterung an. Als der Prinz 1840 zum König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gekrönt wurde, war der Weg für die Vollendung frei, die nötige königliche Genehmigung reine Formsache. 1842 legte der König den Grundstein zur Vollendung des Doms. Finanziert wurde der Bau jedoch nicht alleine vom König. Kölner Bürger gründeten den Zentral-Dombau-Verein, der am Ende 60 Prozent der nötigen Gelder aufbrachte. Der Verein existiert bis heute und finanziert nach wie vor zu einem großen Teil die Arbeiten der Kölner Dombauhütte zur Erhaltung des Kölner Wahrzeichens.


"Heute setzen das Wetter und andere Umwelteinflüsse der Kirche am meisten zu"


Das höchste Bauwerk der Welt

1880 war es schließlich soweit. Mit den beiden über 157 Meter hohen Türmen war der Dom das höchste Bauwerk der Welt. Doch die Vollendung bedeutete keinesfalls das Ende aller Arbeiten. Nachbesserungen am Bau, der Abbau der Gerüste und die Fertigstellung der Ausstattung zogen sich rund 20 Jahre hin. Kurz vor seinem Tod erklärte Dombaumeister Richard Voigtel 1902, dass der Bau endgültig abgeschlossen sei. Bereits vier Jahre später stellte sich seine Einschätzung als falsch heraus, als nach dem sonntäglichen Hochamt am 20. Mai 1906 der Flügel einer Engelfigur über dem Hauptportal abstürzte. Dank eines Regenschirms, der den Sturz abbremste, wurde niemand verletzt. Der damalige Dombaumeister Bernhard Hertel begann daraufhin mit den Restaurierungsarbeiten.

Schutz vor der Witterung

Auch im Zweiten Weltkrieg erlitt das Bauwerk vor allem durch 14 schwere Spreng- und über 70 Brandbombentreffer schwere Schäden. Die Dombauhütte schaffte es trotzdem bis zur 700-Jahrfeier der Grundsteinlegung 1948, Chor und Querhaus und bis zum Katholikentag 1956 auch das Langhaus wiederherzustellen. Bis heute gibt es am Bau zahlreiche kleinere Kriegsschäden. Mittlerweile setzen dem Dom allerdings das Wetter und andere Umwelteinflüsse am meisten zu. Das Hauptaugenmerk der Dombauhütte liegt daher auf der Restaurierung des geschädigten Steinwerkes sowie der Konservierung und dem Schutz der wertvollen historischen Fenster.